Philosophieren für Anfänger – Ein kleiner Selbsttest

Seit einiger Zeit sehe ich mich öfter mit der Frage konfrontiert, ob das Studieren von Philosophie das Selbstdenken verhindere. Nicht pauschal, sicher, warum auch. Aber wer studiert, also wer sich dem Wortsinn gemäß lesend und diskutierend ‚bemüht‘, lernt Positionen anderer kennen. Das allein scheint vielen, die einen unreflektierten Begriff von „Selbstdenken“ proklamieren, verdächtig zu sein: Das Vorurteil gegenüber Verweis-Reichtum hörte ich in letzter Zeit zu oft von lese-faulen Menschen, die Meinung mit Selbstdenken verwechseln müssen, eben weil sie zu wenig lesen. Selbstdenken hatte in der mittelalterlichen Disputatio eine Aufgabe zu bewältigen, die von den Lektüre-Verweigerern heute als Affront gesehen wird: Sich selbst in die Argumente eines anderen dermaßen hineinzudenken, dass man mit ihnen und gegen sie reden kann. Dazu muss man eines: Sich auf andere und ihre Gedanken wirklich einlassen. Das ist Philosophie.

Es gehört jedenfalls auch zur Philosophie, kurzsichtige Euphorien über wunderbar eigene Kopfprodukte und voreiligen Lösungsoptimismus reflexiv oder mit Quellenunterfütterung so gegen den strich zu bürsten, bis was bei rauskommt, das man selbst und andere halbwegs glauben können. Wer die intellektuelle Risikobereitschaft, den „eigenen“ Gedanken mittels Lektüre misstrauen zu lernen, nicht aufbringt, darf ja trotzdem mitreden, nur sollte er sich nicht mit einer Wissenschaft etikettieren, unter deren Namen es im akademischen Vollsinne üblich geworden ist, Gegengewichte zum Selbstgefälligkeitsparlando bloßer Meinungsproduktion auszubilden. Das ist nicht böse oder verletzend gemeint, sondern einer idealistischen Lesart von Philosophie geschuldet. Warum sollte ausgerechnet die Philosophie voraussetzungsloser als andere Wissenschaften sein? Mathematik oder Medizin darf man für schwere Studienfächer halten, zu denen manchem Menschen einfach irgendein Organ fehlt. Der schlechte Ruf der Philosophie hat damit zu tun, dass sie von denen – die kein Interesse an eigener Entwicklung, sondern nur an dem Recht ihrer eigenen Meinung auf Statik haben – mit voraussetzungslosem Drauflos-Reden identifiziert wird. Das ist aber unfair und auch sachlich weit daneben.

Keineswegs ist im Vorhinein festgelegt, dass Akademiker die Epigonen der Philosophie seien und der Rest nur Dilettanten. Zum sachlichen Modus, eine idealistische Lesart zu benennen, gehört es aber auch, dass sie von konkreten Personen abstrahiert. Niemand weist einen anderen als Dilettanten oder sich als Epigonen aus, sondern die Redeweise der jeweiligen Person lässt sie sich selbst einen immer noch auslegungswürdigen und -bedürftigen Aufweis ihrer Herangehensweise ausstellen. Jenachdem ob dieser Zugang spannend erscheint und etwas Neues verspricht oder nicht, werden dadurch solche Kategorien wie Dilettant unerheblich. Aber: Was ist neu an diesem alten Hut, dass nur der wirklich frei im Denken sei, der nichts rezpiert? Der ist auch frei von präzisen und lange erwogenen Einsichten. Das ist nicht Freiheit sondern Kurzsichtigkeit. Und warum braucht genau diese Art von Freiheitsprätention den pauschalen Aufweis, dass jemand, der zitiert, nicht selber gedacht habe? Ich kann diesen unendlich platten Vorwurf echt nicht mehr hören. Zumal dieser Vorwurf nie auf die Idee kommt, dass vielleicht derjenige, der nur in angelernten Worten spricht aber seine Quellen geheimhält, vielleicht mehr eigenes Denken vortäuscht als derjenige, der mit seiner Quellen-Offensive tatsächlich ein Gegenüberstellen verschiedener Gedanken vorantreiben will und seine Aufgabe in kritischen Vergleichs- und Auswertungsdiskussionen sieht, wobei man allerdings eines tun muss: selber denken.

Universitäten bilden ja auch keine Weisheit-liebenden aus, sondern funktionale Akademiker. Das spricht aber nicht gegen sie sondern es ist ein großes Glück, dass sich die Philosophie noch an den Unis halten kann. Und zudem ist es,eine interessante Herausforderung, sich in diesem institutionalisierten Rahmen seine Freiräume für das eigene weiterdenken zu erobern, und ich kenne keinen Professor, der das dann nicht goutieren würde.

 

Philosophieren für Anfänger

 

Zur Klärung der Frage, ob Ihr Interesse an Philosophie nicht bloß geheuchelt ist und Sie das Zeug dazu hätten, ein professioneller Philosoph zu werden, habe ich Ihnen ein paar Aspekte im Fragestil zusammengestellt, anhand derer Ihnen ein Licht aufgehen darf. Wenn Sie alle Fragen mit „Ja“ beantworten können, dann sind Sie Philosoph. Ist doch schön einfach: einfach schön. Einfach anfangen. Hat ja niemand behauptet, dass es leicht würde… :

– Sie fühlen sich nicht minderwertig, nur weil jemand in einer philosophischen Diskussion mehr Thesen der Philosophen x, y, z aufzählen kann?

– Sie lassen sich selbst bei leichten Anflügen von Minderwertigkeit nicht aus der Bahn werfen und bleiben beim Thema?

– Sie suchen nach Orientierung in Texten und halten die Orientierung auf das, was Ihnen nicht vorher bereits plausibel war, für den einzig gangbaren Weg?

– Sie mögen Neues, Nicht-Selbstverständliches, Kontroverses, Verworrenes, und Sie mögen es, sich dabei auf die Gedanken anderer Menschen offenherzig einzulassen?

– Sie mögen es, wenn dieses Kontroverse und Verstörende aber in einer präzisen, verstehbaren (das heißt nicht zwingend unmittelbar verständlichen) Sprache verfasst ist und nicht zu blumig oder bloß metaphorisch daherkommt?

– Sie verstehen es, die Autorität von Texten  zu hinterfragen und können die Situationen, wo es genau darauf ankommt, von solchen unterscheiden, wo dies lediglich ein Nebenkriegsschauplatz ist und von Argumenten ablenken soll?

– Sie können mit dem, was Sie Neues erfahren, etwas anfangen, indem Sie es für Ihr Weltwissen anschlussfähig machen?

– Sie sind überzeugt, dass Freiheit im Denken auch auf der Selbstverpflichtung zu geistiger Inspiration, die von woanders herkommt, beruhen kann?

– Sie lesen gerne, nicht zwingend viel, dafür aber so, dass sie einen anstrengenden Text eher aufbrechen und verstehen wollen, als dass Sie ihn weglegen?

– Sie diskutieren gerne, aber ohne Autoritätsargumente, ohne Argumente gegen Menschen und ohne aus dem bloßen Vorhandensein von Dingen deren Sein-Sollen abzuleiten?

– Sie lieben es, über das Denken nachzudenken und das Sprechen zu sprechen, sowie über das Diskutieren zu diskutieren und Argumente gegen Argumente zu bringen?

– Sie zweifeln eher an sich als an anderen, ohne dass der Zweifel Sie unproduktiv und restlos melancholisch macht?

– Sie zweifeln auch an anderen, wenn diese mit Autoritätsargumenten oder Argumenten gegen Menschen ankommen oder das Sein-Sollen von Dingen aus deren Vorhandensein folgern?

– Sie können aber auch einen Kompromiss machen und einen Punkt unter eine Diskussion setzen, wenn Sie ein Thema sachlich ausdiskutiert sehen?

– Ihnen gelingt es, eigenes Interesse an Fragen des Daseins zu entwickeln, ohne dass ein Fernsehsender oder eine Zeitung drüber berichtet hat?

– Sie halten nicht viel von Pauschalisierungen?

– Sie erkennen z.b. Widersprüche nicht nur bei anderen sondern auch und gerade bei sich selbst?

– Sie leiten aus der Einsicht in Selbstwidersprüche nicht zwingend deren sofortige Behebung ab sondern versuchen, diese Widersprüche produktiv zu nutzen?  

– Sie glauben nicht, dass institutionelle Philosophie dem Selbstdenken ganz unbedingt widersprechen müsse?

– Sie haben die tiefe Gewissheit, dass ohne Anstrengung keine philosophische Bildung zu haben ist? 

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Ich halte nicht viel davon …

Ich halte nicht viel von dieser Sorte Poetry, die Lebensgefühl substituiert, so als ginge es darum, das gesprochene oder gelesene Wort müsste der ‚Soundtrack‘ zu meinem Leben sein: Warum Musik nicht selbst diese Arbeit tun lassen, warum so verzweifelt Texte mit intensivierter Eindringlichkeit um ihrer Soundtrackhaftigkeit willen loben? Lobt sich da eine Generation für den Verlust der Sprache und die Dominanz des Musikalischen im Text? Ich halte nicht viel von Rhythmus im Text in Absicht der popkulturellen Doppelung musikalischen Lebensgefühls, ich halte nicht viel davon, dass man zu jeder Zeit die Stöpsel des IPods in den Ohren hat und sich somit vom Sozialen Echo auf die eigene Erscheinung abschirmt nur um dann hinterher Text dargeboten bekommen zu wollen, der als Soundtrack und sinnliches Echo auf die Stil- und Haltungserfordernisse der „Generation“ hochgejubelt werden muss: Als ob wir ohrverstöpselte Generation überhaupt noch fähig wären, uns von dem Soundtrack von Außen etwas sagen zu lassen: haben wir nicht bereits das Gegenteil dieser Ansprechbarkeit für unsere neue Qualität ausgegeben: Wir halten fest am eigenen, auch wenn wir damit scheitern…?

Ich halte von Slam-Poetry genau dann nichts wenn sie wichtigtuerisch Nischen-Künstler und Songwriter aneinanderreiht um in vagen Hinweisen etwas auf die Exklusivität und Urbanität ihrer Stilsphäre kommen zu lassen. Ich will nicht all diese unbekannten Namen von Bands für Literatur halten müssen. Nichts daran ist originär.  Ich halte genau von solcher Spokenword-Performance nichts, die die Sekundärtugend der Befriedigung des Tagesgeschmackes des Ohrs für den Inhalt weltoffener Fratzen hält, die aber, wenns zu Taten kommen sollte, doch die Begrenztheit des Lebensumkreises einer wirklichen Weltoffenheit vorziehen: sodass als Offenheitsrudiment nur die Flexibilität gegenüber jedem beliebig neuen Trend bleibt, solange man ihm von zu Haus aus fröhnen kann.

Ich möchte kein Stakkato von Modernismen, Urbanitätssplittern und Trendvokabeln zur Darbietung der Eigentlichkeit auf Bühnen vorgeführt bekommen, ich halte nicht viel von Literatur, die sich am besten gelobt fühlt wenn sie sich „lesen lasse wie ein Soundtrack“ der Generation: Hat sich neben die technik-vermittelte Taubheit und akkustische Isolation auch noch der latente Rassismus der behaupteten Generationengleichgeschaltetheit geblendet, so bleibt nichts mehr über, das man zur Ehrenrettung des gesprochenen Wortes anführen könnte, das in dieser Trendnische damit reüssieren will, dass nur es allein sich am Puls der Zeit wähnt. Pluralität ist dort tendenziell kein Wert mehr, weil mit Aktualität auch Exklusivität gemeint sein soll. Ich halte nicht viel von so einer Form von Literatur. Ich halte nichts von Literatur, die meinen muss, ein Alter zu repräsentieren.

Dieser Artikel hat keinen Namen

TEST und fragt nicht so blöd WARUM (*blöd-frag*)  

Ich gerade rausgefunden haben TUN, &WIE (*WiE?*) man Aufmerksamkeit auf sich lenkt, neehmlich mit Farbe und gewollt inkorrekter Grammatik – nich wahr – „Nee, nich wahr!“
UND DENN DENN ISS MAL WIEDER NE GANZE ZEIT NIX UND HINTEN RUFT SO’N ZYNISCHES ARSCHLOCH: „LAAAAAANNNNNGGGGWEIIIIIILIIIIGGGG!!!“

UUNNNWICHTIICCHHHH!!!

UND ICH SO (kleinlaut)  FÜCK DISCH INTZ KNIEH  HADDERDENN AUCH GEMACHT

HIER UND DIE KLEINE DICKE NEULICH
  • ÄH, jo nee, kein Plan man, 

KENNST È DEHN: Kommt’n Zyklop zum Auge-Arzt. NICH? Sack.

VONNE MIDDE ZUR ::: BRUST,

ochmann ey, Gag versaut

Fußnote: ([9& Und inne Fresse Ab die Katz und Rubbel-die-Mietz-Haus-Boot =!² @ *+~#‘ ;:–_ )8wßqHI@ €ß=}9])=?\`´*+~%&§³62k Geebönnns-;Bynm!!^°°=9we}”q…])

Lenks Comedy Club Rostock

Comedy-Talente aus Mecklenburg-Vorpommern erhalten in Zukunft die Möglichkeit, ihr Können zur Freude von Publikum und einer Jury unter Beweis zu stellen. In Zusammenarbeit mit der Künstlervermittlung des Arbeitsamtes soll MV als weißer Fleck auf der Comedy-Landschaftskarte witzig bunt angepinselt werden. Der Bedarf ist groß: Immer wieder werden Spaßmacher für öffentliche Auftritte gesucht, doch die Kästen mit den Karteikarten sind so gut wie leer, was mich, angesichts der reichhaltigen Bühnenszene  zumindest in Rostock doch recht verwundert.

Jeder, der sich also berufen fühlt, ist aufgerufen, sich anrufen zu lassen. Lasst uns das Ding stemmen.

http://www.comedy-mv.de/

‚Helden‘ wollen nicht für BILD werben…

Bin gerade sehr überrascht von den Vorgängen, die da so laufen.

http://www.bildblog.de/28264/wir-sind-helden-wollen-nicht-fuer-bild-werben/

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/24/0,3672,8215416,00.html

Einerseits: Wie kann man nur auf die Idee kommen, die ‚Helden‘ würden Werbung für ein Druckerzeugnis aus dem Springerkonzern machen wollen? Da muss es sich um einen Scherz der Agentur Jung/von Matt handeln. Haben die das ernst gemeint? Naja, jedenfalls gibt es das Antwortschreiben jetzt gratis im Netz, die polemische  Tonlage des Schreibens hat mich, zugegebenermaßen erotisch elektrisiert, wie immer man sich das auch vorstellen mag. Und: Grundidee war doch, dass die angeworbenen Promis, geködert mit dem guten Zweck, ihre Meinung zu BILD offen sagen sollten. Und? Haben sie doch jetzt auch getan, auch ohne auf den Kampagnenzug aufzuspringen. Oder vielleicht doch auf den Zug gesprungen? Ist das eine autonome Widerspruchshandlung? Da bin ich mir noch nicht klar. Fest steht: Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.

Grüße