Maria Furtwängler isst kaum noch Fleisch …

Das Magazin „Stern“ und andere Hochqualitätsmedien haben in der letzten Woche in stilsicher hochtönig lobenden Worten darüber publiziert, dass Maria Furtwängler seit den Dreharbeiten für ihren neuesten ‚Tatort‘ mit dem Titel ‚Der sanfte Tod‘ (Erstausstrahlung am 7.12.2014) kaum noch Fleisch esse.

http://www.stern.de/kultur/tv/tatort-kommissarin-maria-furtwaengler-isst-kaum-noch-fleisch-2147211.html

Beim ersten Lesen soll man wohl denken: Oh, was für eine Gute, was für ein Vorbild, was für eine Selbstdisziplin. An ein zweites Lesen ist hierbei wohl nicht gedacht gewesen. Denn weiterhin redet die Furtwängler – zur Einschränkung, wie Sie es denn auch ohne ihre eigene Internet-Recherche über die fiese Massentierhaltung hatte verantworten können, Fleisch zu essen – davon, dass ihr Konsum vorher ‚eh schon nicht sehr groß‘ war, und jetzt ‚fast gegen Null‘ tendiere.

Ich möchte hier eine kleine Beispielbetrachtung mit Zahlenbasis aufmachen.

1.) Jemand, dessen Fleischkonsum gegen Null tendiert, und der 1 Gramm Fleisch am Tag isst, kann gleich komplett damit aufhören, denn 1 Gramm ist praktisch nichts.

2.) Jemand, der sich diese 1-Gramm-Tagesmenge aufspart und alle acht Wochen ein Schnitzel isst, wird zwar kein ‚richtiger‘ Vegetarier sein, aber echter Fleischkonsum ist das auch nicht, weil die Grundversorgung des Körpers fast ausschließlich aus nichtfleischlichen Produkten geleistet wird. Zudem ist der Verzicht auf ein Schnitzel alle acht Wochen noch leichter zu verkraften als der Verzicht auf das tägliche Schnitzel.

3.a) Stellen Sie sich vor, Frau Furtwängler hat vor den Dreharbeiten zu diesem sicher köstlichen Tatort (Erstausstrahlung 7.12.2014, ich wiederhole mich) pro Woche zwei Schnitzel gegessen, und jetzt für sich persönlich aus sehr altruistischen Gründen beschlossen, ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Und nehmen wir an, sie isst Fleisch nur in der Darreichungsform eines „Schnitzels“.

3.b) Betrachten wir dazu eine Schnitzelgrößen-Tabelle, die besagt dass es  Standard-Schnitzel in folgenden Größen gibt: M (=200g), L (=300g), XL (= ca. 500g) und XXL (bis ca. 1000g).

3.c) Wenn Frau Furtwängler jetzt im Gegensatz zu früher nicht zweimal sondern nur noch einmal pro Woche ein Schnitzel isst, kommt sie auch bei der kleinsten Größe M auf 200g Schnitzel, womit die Aussage, dass der Fleischkonsum ‚gegen Null‘ tendiere, eigentlich nicht mehr zu vereinbaren ist, es sei denn in und an dem Schnitzel befindet sich kein Fleisch sondern fast nur Panade oder wertlose Füllstoffe. Dass Frau Furtwängler so etwas essen mag, ist allerdings zu bezweifeln.

3.d) Gehen wir allerdings davon aus, dass Frau Furtwängler (wieder zu sehen am 7.12. im Tatort) vorher wirklich schon keinen hohen Fleischkonsum hatte, dann wird sie sehr wahrscheinlich nicht vorher zwei Mal die Woche ein Schnitzel gegessen haben, sondern vielleicht nur ein mal. Als studierte Ärztin wird sie wissen, dass zwei Mal Fleisch pro Woche kein geringer Konsum ist, sondern von Ärzten als durchschnittlich empfehlenswerte maximale Verzehrmenge angegeben wird.

3.e) Hat Frau Furtwängler also vorher nur ein Schnitzel pro Woche gegessen, aber ihr jetziger Konsum liegt trotzdem noch nicht bei Null, sondern nur ‚fast‘ bei Null, dann muss sie ja noch irgendetwas fleischliches zu sich nehmen. Mal angenommen, sie hat sich von „Ein Schnitzel pro Woche“ auf „Ein Schnitzel alle zwei Wochen“ reduziert, dann gilt:

Wir reden hier vielleicht über eine Frau, deren Fleischkonsum sich von 800g im Monat auf 400g im Monat reduziert haben könnte. Haben unsere Medien sonst noch irgendetwas relevantes zu berichten außer den verschwindend geringen Nutritionsänderungen von Schauspielerinnen? Wird Frau Furtwänglers Engagement in diesem Tatort wirklich deswegen als gesellschaftlich vorbildhaft  relevant hochgeschrieben,  weil der Menge nach zu urteilen bei ihrem ohnehin schon geringen Verzehr alle paar Jahre einem Schwein damit das leben gerettet werde könnte, oder wird die Furtwängler – ohne auch nur irgendetwas erwähnenswertes außer ihrem Job getan zu haben  – relevant, weil sie Burda-Medien im Nacken sitzen hat? Welche Medien kümmern sich um uns arme Schweine, denen der Tatort fast jede Woche 1,5 Stunden Lebenszeit raubt? Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, meinen Tatort- und meinen Stern-Konsum in Zukunft zu reduzieren, obwohl er in beiden Fällen eh schon ‚gegen Null‘ tendierte…