Zum Ärztemangel in der ‚Fläche‘ Deutschlands : Unverschämte Ursachenforschung

Der sogenannte Landärztemangel ist nur oberflächlich betrachtet ein Distributionsproblem. Es gibt nicht bloß die Ärzte in der Stadt zu viel, die auf dem Land fehlen. Mit anderen Worten: Der städtische ‚Überschuss‘ wird sich auch durch den Willen des Gesetzgebers nicht transplantieren lassen.

Ärzte sind studierte Leute – oftmals mit eindringlichem Kulturinteresse, damit geistig mit großer Nähe zu einem kulturellen Klima, das man ‚urban‘ nennen muss.

Die Freude ist nicht zwingend beiderseits : Die Menschen, die ein Landarzt zu behandeln hat, stehen – nicht zwingend aber häufiger – für ein geistiges Klima, das den Arzt dort als Arbeitnehmer zwar willkommen sein lässt, als Wohnsitznehmer dort aber tendenziell heimatlos macht. Die Freude dieses Patientenmilieus, behandelt zu werden, sollte sich mal durch die Frage brechen lassen, warum Ärztemangel eine Frage des flachen Landes weit ab der Städte ist, also: Warum es besonders für junge Ärzte so auffallend unattraktiv ist, diese Patientschaft zu versorgen. Warum jemand, der seine Karriere wie sein Leben im Wesentlichen noch vor sich hat, eines nicht tut: die Menschen dort versorgen.

Sicher es liegt nicht lediglich an den Menschen, aber es liegt an der Stadtferne des geistigen Klimas, das diese Menschen am Leben halten und das diese Menschen am Leben hält. Leider geht das eigene Wohlfühlklima  für diese Menschen dann überdurchschnittlich  auf Kosten der Möglichkeit einer nahen Dauer-Versorgung durch Klima-fremde, zugezogene Ärzte. Noch schlimmer ist in der Fläche vielleicht bald der Mangel an Psychologen und Psychotherapeuten. Die Erklärung für diesen Mangel ist die selbe.

Das alte Wohlgefühl, das der Landarzt einem bescherte, und das wesentlich in der Vorstellung bestand, der Arzt sei ‚einer von hier‘ oder ‚einer von uns‘, mit dem man jederzeit auf Augenhöhe einen Plausch abhalten könne und der zur großen Dorffamilie dazu gehört: dieses kuschelige Vereinnahmungsmodel hat für junge Ärzte keinen Charme mehr. Denn Vereinnahmtes steht unter erhöhtem Konformitätsdruck. Dieser macht das Leben unangenehm.

Selbst wenn der Konformitätsdruck, der der Preis dieser überschaubaren und damit von Komplexität entlastenden Einbettungssphäre des Ländlichen ist, für die Autochtonen nie evident wird: der Zugezogene bringt doch eine Perspektive mit, die so etwas registrieren kann. Wenn er dann diese Sicherheit nicht wertschätzt, weil sie ihm trügerisch erscheint, gibt es einen Grund weniger, dort hinzuziehen.

Wir hätten, angesichts der z.B. durch das Internet verstärkten prinzipiellen Ortslosigkeit in der globalisierten Welt (also ‚Globalisierung‘ verstehe ich im Sinne Sloterdijks) glauben wollen, dass das irgendwann keinen Unterschied mehr macht: wo man ist, wo man arbeitet, wo man lebt. Der moderne, flexible Arbeitnehmer ist schon lange Nomade geworden (vgl. Heiner Hastedt, Moderne Nomaden, Wien 2009). Aber der Schritt von einem Studium an einer deutschen Universität hin ins Ausland scheint häufiger gegangen zu werden als der von der Universitätsstadt ins stadtferne, innerdeutsche Land. Das universitätsstädtische Milieu scheint in internationaler Perspektive geringere Brüche zu enthalten als das innerdeutsche Spektrum zwischen Stadt und Land.

Die Perspektivensuche, was Arbeitsmöglichkeiten angeht, hatte in der Geschichte der letzten Jahrhunderte meist einen klaren Vektor: Vom Land in die Stadt. Expansivität, Dynamik, Veränderung, Nicht-Verhärtung: all das lockt Menschen, die das Gefühl haben wollen, ihr eigenes Leben wartet noch auf eine Eroberung durch sie selbst – mit offenem Ausgang; man könnte auch sagen: das lockt Menschen mit einer klaren Bildungserwartung tendenziell weg vom Land.

In ‚Erziehung nach Auschwitz‘ polterte Adorno gegen die Trägheit der geistigen Strukturen besonders in ländlichen Gebieten Deutschlands. War Adornos Empfehlung – Freiwilligentrupps zusammen zu stellen, die das Land zivilisieren – noch tendenziell Lacherfolg-fähig, so scheint darin eine bis heute sich durchhaltende (wenn auch sich abschleifende) Geistes-Opposition durchzuhalten, die nur vordergründig eine topographische Opposition ist: die zwischen Esoterischen und Exoterischen Kreisen der Denkkollektive (nach Ludwik Fleck).

Botschaften der Zivilisierung halten nur mit einer gewissen Zeitverzögerung dauerhaft Einzug in die mentalen Strukturen des Ländlichen. Mag dieser Zeitverzug durch die behauptete Gleichzeitigkeit gesellschaftlicher Phänomene, die durch die Massenmedien erzeugt wird, etwas gemildert werden, so ist die Gefahr nicht gebannt, dass in der ‚Provinz‘ ‚falsche‘ Bilder ankommen. Niemand muss auf dem Land mit den urbanen Phänomenen ‚leben‘, die er von der Mattscheibe kennt. Man kann sich auf die Beobachterposition zurückziehen und jede Kleinstabweichung mit einem „Die spinnen, die Römer“ abtun.

Noch dazu: Viele Medizinstudenten an den Universitäten kommen aus dem Ausland: Pakistan, Indien usw. Das werden ohne Zweifel gute Ärzte. Würden Sie einem pakistanischstämmigen jungen Arzt raten, eine Hausarztpraxis in einem kleinen Ort in der Lausitz zu eröffnen, damit er sich dann Kommentaren der 84jährigen Rentnerin Frau Schmidt aussetzt, die noch meint, ihn zu loben, wenn sie sagt: „Für einen Ausländer sprechen Sie aber ganz gut Deutsch“? Was will ich Ihnen mit dieser Suggestivfrage ‚eigentlich‘ sagen? Sie wissen es bereits…

Der sogenannte Landärztemangel ist kein Distributionsproblem. Es gibt nicht bloß die Ärzte in der Stadt zu viel, die auf dem Land fehlen. Bevor man durch Geld-Anreize Biographien von Leuten, die das urbane Milieu schätzen, gegen die Milieuverfestigungen des Ländlichen manipuliert, sollte man lieber für ein gesamtgesellschaftlich humanes Klima eintreten.

Ich sehe in der Politik eine massive Ahnungslosigkeit, was das bedeuten könnte – wie im Allgemeinen unsere Bundesregierung bei Einschätzungen der sozialen Stimmung meist grob daneben liegt. Das offenbart sich nicht zuletzt immer mal wieder an prominenten Problemfeldern: Dass beim Landärztemangel eine Abstimmung mit den Füßen stattgefunden hat, ist ein demokratischer Glücksfall: in der DDR wären Ärzte noch zwangsversetzt worden. Der worst-case ist diese Abstimmung mit den Füßen höchstens für die, die in der demographischen Falle leben und darin ein geistiges Klima erzeugen, in dem zumindest klügere Leute es freiwillig nicht lange aushalten.

Kleine Analyse des Papstbesuches – Thesen zu Glaubensgewissheiten

Ich wünsche mir mehr Kritik und weniger Affirmation. Wenn ganz Deutschland einem Papstbesuch zuschaut und jubelt und die Aussagekraft dieser phänomenalen Erscheinung auch noch daraus bestärkt wird, dass sogar Menschen sich dafür begeistern, die mit Religion sonst nichts am Hut haben, dann soll das für die besondere Milde von Benedikt XVI. sprechen, nur: die Menschen haben keine Wahl. Die Asymmetrie ist ja gerade die, dass man sich zu diesem Phänomen verhalten soll, dass dieses Phänomen aber keineswegs sich zu den realen Menschen neigt oder verhält: Nein, ein Papst verändert sich nicht, ja der Papst entlarvte all die naiven Hoffnungen, es könnte sich bei ihm noch um einen Menschen handeln, der nicht einfach nur Verständigung predigt, sondern wirklich zuhören kann, so zuhören, dass es auch ihn verändert. Eine Initiative aus Österreich hat es ans Licht befördert: Viele Priester praktizieren in ihren Gemeinden vor Ort einen Glauben, der zwar nah an den Menschen und ihrer Lebenswirklichkeit ist, aber eben genau aus diesem Grund die erhabene Höhe der Vatikanischen Lehre unterbieten muss, sie geben Geschiedenen die Kommunion, sie schließen auch Protestanten nicht aus, all das ist eigentlich Teufelszeug. Und dann die Rede Benedikts vor dem Bundestag, in der vieles von dem, weshalb der katholischen Kirche die Anhänger scharenweise davon laufen, nicht vorkam. Und dann redet der Papst da so vermeintlich philosophisch daher, da poltert er gegen das Positivistische Weltbild der modernen Naturwissenschaften, und dass obwohl er wissen müsste, dass die Wissenschaftsphilosophie schon lange eine anti-positivistische Wende eingeleitet hat, nicht zuletzt mit dem Heidelberger Philosophen Gadamer, spätestens mit sozialkonstruktivistischen Strömungen, aber gegen die poltert Benedikt ja auch, weil die seien ja Türöffner zum Relativismus und nichts ist schlimmer als Relativismus: was einem Mann, der in Glaubenswahrheiten gefangen ist, wie Beliebigkeit vorkommt, ist dem Begriff nach aber nichts anderes als Relativität, also die Verhältnismäßigkeit der Erkenntnis zu ihrem kategorialen Bezugssystem, innerhalb dieser Erkenntnissystem-inhärenten Strukturen ist man aber alles andere als völlig frei in der Wahl dessen, wie man eine Relation der Erkenntnis zum eigenen Bezugssystem herstellt, das ja immer eine irreduzible Grundlage meint, auch Benedikt ist als Katholik nicht frei in der Wahl, wie er die Welt deutet. Relativismus ist nicht Grundlagenlosigkeit und Beliebigkeit. Was der Papst in einer Gesamtschau auf die Pluralität der verschiedenen Denkstile für eine Aufweichung der Wahrheit hält und daher als Beliebigkeit akzentuiert, verkennt, dass innerhalb dieser Wahrheitsfindungsstrukturen alles andere als Beliebigkeit sondern harter Denkzwang herrscht, nicht weniger hart als in der Kirche. Aber Benedikt will ja einfach nur alle Modelle diskreditieren. Genauso wie den Individualismus. Aber mein Gott: Wie kann es ein Erkennen geben, wenn ich mich nicht mindestens selbst autonom aber als Angehöriger einer Sozialität darauf hin befrage, wie unter diesen und jenen Ausgangslagen die Chancen stehen, sich positiv auf eine Erkenntnismöglichkeit auszurichten? Ist nicht der Glaube in einem freien Verständnis ein höchst individualistisches Frage- und Antwortspiel zwischen dem Selbst, der Tradition und dem respektablen Bedürfnis nach Spiritualität und Transzendenz? Benedikt aber möchte ja gar nicht die Freiheit der individuellen Selbstbefragung im Glauben, er perspektiviert ‚echten‘ Glauben als etwas von höchster Unfreiheit kündendes. Zwar ist auch ‚echter‘ ‚Nichtglaube‘ nicht weniger Unfrei, aber aus dieser jeweiligen Bezugsgemäßheit des je eigenen Tuns folgt nicht Relativität sondern die Gleichmöglichkeit differenter Haltungen, und das zu dulden hieße: Toleranz, über die der Papst wohl oder übel nicht verfügt.  Das Problem, dass viele Kommentatoren der Rede sahen, war, dass Benedikt niemals die Begriffe, die er verwendet, erklärt. Er hält sie seinen qua pontifikaler Würde hypnotisierten Auditorien als Embleme vor, und weiß, dass ihre heuristische Schwammigkeit gutmütig als die ganz große Weisheit ausgelegt werden muss, weil die Auditorien es nicht besser wissen können. Und so watsch er das Fundament des 20. Jahrhunderts ab, erst kriegt der harte Positivismus eins drüber und samt ihm auch seine intellektuelle Redlichkeit, dass eben der Wissenschaftler als emotionales Subjekt sich raus halten muss aus dem, was er klar sehen will, wenn er denn klar sehen will und selbstkritisch auch noch die Kriterien mitliefern muss unter welchen seine Behauptungen unwahr werden und er als Wissenschaftler demontiert, – fragen Sie sich mal wann Benedikt in seinen Reden je die Kriterien mitgeliefert hätte, unter welchen seine Behauptungen unwahr werden könnten, fragen Sie sich mal, warum man Menschen hofieren sollte, die mit begrifflich ungedeckten Checks einkaufen gehen – und Benedikt watsch soziologische Erkenntnistheorien ab, da in ihnen der Mensch zu viel an der Erschaffung einer Idee vom Ganzen pfuscht, wofür aber niemand außer Gott urheberschaftlich verantwortlich sein soll, und er watscht den Individualismus ab und die erst aus ihm sich ergebende Möglichkeit zu Bildung und vielleicht auch zu autonom praktizierter Religiösität: Im Ergebnis heißt das: Nichts kommt Benedikt schlimmer vor als Menschen, die klar auf harten Fakten sehen wollen, auch auf den Fakt, dass sie selbst ihr Bild von der Welt schaffen und sich frei zu einem Lebensmuster entscheiden können, weil sie die Wahl haben: nur bloß keine durch Intellektualität erzeugte Unabhängigkeit vom heteronomem Dogma der Amtskirche, vor nichts hätte Benedikt mehr Angst.

Und dann poltert er dagegen, dass die Menschen ihre eigene ‚Natur‘ nicht genügend respektieren und dass es genau wie bei der Umwelt darauf ankomme, den natürlichen Bedürfnissen natürlicher Erscheinungen genügend Gehör zu schenken. Auch da Fehlanzeige was eine Präzisierung der Begriffe betrifft – sie funktionieren bei Benedikt offensichtlich nur solange sie vieles mögliche aber nichts konkretes bezeichnen: eben emblematisch – Fragen Sie sich mal, wie Sie telefonisch eine Pizza bestellt kriegen, die Sie die ganze Zeit aus Unschärfegründen nur prototypisch als ‚Lebensmittel‘ zu bezeichnen vermögen, und fragen Sie sich mal, welcher Pizzalieferservice Sie darauf hin für ihre sprachliche Genauigkeit loben wird … Und der Papst, der mit dem Gerede von der menschlichen Natur meint, dass Menschen nicht eingreifen sollten zum Beispiel in ihre natürlichen Reproduktionszyklen, tut der damit nicht auch etwas, was er vorher ablehnte: eine Positivierung des Menschenbildes, eben wenn er den menschlichen Eingriff nicht auf den Begriff der Arbeit am  kulturellen Aspekt des Menschseins ausweitet sondern auf den der materiellen Manipulation an menschlicher Substanz vereinseitigt? Eine Festlegung des Menschen auf die Imperative seiner Naturseite, die im wesentlichen in seinem Fortpflanzungsmechanismus verortet wird? Denn in dem Moment, wo Benedikt dies ansprach, klatschte das Bundestagsauditorium, als er sinngemäß sagte: ‚der Mensch dürfe nicht den Menschen machen‘. Diese Aussage eindeutig zu beklatschen obwohl sie in mindestens zwei Richtungen verstehbar ist, finde ich problematisch. Erste Lesart: der Mensch darf den Menschen nicht in einer Petrischale züchten. Diese Lesart darf durchaus beklatscht werden, der Meinung bin ich ja auch. Da auf diese Lesart hin das Auditorium tatsächlich klatschte, handelte es sich bei ihm um eines, das ‚Menschen machen‘ nur in Hinsicht positivistischer Naturwissenschaft verstanden hatte weil es durch diesen Denkstil nur die positivistische Seite dieser Aussage zu hören fähig war, also eben gerade genau so denkt, wie der Papst es ablehnt. Denn die andere Lesart dieser Aussage ist die nicht beklatschenswerte: das ist die kulturelle, nicht-positivistisch-naturwissenschaftliche Aussage: ‚der Mensch darf den Menschen nicht konstruieren‘, soll heißen: ‚der Mensch darf sich nicht selber aufzeigen, was er ist, er darf sich nicht als ein durch kulturelle Arbeit durch sich und für sich selbst geschaffenes Wesen bewusst werden und braucht sich nicht autonom zu entwerfen sondern muss glauben, dass ihm seine Bedeutung erst und nur durch Gott zukommt‘. Wer im Bundestag diese Lesart rausgehört hätte, die da auch in der Aussage steckte, der Mensch dürfe nicht den Menschen machen, hätte durch das Klatschen das geistige Fundament des 20. Jahrhunderts verhöhnt: dieses Fundament ist die Einsicht in die kulturelle und soziale Konstruiertheit menschlichen Daseins in Symbolräumen der gegenseitigen sozialen Bejahung. Alles ist von Menschen gemacht, sogar Kirche. Paradox wird es dort, wo Kirche sich aus ihrer kulturellen Konstruiertheit herausnehmen will und die Menschen belehren will über ihre Unmöglichkeit zum Selbstentwerfen von Institutionen und dessen, was sie sein wollen. Diesen Aspekt hätte man nicht beklatschen dürfen. Aber es wurde doch geklatscht bei der Aussage, der Mensch dürfe nicht den Menschen machen. Also hatte Benedikt Abgeordnete vor sich, die unter ‚machen‘ was brutal materielles, was faktisches, was bloß positivistisches verstanden und auf Manipulation an Embryos vereinseitigte, ihre Denkstilzugehörigkeit ist durch diese Bereitschaft zu einem gerichteten und selektierenden Hören bereits erwiesen: er hatte eben solche Menschen vor sich, gegen deren Positivismus er polterte, und keiner hat das geschnallt, nicht einmal der Papst selber. Letztendlich hindert er die Menschen am Verlassen dieses Positivismus. Der Papst nimmt modernen, selbstbewussten Menschen alles weg, was sie haben und will die Spielregeln bestimmen, indem er ihnen ihre niedlichen aber irrigen Versuche des wissenschaftlichen Wissenwollens qua schlechter Erfolgsaussichten diskreditiert und stattdessen nur Glaubensgewissheiten austeilt, mehr hat er nicht anzubieten, mehr hat er nicht einmal den Missbrauchsopfern anzubieten, die ihren Glauben durch die Amtskirche verlieren mussten. Benedikt tut alles als Vorsteher einer Organisation, die leugnen muss, dass sie von Menschen künstlich gemacht wurde um das Bedürfnis nach Spiritualität und Struktur zu institutionalisieren und damit Verlässlichkeit in eine Sache zu bringen, die erst durch ihre Verselbständigung lernte, ihre Ursache scheinbar nicht mehr in Menschen haben zu müssen, und die erst damit einen Halt zu geben vermag, der aus dieser Welt herausreichen soll, obwohl er doch immer nur Halt geben muss für in der Welt stattfindende ziemlich platte und irdisch banale Lebensanlässe und Ereignisse im Leben realer Menschen in dieser Welt. Die helfende Hand aus dem Jenseits reicht in diese Welt hinein, in der sie aber aufgrund der nur hier akuten Problemlagen erst geschaffen wurde und Menschen nachfolgend nur noch an sie glauben wollen konnten, wenn sie deren Genese in einem den Menschen unzugänglichen Bereich verortete, denn mit der Religion musste ja in der Welt über andere Menschen geurteilt werden, etwa Straftäter. Wie urteilen Sie, wenn Sie keinen Maßstab außer einem selbstgemachten – also vermeintlich relativen – haben? (Ist das nicht ein pessimistisches Menschenbild, wenn es das Menschengemachte ablehnt aufgrund des grundsätzlichen Beliebigkeitsvorwurfs? Ist das nicht ein pessimistisches Bild, wo Menschen prinzipiell nur Beliebiges machen können und daher vom Setzen der Maßstäbe, in denen sie einander richten, ausgeschlossen werden durch Instanzierung einer Sache, die ihnen über ist?) Sie urteilen mit einem Maßstab, von dem sie nicht wissen sondern nur glauben können, dass sie ihn nicht selbst erzeugt haben – dem religiösen. Dann erst können sie meinen, dass die Tatsache, schlechtes mit Urteilen zu bestrafen, ein Weltprinzip ist, das vor den Menschen da war und durch Menschen nicht hinterfragt werden kann. Die Menschen überblicken ihren Anteil an dieser Selbstgesetzgebung nicht einmal mehr, wenn sie sich mit Paradiesvorstellungen konfrontiert sehen, die wie karikaturenhaft brutale Überhöhungen des auf der Erde Unerreichbaren aussehen und sogar ein Blinder mit Krückstock das sieht: Warum blühen Paradiesvorstellungen mit x-beliebig vielen Jungfrauen besonders in diesseitigen Kulturen, die Sexualität mit großen Restriktionen belegen? Warum gehen die Menschen dann auf Basis von Suggestionen charismatischer religiöser Führer in den Tod? Weil sie in das Überirdische projizieren, dass dort auf einmal eine sexuelle Freizügigkeit möglich wird, die auf der Erde gerade in geschlossenen Meinungssystemen auf ewig eine bloße – wenn auch geile – Vorstellung hätte bleiben müssen. Hilft uns so eine Religion leichter zu leben? Nein, sie hilft uns in vielen Fällen nur, jünger und hasserfüllter und schmerzvoller zu sterben, oder hasserfüllter gegen Andersgläubige zu poltern in einer Rhetorik, die die ganze Zeit von Liebe schwafelt. Diese Religionen gestehen uns Entlastung im Leben nur zu für Zeitpunkte an denen wir bereits tot sind und nicht mehr Reklamationen einreichen können nach dem Motto: Ich möchte mein Leben zurück weil der Tod nicht gehalten hat, was er versprach, nämlich: Ficken bis zum Umfallen, das ihr Traditionshüter virtuell in Aussicht stelltet, nachdem ihr es real versagt hattet, und so was nennt man dann Moral. Seit Jahrtausenden lassen sich in ihren realen Möglichkeiten klein gehaltene Menschen mit Virtualität abspeisen und haben gelernt, dankbar dafür zu sein. Diese kulturelle Umarbeitungsleistung aber kann in einem gigantischen Selbsttäuschungsakt immer noch für die Natur des Menschen selbst gehalten werden: Religiösität, die uns unser Leben nimmt noch bevor der wahre natürliche Zyklus unserer leiblichen Existenz das verlangt hätte. Ist Ihnen das mal aufgefallen: kaum ein Selbstmordattentäter stirbt an Altersschwäche. Kaum einer ist eine größere Fehlerquelle als der Mensch in der Betrachtung dessen, was wirklich da ist. Keiner ist weniger vorurteilsfrei wenn es darum geht, erst mal zu sehen was da ist ohne es gleich zu bewerten. Er ist der größter Übeltäter wenn es gilt, kulturelle Konstruktionen als eine Natur zu verkaufen, die ihren unerreichbaren Ursprung in einem Wesen hat, das trotzdem von Menschen auf Erden stellvertretend repräsentiert werden könne von solchen Leuten, die sich zum Dank für ihre Ahnungslosigkeit als prinzipiell unveränderlich gebärden dürfen: soviel Asymmetrie und anthropologische Differenz sei den Hütern des Erhabenen zugestanden, aber es müsste allen als ein mächtiger Grund vorschweben, über deren Erhabenheit mal grundsätzlich nachzudenken, und zwar in revolutionärer Absicht.

Die Rede vor dem Bundestag hatte auch aus diesem Grund keinen Philosophischen Wert, weil Benedikt in meinen Augen alle Versuche der Philosophie im 20. Jahrhundert, dem Menschen Würde und
Selbstbestimmungsrecht zuzugestehen, mit dem Arsch einreißt einfach weil er keine werturteilsfreie Distanz zu seinem eigenen Glauben einnehmen kann, ja sogar dazu bestimmt ist, es nicht zu dürfen. Menschen ohne Distanz zu sich, haben wahrscheinlich nicht einmal Humor. Aus Kultur aber gibt es kein Entrinnen genau wie aus durch Kulturelle Vorurteile verstellten Blickwinkeln auf die ’naturgemäßheit‘ menschlichen Daseins, und da haben esoterische Gemeinschaften ihre ganz eigene Form der Kultivierung von verstelltem Blick, das hat da Tradition, anders ist die zweitausendjährige Geschichte dieses Ideenkonstruktes nicht zu erklären. Benedikt reklamiert es für seinen Glauben, sich herausnehmen zu können. Darin liegt die Anmaßung. In der (bloß rhetorisch möglichen) Herausnahme aus dem menschlichen Konstruktionsraum, in einer Angst vor selbstbewussten Menschen, die klar auf die Welt blicken wollen so wie sie ist und dann erkennen könnten, dass es die Menschen selbst waren, die sie als Symbolkosmos geschaffen haben, und dann aus dieser Angst gegen alles poltert er: gegen Individualität stattdessen lieber blöde Herde, gegen positive Erkenntnis stattdessen lieber willenlose Vernebelung ins Unbestimmbare, gegen greifbare kulturelle Konstruiertheit stattdessen lieber unbegreifbare Gottgegebenheit, Ungreifbarkeiten, die sich bei Benedikt schon in den Begriffen wiederholen. Glaubenswahrheiten aber können das alles nicht ersetzen, gegen das sie in Emblemen poltern, sie sind kein geeignetes Ausfallangebot für echte individuelle Reflexion. Sie können die guten Gründe, die für Konstruiertheit oder Positivität stehen, nicht vom Tisch wischen, ja sie sitzen argumentativ nicht einmal am selben Tisch. Wie kann Benedikt das nur gegeneinander ausspielen, als Professor, als Gelehrter? Wie kann man nur Liebe predigen, aber den ganzen Tag Angst vor Menschen haben, die sich ihrer Wahlfreiheit bewusst werden könnten? Mir leuchten die Gründe schon ein warum einem solche Menschen ungeheuerlich sind, die auf die Entlastungsleistung geschlossener Weltbilder verzichten wollen: immerhin bringen diese modernen sinn-asketischen und schlimmstenfalls urbanen Individualisten eine spirituelle Rohheit ins Spiel, die einen, wenn man es nicht genau nimmt, ans Vorkulturelle erinnert. Aber hört nicht vielleicht der in Hinsicht religiöser Polemik Vorkulturelle heutzutage viel genauer hin auf die Fragen, was für sein Dasein naturgemäßer ist? Der urbane Individualist, der erkannt hat, dass moderne Essgewohnheiten seinen Körper zerstören und modernes Konsumverhalt den Globus, und der bewusst gegensteuert, respektiert der sich und die Natur dem Wortlaut nach nicht auf eine starke Weise, so wie es Benedikt fordert oder wie er es fordern müsste, wenn er ‚Natur‘ sagt? Nein, er meinte ja, dass das nicht ausreiche, wenn man das ohne Glauben tut, und nein, der Papst meinte das ja auch in einem viel sexuelleren Sinn, er meinte, wir sind nicht frei in der Wahl, mit wem wir Sex haben dürfen weil Gott seinen Daumen drauf hat auf der naturgemäßen Verwendung des menschlichen Körpers, die Natur hat uns mit der Passgenauigkeit von unansehnlichen Organen vorgegeben, was wie und zu welchem Zweck ineinander zu stecken sei, um Ernährung und Konsum ging es ihm ja schon gar nicht mehr.  Aber sind denn Atheisten generell ohne Struktur? Kann man nur als Katholik ein guter Mensch sein? So ähnlich sagt er es doch: Er reklamiert doch für den Glauben ein Monopol bezüglich der moralischen Orientierung in der Welt. Ist das nicht gefährlich? Ist nicht dieses Moralverständnis wie jeder andere Rassismus ein Exklusivitätskonstrukt? Ein Gesinnungsrassismus: Wer nicht so wie wir glaubt und nicht an uns glaubt, kann Moral in ihrem höchsten Sinne vergessen?

‚Die Kirche darf sich nicht verweltlichen, darf sich nicht der Welt anpassen‘, so ähnlich sagte es der Papst und diagnostizierte eine Tendenz, dass die Kirche keine gute Figur bei der Jagd hinter dem Zeitgeist her mache und dass der einzige Ausweg der Glauben sei. Ja, sag ich da nur, fangt endlich an zu glauben, aber fangt nicht an das zu glauben, was anderen wollen, fangt nicht an zu glauben, wie andere es von euch erwarten um in euch ihren Einfluss sichtbar werden zu lassen. Wenn ihr enttäuscht seid, kehrt der Kirche den Rücken und fangt dann an wirklich zu glauben: zeitgenössisch, selbstbestimmt, aufrichtig, keine Organisation mit Alleinvertretungsanspruch kann eure eigene Motivation in euch und für euren Lebenskreis vertreten, wenn ihr sie nicht selber habt, wird selbst jeder konforme Glauben schal, so sehr er mit seinem Aufsichtspersonal dann auch auf Linie sein mag. Zeigt die Ferne zur Amtskirche eben indem ihr wirklich glaubt, wenn ihr glauben wollt. Ich glaube nicht, habe aber ein Bedürfnis nach Transzendenz und Spiritualität und möchte das nicht desavouieren lassen nur weil ich aus Gründen der Bevormundungsmüdigkeit darauf verzichte, mein respektables Spiritualitätsbedürfnis in einer Amtskirche kanalisieren und für deren Zwecke in den Sack stecken zu lassen. Der Glaube ist nicht deshalb auf dem Rückzug nur weil eine überholte Amtskirche nominell schrumpft. Gerade der Reformstau macht eines deutlich: Was zählt ist NUR der Glaube, aber wir dürfen den Glauben an Gott nicht verwechseln mit dem Glauben an die institutionalisierte Amtskirche. Nirgendwo steht in der Bibel: Du sollst an den Vatikan und sein Personal glauben, oder: Du sollst dem Vatikan und seinem Personal glauben. Selbst bei dem authentischsten Glauben muss der Vatikan völlig außen vor bleiben dürfen ohne dass an dem Glauben zu zweifeln Grund bestünde, selbst externe Zweifel am Glauben müssen völlig ohne Effekt auf den Gläubigen sein, dann erst sind wir Menschen als Gattung frei.

So jetzt habe ich keine Lust mehr. Klar dass bornierte alte Männer meine Intervention heraufbeschwören, aber nicht nur meine, sondern die vieler Menschen mit Hang zur Genauigkeit. Die Reden des Papstes in Deutschland sind trotzdem legitim als das, was sie waren und auch bleiben sollten: die besonders christliche Menschen beruhigenden Reden voller Glaubensgewissheiten aber ohne praktischen Nutzen und ohne sonderlichen philosophischen Wert. Die Rede vor dem Bundestag war zudem aber auch eine polemische Rede gegen unser wissenschaftliches Fundament. Eine Rede mit Falltüren für positivistisch vereinseitigend auf das ‚Selbstmachen‘ des Menschen blickende Claquere, die sich zum Beklatschen ihrer Selbstboykottierung hinreißen ließen, weil sie die Strategien nicht durchschauen, Falltüren die wohlgemerkt erst durch den bloß emblematischen und ungenauen Charakter von Benedikts Begriffen entstanden, den er entweder nicht durchschaut, oder bei dem er, wenn er ihn durchschaut, auf eine beschämend offensive Weise mit der Dummheit seines Publikums kalkuliert – beides ist ihm und uns nicht zu wünschen, selbst wenn wahrscheinlich eins von beidem zutrifft. Und der Besuch war Gelegenheit für einen alten Mann uns mit seinem Privatglauben öffentlich zu behelligen, weil er sein öffentliches Amt nur bekleidet um seiner privaten Glaubensstärke willen, Glückwunsch, aber was bitte schön hat das mit uns zu tun? Wer jetzt noch nicht genügend infiltriert ist, mag sich auch über das Rahmenprogramm der vier Tage hinaus für den Katholizismus interessieren, in der Gesellschaft meiner Träume steht das jedem frei. Benedikt soll ja sogar auf die harte Wirklichkeit  in Form von Opfern des Missbrauchs durch katholische Geistliche getroffen sein, in aller Stille und Heimlichkeit versteht sich, Stille die eigentlich jedem Privatglauben zu eigen sein sollte: Glauben darf keine Botschaft sein, die öffentliche Infiltrierung verlangt, Glauben kann man nicht wirklich predigen, denn dadurch macht man ihn mittelbar und beraubt ihn der Dimension, die er nur durch Unmittelbarkeit haben kann, Unmittelbarkeit aber kann man durch Vermittlung nicht simulieren oder herstellen oder erzwingen, so ähnlich sagte es schon Adorno. Der Hinterzimmertreff mit Missbrauchten war ein Willkommensruf in der missbrauchten Realität mit dem bestechenden Charme ihrer realistischen, sozusagen positiv-faktischen Breitseite, in aller Stille versteht sich, in aller Absenz von Aufsehen versteht sich, nur ein Seitenarm des Besuchsprogramms, aber ich wünsche mir, dass dieser Arm in Benedikts irdisches Bewusstsein reicht, dauerhaft. Ob allerdings Benedikt nach diesem Besuch dann daran ‚glauben‘ mag, dass es so was wie Missbrauch in seiner Organisation wirklich gegeben hat oder nicht, bleibt letztendlich seine Privatsache, in Haftung genommen werden muss er dafür als öffentliche Amtsperson, als Staatsoberhaupt erstrecht. Wenn er genau darüber öffentlich nicht spricht, dann ist das mindestens noch scheinheilig, vermutlich aber sogar schlimmer als das, glauben Sie’s mir.

Warum gibt es hier keine Literatur von Bedeutung?

„Weitergehen und Weitermachen überhaupt wird zur Rechtfertigung für den blinden Fortbestand des Systems, ja für seine Unabänderlichkeit. Gesund ist, was sich wiederholt, der Kreislauf in Natur und Industrie. Ewig grinsen die gleichen Babys aus den Magazinen, […]. Bei allem Fortschritt der Darstellungstechnik, der Regeln und Spezialitäten, bei allem zappelnden Betrieb bleibt das Brot, mit dem die Kulturindustrie die Menschen speist, der Stein der Stereotypie.“ (Dialektik der Aufklärung 2004, 157)

 

Beim Lesen von Irina Liebmanns ‚Berlin‘-Roman „Die freien Frauen“ ist mir wieder eingefallen, warum Städte mir nur dann als symbolreiche Erlebniswelten und -strukturen vorkommen, wenn im bedeutsamen Ton in Texten von bleibendem Wert über sie geschrieben worden ist, sie beschrieben worden sind, sie fiktionalisierte Erlebnisstruktur geworden sind, die mit Protagonisten gefüllt ist, in denen sich die Stadt auch innerlich spiegelt, weshalb es mehr als Zufall ist, dass die Stadt diese und jene ist: Sie wird gebraucht, sie ist Figur, sie ist unabdingbarer Teil der Erzählung. Es gibt Städte, die haben eine Reihe guter Erzähler, schon rein mengenmäßig ist Berlin mit Erzählern so überausgestattet, dass in dem feinmaschigen Netz meiner aussiebenden Überlegungen dann mindestens ein paar Erzähler hängen bleiben, von denen ich bereitwillig sage: Wenn ich die Stadt verstehen wollte, hätte ich wenigstens die und die, an die ich mich halten kann und wenn das Gesicht der Stadt es schon nicht mehr verrät, aber ihre Geschichte könnte nicht ohne diesen und jenen Erzähler geschrieben werden, könnte nicht an zum Beispiel Irina Liebmann vorbei erzählt werden. Für mich steigert das auch den Erlebenswert einer Stadt: Eine Stadt, die im kollektiven Gedächtnis prominent sein kann, ist eine beschriebene, eine, aus der Geschichten kommen, die man für wert hielt sie aufzuschreiben, zu tradieren, denen man zutraut, dass sie Auskunftgeber ihrer Epoche, ihrer Zeit und sonst noch was sind. Lebenswert scheint mir eine Stadt zunehmend zu sein im Grade ihrer Präsenz in Literatur, die von bleibendem Wert ist. Sowas fehlt hier: Es fehlt für Rostock, es fehlt für Schwerin, sicher gibt es Texte, die mit diesen Städten arbeiten, aber meistens im Sinne einer Leerstelle im Geschehen, die fordert, mit einem Städtenamen aufgefüllt zu werden, den man auch weiter entfernt von hier noch richtig versteht als einen Namen für das Kleinliche, das NichtderRedewertSeiende, eben das Mecklenburgische. Es fehlt zwar nicht an Leuten, die schreiben, aber genau deswegen fehlt es nicht an Leuten, die schlecht schreiben und neben der bloßen Tatsache, dass sie nunmal in der Bedeutungslosigkeit namens „Rostock“ oder „Schwerin“ schreiben, kaum eine Idee davon haben, welchen Gegenwert andere Städte in derjenigen guten Literatur genießen, der sie den Raum des Stattfindens stellen. Es gibt hier im Norden kaum eine Literatur von Bedeutung.

Gut wir hatten in 2010 immerhin drei Teilnehmer bei den Lesungen um den Ingeborg-Bachmann-Preis, die mehr oder weniger ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern stammen: Peter Wawerzinek, Judith Zander, Volker H. Altwasser. Der erste war der Abräumer des Jahres, mit einem teils sehr wehleidigen Roman über seine Kindheit in DDR-Heimen an der deutschen Ostseeküste. Die zweite mit einem Roman über die verschwiegene Gemeinschaft in einem fiktiven vorpommerschen Dorf, wo die Menschen innerlich dermaßen auf dem Land leben, dass es ihnen bald an Menschlichkeit gebricht. Und der dritte: Weiß ich nicht, Altwasser hat nichts gewonnen, ist untergegangen, in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, und mit dem musste ich mich mal vergleichen lassen. Ok, ich gebe zu, dass dieser Vergleich mich geehrt hatte, weil er mich mehr erhöhte als er Altwasser herabnötigte, jedoch glaube ich nicht daran, dass jemand nur aufgrund prinzipieller Vergleichbarkeiten das Anrecht darauf geschenkt bekommt, von einer Bachmann-Preis-Teilnahme auch nur zu träumen. Mögen Leute davon träumen, die die nötige Publikationsmasse in der Hinterhand haben. Mögen auch die davon träumen, die sich schon für ein Leben als freiberuflicher Schriftsteller entschieden haben, bevor sie überhaupt die Perspektive hatten, nicht an dessen Uneinträglichkeit sterben zu müssen.

Die meisten, die hier in MV von weiter Welt träumen, wissen, dass sie hier falsch sind und leisten mit einer Literatur, die von der Ferne als von einem scharfen Gegensatz träumt (der er in einer globalisierten medial vernetzten Welt nicht mehr ist) im Endeffekt aber auch keinen Beitrag zur einer genuinen Literatur von hier, sondern sie würden das „hier“ am liebsten tauschen gegen einen Ort, an dem es sich leichter eine Literatur machen ließe, wie sie einem vorschwebt, an dem sich aufgrund des prominenteren Ortsnamens vom Gefühl her leichter eine Literatur von Rang machen lässt, die bald auch einen Namen hätte. Und wenn es tatsächlich mal jemand versucht, klar, Sie wissen, wen ich meine, Sie wissen, dass ich mich meine, denn ich sage ja nicht, dass ich es geschafft hätte, ich sage ja nur, dass ich es versuche – und wenn das dann tatsächlich mal einer tut, der ich ist, dann kann man das nicht durchgehen lassen, dann haut man drauf, dann muss man mir Unfähigkeit unterstellen, nur weil meine Literatur nicht des Witzes entbehrt, und wenn man hier etwas gelernt haben müsste – und gelernt haben muss man etwas bevor man der Gegend eine Literatur zumuten darf – dann ja wohl das, dass es hier alles andere als lustig ist, und dass das so bleibt, dafür würden schon diejenigen sorgen, die höchstens am Ende aller Dinge die Gemütlichkeit herzugeben bereit wären, die alle daran hindert, eine Literatur von Geltung zu machen, nach der man sich hier noch vergebens sehnen muss.

Sind unsere Region und ihre Städte so eigen, dass es bestimmte Sujets in Texten gerade unabdingbar machen, ihren Handlungsort im MV zu haben? Bei Uwe Johnson war das so. Bei Reuter auch. Nun: Reuter wird im Allgemeinen überschätzt, gottseidank nur hier bei uns, fragen sie mal am Bodensee jemanden, ob er den bedeutenden Mundartdichter Fritz Reuter kennt, da werden Sie aber komisch angeguckt. Und Ernst Jürgen Walberg vom NDR, so sehr ich ihn auch schätze, sagte dann auf einer Podiumsdiskussion am 1.3. in Schwerin zur Frage, ob Schwerin eine Literaturstadt sei: Es fehlt der Reuter des 21. Jahrhunderts. Das nenn ich mal eine steile These. Mir ist dadurch das Gefühl beschert, dass in eben dieser Äußerung implizit schon die ganze Misere zum Tragen kommt, denn: Wollen wir einen Mundartdichter? Wahrscheinlich nein, er brächte sich um einen Großteil potentiellen Publikums. Wollen wir einen nationalistisch denkenden Autor? Nein, nur das nicht, davon sind wir so fern wie irgendwas. Wollen wir einen regional verhafteten Autor? Nein eben nicht, sondern einen, mit dem wir auf größerem Parkett bestehen könnten. Wenn die Misere MVs in der Zielsicherheit besteht, mir der wir – auf der Suche der Identifizierung eines  positiven Autorkonzeptes – immer wieder ins 19. Jahrhundert auf Reuter (oder Rudolf Tarnow, John Brinckmann, Johannes Gillhoff) zurückgreifen, dann halte ich es für die letzte Ausfahrt aus dieser Einbahnstraße, nicht den Reuter des 21. Jahrhunderts zu suchen, sondern den … sagen wir: Thomas Bernhard von Mecklenburg-Vorpommern, also eher einen völlig neuen Typus Autor, den diese Landschaft ohne Nachdruck oder ohne Zuzug respektive Wegzug scheinbar nicht hervorbringen kann. Ok, so neu vielleicht auch nicht: Uwe Johnson etwa, oder wie ich neuerdings meine Judith Zander.

Und gucken Sie sich den Artikel ‚Ist Schwerin eine Literaturstadt?‘ in der SVZ vom 3.3.2011, S. 15 an. Da wird das sogenannte Kultur-Streitgespräch über die Situation und die Chancen der Literatur in Schwerin verarbeitet. Und wer hatte an der Podiumsdiskussion über die Situation teilgenommen: die Bibliotheksleiterin, ein Buchhändler und ein Kulturjournalist. Wo waren die bedeutsamen Schriftsteller von hier, wo waren die Literatursoziologen, wo waren die Lesebühnenmacher und die Poetry-Slamer, wo waren die Liedermacher, Songpoeten und Feuilletonisten, die Bildergeschichtenerzähler und die Plattsnacker, die Provinz-Kriminalisten und schreibenden Gymnasiasten, die Mouth-Artists wie Beatboxer und der große Rest der Schar der freiwillig Kreativen? NIX. Die SVZ enthielt sich der Sicherung einer Diagnose, die sich anhand dieses Gespräches für viele wache Geister hätte treffen lassen müssen: Wenn wir einen Buchhändler, eine Bibliothekarin und einen Kulturjournalisten da hin setzen müssen, ist – so nett die auch sind – das schon Ausdruck der Misere und wir bestätigen sie und lichten sie weiter ab, je mehr wir über diesen Ablichtungsvorgang meinen, gegen die Misere anzugehen.

Für Schwerin fallen mir kaum hier gebürtige Autoren ein: Norbert Bleisch (z.B.: Viertes Deutschland) aber wer kennt heute schon noch freiwillig den einstmals viel versprechenden und Autor, der selbst keinen Wert mehr auf das legt, was er mal gewesen ist und literarisch kein Erfolge mehr feiert, die sich für Schwerin im Sinne einer literarischen Identifikation nutzbar machen ließen. Als nächstes vielleicht Sonja Voß-Scharffenberg, ich finde ihre Texte sehr gut, aber so richtig geschafft hat die es auch nie, weil: die ist ja in Schwerin wohnen geblieben und leben geblieben, dann schafft man es leider nicht mehr. Oder eben Gregor Sander, der 2007 mal für den Deutschen Buchpreis nominiert war, aber der zog es ja, wie Judith Zander und Peter Wawerzinek, vor, dauerhaft nicht in MV zu leben. So richtig gut sind daher wahrscheinlich nur die, die diesen Entfremdungsschritt schaffen. Und dann gibt es bereits renommiert AutorInnen, die zeitweise in MV leben, die wir aber nicht produktiv für uns vereinnahmen können, etwa Christa Wolf oder Helga Schubert. Oliver Kluck, geboren in Bergen auf Rügen, und Anne Rabe geboren in Wismar, haben in den letzten Jahren beim Kleist-Förderpreis für junge Dramatik in Frankfurt/Oder abgeräumt, stehen meines Wissens aber mit beiden Beinen fest auf einem Boden, der nicht MV ist und es wahrscheinlich auch nicht werden wird.

Oder man kommt von außerhalb und bringt etwas mit, dessen wir literarisch bedürfen. So geht es mir, wenn ich Texte der gebürtigen Heidelbergerin und Wahl-Greifswalderin Odile Endres lese, und der ursprünglich aus Berlin (Ost) gekommenen Miriam Navera. Für Rostock fallen mir derzeit wenige Autoren ein, deren Namen ich im Tonfall eines Lobes erwähnen würde, etwa Marianne Beese oder Anna Wolff, Lyrikerinnen allemal und damit aktiv in einem Genre, das ohnehin zur Unhörbarkeit verdammt ist: der Grenzfall poetischen Sprechens ist als Unterhaltung unpopulär geworden. Wir haben auch noch Uwe Schloen sowie die Wismarer Lesebühne WortReich u.a. mit Vera Doneck und Birgit Hölscher-Lohmeyer. Alles gute Leute.

Dann haben wir in MV noch unseren Bachmann-Preisträger Uwe Saeger, der aber mal in einem Text äußerte (Fußnote: Ich weiß nicht mehr wo), dass die Gegenwart nicht mehr schmerzlich sei, klar: die Mauer ist die Perspektive solcher Sätze, und die einstmalige Anwesenheit der Mauer durch die Brille ihres Verlustes gesehen, mobilisiert hier vielleicht noch den Reflex, sich die schmerzhaften Beschränkungen der Mauer zu wünschen, weil sich in deren Schatten leichter das Gefühl bequemen ließ, auf bedeutsame Weise an einem repressiven Trauma zu arbeiten, und auch heute noch brauchen sie in einem Text nur das Wort ‚Mauer‘ zu schreiben, und schon bemerken Sie Schreibende, die beginnen, sich für Autoren zu halten und je länger sie schreiben vielleicht dabei enden, sich für Verfolgte des SED-Regimes zu halten. Aber ich kaufe den mir vorangehenden Generationen nicht zu so günstigen Konditionen ab, dass das Ende ihrer Schmerzen auch das der meinigen sein soll. Die Gegenwart schmerzt, indem sie uns in die Watte der Unbegrenztheit gepackt hat, der viele Menschen nicht mit bewussten Bewältigungskonzepten begegnen können und sich daher – vielleicht – doch lieber gegängelt sähen, weil dann die Schuldfrage eine Kollektivierung erlebte. Ich glaube nicht, dass sich Uwe Saeger die Gängelung wünscht, aber ich halte es für falsch, das Wegbrechen von Utopien zu akzeptieren. Dazu jetzt mehr:

Günter Grass hat Schwerin als Schauplatz in seiner Novelle ‚Im Krebsgang‘ verwendet. Günter Grass sagte im Spiegel (33/2010), dass die junge Schriftstellergeneration zu unpolitisch sei. Das halte ich auf der einen Seite für ein Gerücht und finde auf der anderen Seite einen Teil von Wahrheit darin: Versuchen Sie heutzutage als literarischer Debütant mal einen analytisch scharfsinnigen politischen Roman bei einem Verlag unterzubringen. Da haben Sie aber schlechte Karten. Ich nehme mir die Freiheit, aus Grass‘ Erkenntnis besonders das Wort “zu” zu betonen. Denn die Kontrastfolie für diesen “zu“-Abgleich stellte er auch zur Verfügung: ‚Die junge Schriftstellergeneration solle nicht den Fehler der Weimarer Republik wiederholen und sich bloß aus rein privater Distanz schreibend erfahren wollen.‘ Nun gut, das Wort “wiederholen” trifft es nicht, weil die Umstände andere sind. Wir haben keine uns unmittelbar vorangegangene Erste-Weltkriegs-Etage von Lyrikern, die eben noch begeistert das Gewehr ergriffen haben, trotzdem aber nicht politisch waren, weil es sich bei ihrem Krieg um einen ästhetischen handelte. Wir sind keine Bewohner der Weimarer Republik, die nach dem Schock des Krieges auf keine verlässlichen Werte zur Entscheidung der Bejahung der Demokratie einerseits oder der Bejahung eines ‚Versailles‘ geschuldeten Nationalismus andererseits bauen konnte, und sich das Recht heraus nahm, nicht noch einmal zu früh die falsche Position zu ergreifen. Der Vorwurf des Unpolitischseins aber nimmt uns als Generation nicht ernst in unserer eigentlichen Differenziertheit. Und ernst genommen zu werden, hieße auch, dass Grass erkennt: Hier schreibt eine Generation, der man befohlen hatte, den Wegfall der letzten großen Utopien zu akzeptieren. Und für junge Leute geht’s oft nur entweder groß oder gar nicht. Verhandelt werden sollten diese Utopien also in Literatur nicht mehr. Diese Literatur bedient zwar weiterhin den anthropologisch relevanten Hunger nach Geschichten und Fiktionen, die aber unlustvoll würden, wenn sie einen realen Gegenwert haben müssten: Es träumt sich – dem Begriff des Traumes gemäß – schlecht, wenn nach dem Aufwachen die Konflikte real konsequenzhaft werden. Die Wachsamkeit der jüngeren Generation, der man genügend substantielle Vernunft gegenüber einer stumpfen Fehlerwiederholung zutrauen darf, ist aber – und vielleicht scheint Grass gerade das zeigen zu können – als Wert fraglich, wenn sie zu sehr entzaubert ist. Wenn Grass nun sagt, die junge Schriftsteller-Generation sei zu unpolitisch, dann sollte er, will er mehr als einen Gemeinplatz forciert haben, zu fragen haben, ob es nicht auch eine Wahrheit ist, dass die Zeit für eine vorlagenlose Literatur schlecht steht, dass ein sicherer Platz in einem zur Unübersichtlichkeit aufgeblasenen Literaturbetrieb nicht am besten über eine wachsame, literarische Verhaltenszuneigung zu einer arrivierten Vätergeneration zu erwerben ist, die nach Zeiten der Überpolitisierung jeglicher Kleinigkeit in den 60ern mit der nachholend usurpierenden Entpolitisierung schon in den 80ern angefangen hatte. Das ist in etwa die Generation, die jetzt auf den Zetteln der Darmstädter Akademie rangiert, das ist die Generation schreibender bürgerlicher Literaturwissenschaftler, das ist die Generation, die jetzt das Lehrpersonal am DLL stellt, das ist die Generation die auf Long- und Shortlists des Deutschen Buchpreises den literarisch gereiften Grundstock bilden.

Mit einem erdrückend großen politischen Ambitus auf der hohen Kante wird man heute wenig reich, denn es lässt sich mit der Gewissensüberforderung des Lesers kein Blumentopf gewinnen, wenn der Lifestyle-Leser sich von Literatur keine Deklassifizierung seines bequemen alltäglichen Arrangements mehr erwartet, die ihn auf irgendwelche Bewusstseinsbildungsprozesse hin zustoßen vermag. Das verhindert sprachlich anstrengende, politisch zweifelnde, nachdenkliche, selbstkritische, autoritätskritische junge Literatur. Kein Verlag trägt freiwillig das Risiko, zusätzliche Autoren an sich zu binden, denen in Aussicht steht, dass von ihnen nur halbe 5000er-Auflagen weg gehen und der Rest zu Mängelexemplaren gestempelt werden muss, damit das Lager wieder frei wird für neue Druckerzeugnisse. Die richtigen Verlage tragen einen Betrieb, der dort auf künstlerische Risikovermeidung aus ist, wo es noch richtig um das große Geld bestellt ist, und der dort das Risiko ständig sucht und damit ebenfalls (nur im Namen seiner Aufwertung) entwertet, wo es um gar kein Geld geht, nämlich in den künstlerischen Nischen, deren ebenfalls realitätsferne Verdrängung von Rentabilitätserwägungen dem kritischen Blick schon genügender Beweis für irgendetwas sein wird, was das Gegenteil der Bestsellerlisten sein will, aber in Wirklichkeit strukturell das selbe bleiben muss durch das Aufeinanderbezogensein.

Grass’ Wortmeldung sagt nichts neues und lässt es ihrem Duktus anmerken, dass man es ab einem bestimmten Level einfach nicht mehr genau nehmen muss. Wir können Herrn Grass nur applaudieren, dass er es mit dem Schreiben so weit gebracht hat, um das zu dürfen. Nicht wenige junge Leute nehmen sich, aufgrund gegenwärtiger Umstände, demgegenüber jedoch die Freiheit, mit ihrer Literatur nicht dasselbe vorzuhaben, ja gar nicht eine literarische Lebensleistung vom Schlage eines Günter Grass erstreben zu wollen. Das ist immer noch eine Frage der individuellen Poetologien, an die nicht die Aufforderung zur Angleichung an diejenige Grass‘ ergehen kann, wenn Pluralität denn ein Wert bleiben soll. Auch dafür hätte der Typus des gegenwärtigen Schriftstellers etwas mehr Verständnis verdient als dass er die ewigen Gemeinplätze als eine realitätsgerechte Beschreibung seines Denkens gelten lassen muss.

Außerdem: Wie schlimm steht es um eine Gesellschaft, die ihr eigenes Bekenntnis – sie würde ’starke Texte‘ lieben – darüber diagnostiziert, dass sie gerne z.B: die Band ‚Unheilig‘ hört? Sie merken: Das ist Ironie, ich halte die Texte von ‚Unheilig‘ nicht wirklich für stark. Durch das 19. Jahrhundert konnte man sich noch mit dem ständigen Auswerfen von Schiller-Sentenzen als gebildet durchmogeln, dieses Taktieren mit dem eigentlich Unverstandenen spiegelt sich meiner Meinung nach heute im handelsüblichen ‚Unheilig‘-Fan, der erschreckende Schnittmengen zum Andrea-Berg-Fan und zum Rosenstolz-Fan aufweist. Wenn diese Künstler wirklich eine Art Lebensgefühl großer Kreise verkörpern, erschließt sich mir schlagartig, warum es in der Sache unserer heutigen Populärkultur selbst begründet ist, dass der Wunsch nach starken Texten umso mehr zum Phantasma wird, je mehr man glaubt, ihn zu verwirklichen.

Und wenn Sie mich fragen, ob ich’s nich ne Nummer kleiner hätte, dann sage ich: Wer es ne Nummer kleiner haben will, hat keine Lust, über den Gegenstand Literatur auf der für diesen Gegenstand nötigen Höhe zu diskutieren: Die Kleinheitsforderung angesichts meiner Worte würde nicht nur konterkariert durch die Idee, hier sei ohnehin alles klein und unbedeutend, sondern sie boykottierte auch noch die Forderung nach einer echten Literatur, von der man sich Größe erwartet: gleichzeitig Größe und Augenhöhe zu fordern: das wäre ein Akt der Selbsterhöhung, mit dem man sich hier maßlos verheben würde, Sie verstehen? Wenn wir von Literatur Augenhöhe verlangen und zugleich Größe, dann tun wir so als wären wir der Größe gewachsen, der wir auf Augenhöhe begegnen wollen. Damit würde sich der Mecklenburger maßlos überschätzen, und zwar so was von maßlos.

J’ai fini.