Lenks Comedy Club Rostock

Comedy-Talente aus Mecklenburg-Vorpommern erhalten in Zukunft die Möglichkeit, ihr Können zur Freude von Publikum und einer Jury unter Beweis zu stellen. In Zusammenarbeit mit der Künstlervermittlung des Arbeitsamtes soll MV als weißer Fleck auf der Comedy-Landschaftskarte witzig bunt angepinselt werden. Der Bedarf ist groß: Immer wieder werden Spaßmacher für öffentliche Auftritte gesucht, doch die Kästen mit den Karteikarten sind so gut wie leer, was mich, angesichts der reichhaltigen Bühnenszene  zumindest in Rostock doch recht verwundert.

Jeder, der sich also berufen fühlt, ist aufgerufen, sich anrufen zu lassen. Lasst uns das Ding stemmen.

http://www.comedy-mv.de/

Bürger nicht etwa ‚erneut‘ für Gauck sondern ‚immer noch‘:

Und zu recht, sage ich Ihnen. Und das sage ich Ihnen als gebürtiger Schweriner und Wahlrostocker. Das ‚immer noch‘ leite ich mir zunächst aus dem Umstand ab, dass Wulff 2010 erst im 3. Wahlgang gewählt wurde, können Sie sich noch dran erinnern? Ohne Einschwörung der unionsnahen Mitglieder der Bundesversammlung (durch Roland Koch) auf den schleichenden Niedergang von Schwarz/Gelb im Falle einer Wahl Gaucks hätte es dieses Disziplinar-Ergebnis namens Wulff nicht gegeben. Ja, ich sags ihn: Das Staatsoberhaupt, das jetzt gerade zurück getreten ist, war nur das Ergebnis einer letztmöglichen Selbstdisziplinierung der Regierungsparteien vor dem Hintergrund parlamentarischer Machtoptionen. Christian Wulffs Amtszeit hat, wie die von mir sehr geschätzte Politikberaterin Prof. Gertrud Höhler zurecht sagte, den gefährlichen Eindruck erweckt, dass das Staatsoberhaupt nur von Kanzlerinnen Gnade ein solches sei: was eine gefährliche Umkehrung der verfassungsrechtlichen Rolle dieses Amtes ist. Da wir einen Präsidenten brauchen, der sich diese Umkehrung nicht gefallen lässt, brauchen wir endlich einen, mit dem die Kanzlerin mehr Schwierigkeiten hat. Da muss endlich mehr Distanz rein kommen. Politische Näheverhältnisse führen zu diesen Ereignissen, denen die Tendenz inhäriert, die Gewaltenteilung in Schieflage zu bringen. Ich zitier daher jetzt meinen Artikel vom Tag der letzten Präsidentenwahl (ich hatte ja zwischenzeitig hier alles gelöscht, daher erneut):

Tag der nicht getanen Gefallen (30/06/2010)

Die Demokratie hat den Parteien heute nicht in jeder Hinsicht den Gefallen getan, die von ihnen gewünschten Ergebnisse abzunicken. Ja diese Polemik ist nötig. Der Linken wurde nicht der Gefallen getan, ihr eine Positionierung in einem dritten Wahlgang zu ersparen. Union und FDP wurde nicht der Gefallen getan, dass ihr Kandidat gleich im ersten Wahlgang durch gewunken wird. Wullfs Stimmenanstieg im zweiten Wahlgang um 15 Stimmen mag mit einer teils über Roland Kochs Schüren von Untergangsangst erreichten Disziplinierung in den Fraktionsrunden zu tun haben. Dass das aber nicht reichte, hat trotz der letztlichen Wahl Wulffs einen ähnlichen Effekt wie eine mögliche Nichtwahl: das Koalitionsklima ist nicht besser geworden, Merkel wackelt, sie kriegt in ihren eigenen Reihen kaum Mehrheiten für gemeinsame Projekte zusammen.

Und vor allem: Wulff sollte mit diesem Ergebnis unzufrieden sein und er sollte aus diesem Start das Gepräge für seinen künftigen Amtsstil ableiten: klare Kante gegen Parteiklüngel, also klare Kante gegen das, was sein Denken die letzten Jahrzehnte ausmachte. In einer echten Demokratie darf nichts zur von vornherein ausgemachten Sache derangiert werden. Sein Amt begann mit einer nicht von vornherein ausgemachten Sache. Das muss er in Zukunft wollen: dass in einer echten Demokratie der Drops nicht gelutscht ist, bevor er nicht mindestens ausgepackt ist. Wulff kam erst im dritten Wahlgang dran und das ist der Durchgang mit den geänderten Bedingungen.

Aber auch Frau Jochimsen hat ihren Gegnern nicht den Gefallen getan, sich durch ihre Äußerungen als außer für Linke völlig unwählbar zu halten, immerhin hatte sie im ersten Durchlauf zwei Stimmen mehr als erwartet. Der FDP ist nicht der Gefallen getan worden, als Gefährder der Koalition dazustehen, denn das wäre für die FDP die denkbar beste Opferrolle und als Opfer kann man die schlechten Umfragewerte einem “Täter” zuschreiben, der nicht man selbst ist. Durch ihren Verzicht zum dritten Wahlgang hat Frau Jochimsen dem Kandidaten Wulff den Sieg schwerer gemacht und dem Kandidaten Gauck die Niederlage knapper, die dadurch gemachten Hoffnungen haben uns über die veränderten Bedingungen für den dritten Wahlgang täuschen sollen. Dadurch hatte Frau Jochimsen einen würdigen Abgang und kontrastierte die Herren Wulff und Gauck, für die es danach noch mal richtig um was ging, damit machte sie sich aber zu derjenigen Zählkandidatin, die sie von Anfang an nicht sein wollte. Dass ihr Abgang einen völligen Umschwung der Entscheidungslage der Linken bedeutet, wollten wahrscheinlich alle die nicht glauben, die vorher schon Wulffs Wahl im ersten Durchgang für sicher hielten. Dieser Gefallen wurde ihnen aber nicht getan.

Der NPD mit ihrem Kandidaten hat keiner den Gefallen getan, sie bei mehr Gelegenheiten zu erwähnen als zu den zu diesem Prozedere notwendigen: also das Verlesen der Stimmenverteilungen am Ende des Wahlganges. Die Medien haben ihnen nicht den Gefallen getan, sie gesondert zu erwähnen, was nicht heißt, dass die Rechten nicht für existent gehalten werden, was nur heißt, dass in allen wichtigen Kontexten ihre Meinung weiterhin keine Rolle spielt.

Jeder nicht getane Gefallen ist ein Einspruch: gegen die Mächte, die Gefälligkeit verlangten. Jeder Einspruch ist in einer überzogenen Deutung konkrete Autonomie, aber vielleicht hängt die Überzogenheit dieser Deutung damit zusammen, dass wir einem Parteimitglied ein berechenbares Stimmverhalten unterstellen, um sie erfolgreich als Parteimitglieder zu identifizieren, und vielleicht ist das ein besseres Kriterium als ihre Zusammenstehen in einer Fraktion nur auf Basis von Gesetzen der Organisation von Wahrnehmung, über Nähe und gleiche Richtung etwa, zu entschlüsseln.

Über allem muss in meinen Augen nun die Frage stehen, ob nicht die falschen Gefallenserwartungen des heutigen Tages auf allen Seiten Ausdruck eines schlechten Demokratieverständnisses sind. Es liegt nahe, dass zu sehr mit Wunschträumen auf ein gesamtdeutsches Ereignis zugegangen wird, die eine zu individuelle Genese aus einer machtpolitischen Perspektive des arrivierten Spitzenpersonals verraten, ja Geschichte machen Personen, notfalls auch gegen Mehrheiten.

Merkel wankt, denn ihr ist nicht der Gefallen getan worden, dass eine auf Wulff gefallene Wahl unabhängig vom langen Weg dahin betrachtet werden kann, quasi nur vom Ergebnis her: diesen Gefallen tat ihr die Demokratie nicht, und deshalb wanken die Mehrheiten für ihre Projekte. Die Linke hatte sich im dritten Durchlauf fast geschlossen enthalten, und damit einerseits auf eine Unterstützung Gaucks gegen Schwarz-Gelb verzichtet und damit andererseits selbst Schwarz-Gelb aufgewertet. Die Linke verbaut sich Machtperspektiven im Bund und stärkt ihren politischen Mittbewerbern die Flanken. Diese Positionierung hat sie ganz allein über Enthaltungen erreicht. Der Gefallen, durch Enthaltung Neutralität ausgedrückt zu haben, ist ihr in der öffentlichen Wahrnehmung nicht getan worden. Am wenigsten zu sagen gibt es in meinen Augen über die einzige Wahlfrau des Südschleswigschen Wählerverbandes Anke Spoorendonk. Wie hat die eigentlich abgestimmt? Ich tue ihr hiermit den Gefallen und interessiere mich dafür. Und ihr?

Und nachdem nun endlich ein überparteilicher Kandidat gesucht werden soll, der nicht aus der aktiven Politik stammt, und Voßkuhle abgesagt hat, kein aktuelles Kabinettsmitglied infrage kommt, Lammert sich auch bedeckt hält, sollten wir endlich akzeptieren, dass es nicht so viele bekannte Personen des öffentlichen Lebens gibt, die dann noch gleichermaßen prominent infrage kommen wie Joachim Gauck. Also, reißt euch mal alle ein bisschen zusammen und macht ernst mit der Reparatur dieses Amtes. Reißt euch zusammen im Sinne Deutschlands und nicht im Sinne der Union.

http://www.buerger-fuer-gauck.de/_rubric/index.php?rubric=STARTSEITE

http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Gauck

Kampf der Mehrheitsgesellschaft gegen die Kinderlosen…

Was aus den Mündern sogenannter junger Unions-Bundestagsabgeordneter plätschert, wenn die Rede von ‚jung‘ als geistige Kategorie sich hier nicht sofort ad absurdum führt, ist folgendes: eine Zumutung. Warum? Eine demographische Abgabe auf Lebensentscheidungen, nicht weniger sind Extrasteuern für Kinderlose. Der Abstiegskampf der Mehrheitsgesellschaft, die gerne auch auf die absehbare Zeit dieses Jahrhunderts gerne eine der größten Industriegesellschaften der Welt bleiben will, hat begonnen, ein Abstiegskampf gegen die Kinderlosen ist das, wenn Menschen für das Auslassen bestimmter Lebensereignisse massiv mehr besteuert werden sollen. Es ist zudem ein Kulturkampf: eine neue Form von Normativität. Die Mehrheitsgesellschaft macht in abgrenzender Hinsicht klar, was sie für das Gebot der Stunde hält. Unabhängig davon, dass eine ausgewogene Kindererziehung in unserer Gesellschaft immer seltener gelingt. Aber es ging ja der Mehrheitsgesellschaft nie um gelingende Lebensführungen sondern um bloße Masse: jedes einzelne Kind hält die Versorgungsmaschinerie der Sozialsysteme am Laufen, jedes zerstörte Kinderleben kann dann ja immer noch die mediale Empörungsmaschinerie anfeuern. Nur Masse zählt. Das ist, ganz klar gesagt, die Scheinheiligkeit der Wortführer der Mehrheitsgesellschaft.

Mit der Kindererziehung lässt der Staat an vielen Ecken die Eltern alleine, die keinen Platz in einer Kita finden, und die Erwachsenen, die deshalb nicht unter fehlenden Kindergartenplätzen in der Innenstadt leiden, weil sie keine Kinder haben, kämen dann auch nicht mehr so leicht davon. So liegt alles schief: Auf Kinder wird nicht mehr unbelastet geblickt, überall wird ein Kinderleben über bare Münze dimensioniert, und die Entscheidung zur Kinderlosigkeit wird staatlich diskriminiert. Das verändert auch das Bild von Elternschaft für all diejenigen, die gerne Eltern sind: Jedes Wunschkind wird so in politischer Hinsicht umgeschrieben als ein nicht-monetärer Tribut an die finanziellen Erfordernisse des demogaphischen Wandels. So hat sich der Kapitalismus als Ideologie bis in den privatesten Bereich eingeschrieben. Und die sogenannten Christen von der CDU verdoppeln diese Tendenz politisch und verkennen den wortwörtlichen Ausverkauf menschlichen Daseins, das sich noch nicht gegen die Indienstnahmen und Funktionalisierungen durch die Politik wehren kann.

30% der nach 1970 geborenen sind kinderlos. Das ist Statistik. Die hinkt natürlich auf der Seite, dass die Gruppe der nach 1970 geborenen auch die umfasst, die heute selber noch im Kindesalter sind. Aber ich will mich ja nicht künstlich lustig machen. Fakt ist: Kinderlose sind nicht weniger konsumstarke Gruppen als Eltern, nur dass Eltern überdurchschnittlich viel in Produkte und Dienstleistungen zur Kindesentwicklung investieren. Wo ist der Unterschied? Es gibt keinen: beides geht in die Binnenkonjunktur. Die staatliche Altersvorsorge in Deutschland ist umlagefinanziert. Wer jetzt arbeitet zahlt für die, die jetzt Rentner sind. Wer jetzt Geld verdient, zahlt Sozialabgaben in den Topf des aktuellen Bedarfs.

Wir werden einen gewaltigen Bewusstseinswandel durchmachen müssen, bevor wir auf den drohenden Kollaps der Altersabsicherung nicht stumpf mit dem Reflex reagieren, mehr zukünftige Beitragszahler zu fordern oder von den heutigen Beitragszahlern mehr Beitrag verlangen, besonders mehr Beitrag von denen, die keine neuen kleinen Beitragszahler produzieren. Wir müssen weg von der Vorstellung der Indienstnahme von Kindern für die Fortsetzung einer Umlageabsicherung, die den demographischen Erfordernissen gegenüber die Unflexibilität eines stumpfen Wachstumsmodelle bevorzugt, ein Modell, das sich nur durch Wachstum auf der Beitragszahlerseite zu helfen weiß. Wir müssen Kinder ernst nehmen, und deshalb verbietet sich die Redeweise der Unionsleute. Die von jenen eingeforderte ‚Demographie-Reserve‘ verschiebt die zunehmende Ungerechtigkeit des Generationen-Vertrags auf die Ebene individueller Lebensführung und individualisiert die Verarbeitung kollektiver Diskrepanzen. Dies ist die Fortsetzung der Implikationen der Finanzkrise auf persönlicher Ebene: So wie privatwirtschaftliche Konzerne gern große Gewinne privatisieren und Schulden sozialisieren wollen, sollen die sich aus dem Differenzbruch des Demographischen Wandels ergebenden Kosten sozialisiert werden, und zwar auf eine Weise sozialisiert, dass es bis auf die Ebene individueller Lebensführung durchschlägt. Wo vormals ein Bereich war, der unbedingt gegen die Implikationen der Wirtschaftlichkeit geschützt gehört, werden Eltern mit ihren Kindern zu staatssichernden Finanzdienstleistungsgespannen, um die Lücke, die auch durch Engagementausfall großer Kapitale immer weiter wird, entweder mit gleichgeschalteten Lebensentwürfen zu füllen oder andernfalls für eigene Nonkonformität eine Gebühr abzudrücken.

Mich sorgt diese Tendenz sehr. In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Letztenendes ist das doch der Ausdruck eines verschobenen Verhältnisses: Was bedeuten uns Kinder? Was bedeuten Kinder in den Reden derjenigen, die sich immer als ihre Anwälte ausrufen aber diesen Anforderungen nicht genügen können?