Ich meine erstmal meine Meinungsfreiheit …

Meine Meinungsfreiheit ist in den Augen derjenigen, die schon mein Recht darauf auch nur für eine meiner Meinungen halten, nichts schützenswertes sondern ein Verblendungsartefakt. Nur wo es divergente Meinungen überhaupt geben kann, kann überhaupt von einer Freiheit hinsichtlich der Nichtfestgelegtheit der Wahl einer der ‚Optionen‘ geredet werden. Meinungsfreiheit kann ihre kulturelle Realität nur dort am deutlichsten beweisen, wo die divergentesten denkbaren Optionen nebeneinander ausgehalten werden können. Insofern ist jede Parlamentarische Debatte zumindest der Rhetorik nach eine Lehrstunde für die Einebnung der Möglichkeit divergenter Optionen in meinungsfreien Post-Demokratien.

Letztenendes ist unser politischer Kurs ‚alternativlos‘ wenn die Argumente ausgehen; letztenendes sind wir ähnlich vernagelt wie Fundamentalisten, die eine Koranverbrennungen dadurch ahnden, dass sie sogar zehnjährige Mädchen vor Gericht bringen (Pakistan) aber selber Bibeln verbrennen (Ägypten). So doll muss man die Augen erstmal zugekniffen haben, dass man nicht mehr mitkriegt, dass das, was man selber tut, das ist, was man den anderen vorwirft.

Wenn ein weniger religiöser Mensch religiöse Dinge mit Humor nehmen und kann und das sogar in Gegenwart derjenigen tut, die religiöse Dinge nicht mit so viel Humor nehmen können, gehört der dann getötet? Nein, Herrgottnochmal wo leben wir denn?! Meinungsfreiheit heißt, dass jeder tolerieren muss, dass die Meinung SO WEIT GEHEN KANN, weil sie eben nur eine ‚Meinung‘ ist, von der  die Haltung des Anderen im Ernst nicht betroffen sein muss. Es sei denn, dessen eigene Wahrheit ist so schwach, dass er sich selbst von trashiger Kritik so leicht betroffen machen lässt, also von solcher ‚Kritik‘, die mehr oder weniger bewusst die ästhetischen und moralischen Aspekte der Zeit ironisierend unterbietet.

Der britische Aufklärungsphilosoph Shaftesbury sagte sinngemäß, dass keine Sache sich richtig sehen lasse, wenn man sie nur in einem bestimmten Lichte sehen könne. Alles verdient den beleuchtenden Blick und jede echte Wahrheit ‚verträgt‘ diesen auch, weil sich sonst im Schutze unserer Verblendung nur Halbwahrheiten und falsche Götzenvorstellungen einrichten. Mir scheint, der gewaltbereite Glaubensfundamentalismus – ganz gleich in welchem Glaubenssystem – ist jeweils ein Bündel solcher anfälliger Halbwahrheiten oder inhaltsloser Bekenntnisse, die aufgrund ihrer Schwäche im Begriff nach außen umso emphatischer ‚gelebt‘ werden müssen. Das geht nur über Ressentiments.

Jeder Mensch hat das Recht, vor physischer, repressiver Gewalt geschützt zu werden. Kein Mensch braucht vor gewaltlosen, nicht-physisch attackierenden Meinungen geschützt werden: Das Widerständige zuzulassen ist eine Kultivierungsaufgabe. Aus Angst vor der Gefahr des Widerständigen den Schwanz einzuziehen ist antiaufklärerisch, und das hat noch niemanden selbstbewusster, autonomer und weniger manipulierbar gemacht. Angst macht anfällig für Manipulation. Manipulierte, die nicht einmal selbst zu formulieren oder zu erdenken fähig sind, was es ist, das sie auf die Straßen lockt und ihnen Hass abfordert, die hat es auf der Welt genug: auch bei Naziorganisationen wie Pro-Deutschland. Es gibt zu viel Hass und Gewalt, die niemanden klüger, gesünder oder zufriedener machen. Das muss aufhören. Aber es muss nicht dadurch aufhören, dass man den anfälligen Hitzköpfen nur noch das zu hören gibt, was sie nicht überkochen lässt. Andererseits sollte man darauf verzichten, etwas zu Gehör zu geben, das so erwartbar doof die Weichen auf Provokation stellt nur weil es eben das tut.  

Wieviel Recht auf Freiheit von meiner Meinung hat die Meinung des Anderen? Seitdem wir uns für abweichende Meinungen in elementaren Lebenstatsachen wie den Religionen nicht mehr mit Waffen bekämpfen müssen, ist auch der Raum größer geworden, den anderen mit der eigenen Meinung behelligen zu können: Was uns nicht umbringt (an Spott) macht uns im Zweifelsfalle härter. Das kann man aushalten, wenn man mit seiner Glaubenswahrheit nicht im Zweifel steht, aber auch nicht in einer Verhärtung, deren Hintergrund der Zweifel ist, der die Absicherung durch Übertreibung verlangt.. Man kann das alles aushalten. Meinungen sind keine existenziellen Zumutungen. Das muss man so sehen.

In erster Linie sichert die Meinungsfreiheit das Recht des Menschen auf Entlarvung derjenigen Umstände ab, die seiner Menschenwürde spotten. Die Menschenwürde kann prinzipiell von jedem Glaubenssystem bedroht werden, vom radikalen Christentum genauso wie vom Kommunismus oder vom Faschismus. Sie alle verdienen es, im Lichte des Spotts, der Satire betrachtet zu werden, weil andernfalls die lächerlichen Punkte an ihnen überhaupt gar nicht ans Licht kommen.

Warum muss denn da was ans Licht kommen? Na damit wir es abschaffen können. Damit wir besser, freier, entspannter, zufriedener leben können. Darum geht es doch: es werden immer Menschen sein, die sich auf diesem Planeten eine annehmbare Umgebung einrichten, mit weniger Hass, weniger Tod, weniger Grausamkeit.

Meinungsfreiheit aber ist nur denkbar als Recht auf eine Meinung, die der andere nicht teilt. Das Recht auf die eigene Meinung wird als Problem sowieso erst in die Welt gebracht, wo sie eben von den anderen nicht geteilt wird. Religionskritik muss erlaubt sein. Und vor allem: Kritik an Religionskritik muss erlaubt sein.

Das Video, über das die ganze Welt redet, ist keine Religionskritik: auf dieses Niveau bringt es dieser Trash nicht. Dumme Provokationen sind in dieser Form eine Überstrapazierung der Meinungsfreiheit. Zwar steht es den Menschen frei, auch einer schwachsinnigen Meinung zu sein, nur muss das Recht nicht den sozialen Anklang dieser Meinungen verstärken. Meinungsfreiheit ist zudem ein so hohes Gut, dass es Überstrapazierungen dieser Art verkraften können muss, ohne dadurch gleich infrage gestellt zu sein. Nicht dieses Video sondern der Umgang unserer Sicherheitsbehörden damit wirft ein schlechtes Licht auf unsere Meinungsfreiheit. Daher wird bei uns gerade so viel Satire darüber veröffentlicht: das ist nötig.  

Das müssen wir uns vor Augen führen: Auch schwachsinnige Meinungen sind der Preis der Freiheit, so ähnlich sagte es Jürgen Trittin. Es gibt in freiheitlichen Demokratien kein Recht der verbissenen Leute darauf, vor schwachsinnigen Meinungen geschützt zu werden, denn in einer freiheitlichen Demokratie haben sie das Recht, wegzuhören. Bei allzu arg schwachsinnigen Meinungen haben wir sogar die Möglichkeit, uns auf das Weghören zu ‚verpflichten‘. Soviel Freiheit muss sein. Für  uns und für alle. Sofort und unbedingt.

Vom Ursprung des Zauberglaubens – die Wurzeln der ‚Magie‘

Nach meinen Auslassungen über die Unwahrscheinlichkeit außerirdischen Lebens, das uns nicht ähnlich sieht, nehme ich mir Aspekte vor, die gegen die Möglichkeit von ‚Magie‘ sprechen.

Der Boom von Phantasy-Literatur, in der 1 (od. >1) Person ‚magische‘ Kräfte besitzt, ist nicht von der Hand zu weisen. Ich hoffe, jeder weiß trotzdem, was man durch diese Menge des ‚Zauberns‘ und ‚Hexens‘ hindurch vergessen könnte : es gibt das nicht. Es gibt keine Zauberei.

Ich will es kurz machen : Zaubernkönnen entlastet. Wovon? Von der Anstrengung, die jedes größere Investment täglicher Lebensverrichtungen verlangt. Menschen haben sich immer schon Institutionen geschaffen, die die Unsicherheit der Optionalität abfangen und gewisse Entwürfe auf Dauer stellen. Es ist sozusagen ein Grundbedürfnis, eine das Dasein ritualisierende Vorkehrung zu schaffen und quasi ‚über sich‘ zu stellen : ‚Nur wenn etwas ‚über‘ mir angesiedelt ist, macht es für mich Sinn, mein Handeln davon leiten zu lassen‘ – nur die Unterordnung eigenen Handelns als ein ‚Besonderes‘ unter ein ‚Allgemeines‘ gibt die Verlässlichkeit der Rückführbarkeit von diesem auf jenes : und damit die Sicherheit verbindlicher Handungsgrundsätze.

Noch vor der ‚Institution‘ im kulturellen Sinne ist eine spezifisch menschliche Kompetenz vorhanden, die alles das vorweg nimmt, was in dem Glauben, dass es so etwas wie Magie geben könne, sich auf undurchschaute Weise erneuert. Selbst entlastete Menschen wollen nochmals entlastet werden. So ist der Mensch : Hält sich als Wesen für ein immer neues Höheres berufen, wenn ihn nur die Aufrechterhaltung seiner Lebendigkeit  nicht immer mit soviel Notwendigkeit von Energieaufwand konfrontieren würde. Kulturelle und technische Emanzipationsstufen sind nur haltbar, wenn der gigantische Aufwand ihrer Ersterreichung dadurch legitimiert wird, dass späteren Stufen dies leichter gelingt. Kein technischer Fortschritt wäre denkbar, wenn alle neuen Epochen unter gleichen Startbedingungen loslaufen müssten. 

Aber einen Schritt nach dem anderen. Die Wurzel des Zauberglaubens ist identisch mit der der Sprachkompetenz. Dazu zunächst die Frage : Was leistet die Sprache? Sprache ist hervorgegangen aus gerichteten Laut-Gesten, mit denen man sich auf Sachen sinn-wiedergebend beziehen kann. Darin steckt auch die Idee, dass ein sprachliches Zeichen eine Einheit ist, die den Wesenskern einer Sache wiedergibt und daher in Abstraktionskontexten als ihr Stellvertreter fungieren kann. Irgendwann haben Menschen begonnen, auf diese Weise bestimmte Laut-Gesten regulär mit bestimmten Sachverhalten zu verbinden, damit mit der selben Laut-Geste sich ortsunabhängig und zeitlich stabil (in einer bestimmten Verwendungskultur) ein Verweis auf den selben Sachverhalt machen lässt.

Das bringt einen interessanten Effekt mit sich : Das Wissen darum, welche Laut-Geste auf einen bestimmten Sachverhalt passt, stiftet Sozialität, führt Menschen in ihrem Symbolverkehr zusammen und stellt die Weichen für Einigungsmöglichkeiten. Besonders dort, wo Sozialität die Voraussetzung ist, um zum Beispiel gegen die Gefahren der Wildnis gemeinsam zu bestehen – gegen feindliche Gefahren, die einen einzelnen Menschen überfordern würden – schafft ein geregelter Laut-Umgang die Entlastung, die nötig ist, damit ’sich verständigt‘ werden kann, ohne die Verständigungsgrundlage immer neu aushandeln zu müssen. Nur durch die Verständigung kann man sich als Gemeinschaft auf mögliche Formen gemeinsamen Vorgehens gegen eine die Kräfte der Einzelnen übersteigende Gefahr hin entwerfen.

Als nächstes wird über diese Kooperation also auch Abstraktion und Reflexion möglich : Kollektive, die eine einigende Bezeichnung für eine Gefahr wie z.B. einen Säbelzahntiger gefunden haben, können sich über diese Gefahr verständigen, ohne sich ihr aktual gegenüber sehen zu müssen. Dort wo noch kein System aus Laut-Gesten existiert, sind Gesten vorhanden, die sich eigentlich nur mit dem verbinden lassen können, für das sie stehen sollen, wenn das, für das sie stehen, aktual vorliegt. Ohne ein ‚Wort‘ (Laut-Geste) für ‚Säbelzahntiger‘ können sich Urmenschen nur im direkten Verweiszusammenhang darauf hinweisen : also schlimmstenfalls, wenn das Tier schon im Sprung begriffen ist. Die Loslösung von der Vorlagen-Aktualität ist der Beginn von Sprache als einem abstrakten Bezeichnungssystem. Dies schafft mehreres : Reflexivität in ‚Worten‘ wird möglich, Austausch über etwas, das nicht da sein muss, aber auch das Bewusstsein wird möglich, auf welche Weise  der Austausch geschieht. Reflexiv – also Stellung zu sich selbst nehmend – ist dieser Austausch, wenn die beteiligten sich zugleich  austauschen über die Art und Weise, wie sie sich hinsichtlich ihrer Kooperationsleistung austauschen.  Das ganze dient einem Zweck : Entlastung von der existenziellen Schwierigkeit, Kooperation mit Verweis auf die Gefahr nur erwirken zu können, sobald die Gefahr schon so aktual ist, dass die Organisation von Kooperation zu spät kommen könnte. Dieser Zweck hat seine Wurzel im Überlebensmechanismus : Evolution.

Sprache ist zudem latent mit der Wunschvorstellung konfrontiert,  dass ihre Ermöglichungsbedingung – (die Loslösung von jeglichem Bezeichneten, die eigentliche Abstraktion des Laut-Aufkommens von den bezeichneten Dingen) – nicht mehr gelte : Dies ist der Moment, wenn den Bezeichnungen wieder eine invasive Wirkung auf die Dinge, von denen sie, um sie bezeichnen zu können, gelöst werden mussten, zugetraut wird. Nach dem Motto: Einen Namen zu kennen, ist, über eine Sache (real invasiv) zu verfügen. Ein solches Denken durchzieht Urtexte unserer abendländischen Kultur, etwa Homers Odyssee wird in diesem Kontext gerne angegeben : Odysseus kann von dem Zyklopen Polyphem nur so lange nicht handfest angegangen werden, wie jener nicht dessen wirklichen Namen sondern nur das Schutz-Pseudonym „Udeis“ (d.i. ‚Niemand‘) kennt. Der früh-antike Witz, wenn Polyphem vor Poseidon klagt, der ‚Niemand‘ habe ihm das Auge ausgestochen, ist heute noch verstehbar. Den Namen einer Sache zu kennen heißt – in dieser Form des ‚magischen Denkens‘ – über ein Ding verfügen zu können : in umgekehrter Richtung ist die Absage an diese magisch-invasive Verfügung die Grundbedingung der Sprache und ihrer Bezeichnungsfunktion fern von Vorlagen-Aktualität.

Aber die Entlastungsleistung der Sprache, also einer Form des nicht-mehr-invasiven laut-gestischen Beziehens auf eine Sache, die nicht aktual vorliegen muss, wird im Zauberglauben verdoppelt, indem wieder auf Invasivität spekuliert wird. Was muss denn jemand tun – oder besser gefragt : Was präsentieren uns Phantasy-Texte als Vorgänge des Zauberns oder Hexens?

Jemand sagt einen Zauberspruch! Aha! Jemand macht eine ‚gerichtete‘ Geste, d.i.eine Form des Zeigens! Aha! Jemand ‚richtet‘ seine Gedanken auf etwas! Aha! Jemand bereitet einen Trank, der mit dem Schicksal eines Ereignisses in einen direkten Verweisungszusammenhang gesetzt wird! Aha! Zaubersprüche, mimetische Tränke, Beherrschungs-Gesten und Tele-Kinese : Das sind alles zeichenhafte Bezugnahmeformen, die genau wie die Sprache funktionieren aber aus Naivitätsgründen ihrer Invasivitäts-Entsagung entsagen wollen, weil sie nicht auf die Utopie der ‚total‘ gewordenen Entlasung verzichten wollen. Mentale Zustände sind meist propositional gehaltvoll, das Bezogensein mentaler Zustände auf etwas nichtmentales nennen wir Intentionalität. Wir sind unserer Optionalitäts-Existenz gemäß Wesen, die es immer noch leichter, immer noch besser und immer noch einfacher haben wollen. Die Moderne ist zu komplex, zu chaotisch, ungeordnet, plural und offen : Das ertragen die Wenigstens ernsthaft. Der Markt empfiehlt uns dann die Flucht in erdachte Welten in denen die Utopie der totalen Entlastung uns so harmonisch umfängt.

Wenn Sprache entlastet, entlastet ein Zauberspruch, der einen Gegenstand real affektieren solle, nochmals : Bibi Blocksberg hext einen Kuchen herbei, in wenigen Sekunden hat sie das geleistet, was in der Küche eine Arbeit von Stunden gewesen wäre. Die Ambivalenz bei Bibi Blocksberg : der gehexte Kuchen schmeckt bei ihr oft nach Schwefel. Das ist der Preis einer ‚Entlastung‘, die nicht nur für die Unreifen (wie Bibi) nicht zu haben ist, denn : Magie kann es aus eben den angemerkten Gründen nicht geben : ihre Darstellung als quasi-sprachliches Affektieren von Gegenständen durch bloße Namhaftmachungen kann auf die Gegenstände nicht wirklich diesen Effekt haben, denn die Wurzel der Magie liegt in einer träumerischen Weiterentwicklung der Entlastung zu einem Zeitpunkt der Kultur-Evolution, an dem die Weichen schon auf die unabweisbare Separation menschlicher Bezeichnungstechniken von der zu bezeichnenden, unabhängig von den Menschen gegebenen Dingwelt gestellt waren. Die Dingwelt ist nicht erst Dingweilt in unserer und durch unsere Verfügung oder Zu-Eignung. Alles Materielle, das unabhängig von uns gegeben ist, ist erstaunlich unbeeindruckt von dem, was wir damit vorhätten. Nichts, was uns durch uns erst zugeeignet werden muss, kann ohne reales Investment eine Gestalt nach unseren Wünschen annehmen. Die Frage ist : Welches Investment ist uns (Menschen) das liebste? Das ‚leichteste‘. Und das ist das, welches am wenigsten Energie von verlangt. Sprache ist niedrig-energetisch : wie leicht mobilisieren wir ganze Konzepte im Unterbewusstsein durch nur ein einziges Wort. Wie entlastend wäre es, wenn nur ein einziges Wort die Dinge auch noch verändern könnte…

Vieles von dem, was ich gesagt habe, hätte wahrscheinlich auch Arnold Gehlen so gesehen. Nicht ganz versteckt sind durch Begriffe wie ‚Lautgeste‘ meine Anspielung auf Gehlens Werk „Der Mensch“ (1940). Jetzt möchte ich noch einen kleinen Verweis auf eine interessante Entwicklung geben : Vieles, was, dem Phänomen nach, nach gestischer Fern-Invasivität aussieht, wird in modernen technischen Geräten z.B. durch die marktreife ‚Gesten-Steuerung‘ eingeholt. Dass es keine Magie ist, weiß jeder, denn immer muss die Invasivität technisch gemittelt werden. Diese Mittelung ist eine sensorische Zurichtung einer technischen Umwelt, damit sie mit weniger Aufwand für uns tut, was sie auch vorher schon nur für uns und nur auf unseren Input hin getan hat. Wir kommunizieren mit der Technik, die etwas aufnimmt, nicht mit dem Ding (wie wir es in der ‚Magie‘ erträumen) : Die Dingwelt spricht auf keine unserer Sprachen an. Das zu akzeptieren, heißt, von der Idee zu lassen, es könnte so etwas wie ‚Magie‘ wirklich geben.

Zudem ist eine Entlastung, die durch Zauberei tendenziell ‚total‘ zu werden droht, gar nicht wünschenswert : Alle unseren humanspezifischen Kompetenzen, die auf die Fähigkeit zu Selbstmächtigkeit, Askese und Training abzielen, wären überflüssig : Trainingseffekte ließen sich herbeizaubern, und uns bliebe für immer der harmonisch ausgereifte Vorstellunghorizont verborgen, den ein Mensch nur dann mitbringt, wenn er sich diszipliniert, gequält, Erfahrung mit Frustration und all dem gemacht hat : All das sind Aspekte des Bildungs-Gedankens, ohne Fleiß und Zueignungsarbeit der anstrengenden Sorte ist Bildung nicht zu haben. Es blieben zaubernde Menschen übrig, deren Seelenleben durch diese Totalentlastung des Großteils ihrer Facetten verlustig gehen würden, ein Großteil ihrer menschlichen Spannungslagen im Seelenhaushalt verkümmern lassen müssten. Nein es bliebe nicht ‚mehr Zeit für die wichtigen Dinge‘ übrig, sondern was ‚wichtig‘ wäre, würde sich durch diesen Einschnitt so verändern, dass sich keine Vorhersagen treffen lassen. Das aber haben Menschen mit wirklichem Magie-Glauben nicht durchschaut. Mit dem Ausfall vieler dieser seelischen Facetten (etwa der ‚belastenden Frustration‘) fiele auf längere Sicht die Motivation des Zaubernkönnens – nämlich sich von Dingen zu entlasten, die ja gar nicht mehr BElasten weil sie durch Zauberei schon längst aus der Welt geschafft sind – weg. Die Zauberei würde sich damit ihrer Funktion berauben. Genau darum kann sie – rückwirkend betrachtet – in einer ‚menschlichen‘ Welt nicht real sein, weil sie nur ‚unmenschliches‘ stiften kann.