‚Helden‘ wollen nicht für BILD werben…

Bin gerade sehr überrascht von den Vorgängen, die da so laufen.

http://www.bildblog.de/28264/wir-sind-helden-wollen-nicht-fuer-bild-werben/

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/24/0,3672,8215416,00.html

Einerseits: Wie kann man nur auf die Idee kommen, die ‚Helden‘ würden Werbung für ein Druckerzeugnis aus dem Springerkonzern machen wollen? Da muss es sich um einen Scherz der Agentur Jung/von Matt handeln. Haben die das ernst gemeint? Naja, jedenfalls gibt es das Antwortschreiben jetzt gratis im Netz, die polemische  Tonlage des Schreibens hat mich, zugegebenermaßen erotisch elektrisiert, wie immer man sich das auch vorstellen mag. Und: Grundidee war doch, dass die angeworbenen Promis, geködert mit dem guten Zweck, ihre Meinung zu BILD offen sagen sollten. Und? Haben sie doch jetzt auch getan, auch ohne auf den Kampagnenzug aufzuspringen. Oder vielleicht doch auf den Zug gesprungen? Ist das eine autonome Widerspruchshandlung? Da bin ich mir noch nicht klar. Fest steht: Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.

Grüße

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Immer wieder fragen mich Leute…

Was hältst du eigentlich von dieser Guttenberg-Geschichte? Dann sage ich: Ach. In der Hinsicht ist doch schon alles gesagt. Aber wenn ihr mich nach den dialektischen Zwischentönen fragt, dann kann ich auch nur das konkretisieren, was bestimmt schon mal irgendwo gesagt worden ist, nur vielleicht noch nicht von mir. Also: Guttenberg ist seinem eigenen Anspruch nicht gerecht geworden, nur seit gestern versucht er, das wieder zu korrigieren, indem er seinen Titel, den er anscheinend nun auch nach eigener Kenntnis zu Unrecht trägt, dauerhaft nicht mehr führen wird. Da der Dr. als Namenszusatz nicht mal einfach so abgelegt werden kann, hat er die bayreuther Fakultät darum gebeten, ihm den mittlerweile lästigen Titel abzunehmen. Sein ‚von und zu‘ wird er natürlich behalten und damit wahrscheinlich das, was ihn wirklich über uns Durchschnittliche erhöht, genauso wie das Kabinett Merkel ihn behalten wollen wird, immerhin ist er der beliebteste Politiker des Landes, und dieser Status ist einem natürlich solange lieb, wie er der CDU/CSU hilft, aber das ist einem dann nicht mehr lieb, wenn denn mit diesem Status auch gewisse Wertvorstellungen verknüpft werden, die auch immer in der Selbstanwendung gedacht werden müssen und in dieser Hinsicht ist Guttenberg ja nun erstmal zurückgepfiffen worden. Horst Seehofer wird sich freuen, dass nun die Konkurrenz aus den eigenen Reihen nicht mehr ganz so groß ist, die Mehrheit der Menschen im Land wird auch weiterhin zu Gutti halten und die Opposition wird natürlich ein ‚Glaubwürdigkeitsproblem‘ verorten, immerhin ist das der SPD selbst viel zu oft vorgehalten worden, man erinnere sich an Andrea Ypsilanti, und diese naheliegende Retourkutsche nicht zu fahren, wäre für eine Opposition ein taktisch fahrlässiges Verhalten. Mir tut es nur etwas um die Fakultät leid, denn immerhin ist dort nicht so genau hingesehen worden. Sicher kann man sich dort immer noch damit entschuldigen, dass der Doktorand mit seiner Selbständigkeitserklärung sich dazu verpflichtet hatte, sauber zu arbeiten, was ja offensichtlich nicht geschehen ist. Bei den Grünen spricht man nun von einer Art Demuts-Gefloskel, mit welchem Guttenberg die Flucht nach vorn antritt. Wie dem auch sei, als echte Schadensbegrenzung, die ihn eine gewisse Glaubwürdigkeit zurück erlangen lässt, ist das der einzig richtige Weg. Ich glaube nicht, dass Guttenberg sein Amt zwingend aufgeben muss. Der typisch deutsche Titelhunger bringt halt solche Auswüchse mit sich, und ich glaube nicht, dass die Wähler mehr auf den Titel gegeben haben, als derjenige, der ihn sich aus Statusgründen erwarb und bei diesem Erwerb ein äußerst fragwürdiges Handwerkszeug offenbarte. Eine Chance sehe ich aber: Eine anhand des Falles Guttenberg aufgemachte gesamtgesellschaftliche Diskussion, in der mal ehrlich die Frage nach den Mechanismen auf den Tisch kommt, weshalb bei uns überdurchschnittlich viele Leute promovieren, könnte auch Entspannungseffekte für uns alle mit sich bringen, könnte den Forschungsdiskurs wieder mit mehr Bedeutung aufladen und der gefährlichen Verflachungstendenz entgegen wirken. Vielleicht wäre Spitzenwissenschaft dann ihren Namen wert und hätte noch echt die Chance, Selbsterweiterung einerseits und einen Gewinn für die Gesamtheit andererseits darzustellen, und nicht einfach nur eine Titel-Druck-Maschine zu sein, mit der sich ein Berechtigungswesen für den Zugang zu hohen Staatsämtern verbindet. Und vor allen Dingen: Eine so große Volkswirtschaft wie unsere braucht die besten Leute an der Spitze. Und woran wollen wir die Besten erkennen? An ihren Titeln? Oder lieber an ihrer Sachpolitik? Ihr seid die Wähler, entscheidet! Aber denkt auch daran: Sicher macht ein Titel alleine keinen guten Politiker aus, sondern es geht dabei eher um Sachverstand, Ehrlichkeit und Charakterstärke. Nur: Es legt auch der Titelerwerb Zeugnis davon ab, wie es eben um die Fähigkeit zu disziplinierter und ehrlicher Arbeit steht, und deshalb degradiert nicht die Aberkennung des Titels die Figur zu Guttenberg als Politiker, sondern er hat eben mit dem unrechtmäßigen Erwerb sich selbst degradiert. Alle Begründungen, ihn im Amt zu lassen eben weil der Titel nichts sagt, hinken auf dem Bein, dass auch das neuerliche Nicht-Haben des Titels bei Guttenberg mit einer ganz großen Aussage verbunden ist. Ich glaube nicht, dass er sein Amt abgeben ‚muss‘, aber ich glaube, er wäre damit besser beraten. Seine Partei wäre damit besser beraten.