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	<title>Herr Carlo : La société vue du ciel</title>
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	<description>Krude Nörgeleien eines menschlichen Nölefanten</description>
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		<title>Das Problem des Präsidenten &#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 12:26:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carloihde</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; ist doch schon lange nicht mehr inhaltlicher Natur in Bezug auf das, was ihm vielleicht an Verstößen gegen das Ministergesetz in seiner Zeit als Ministerpräsident in Niedersachsen passiert sei, wenn es denn auf juristisch haltbare Weise als Verstoß bezeichnet werden kann, das Problem sind auch nicht mangelhafte Bonus-Meilen-Kalkulationen, die jetzt neuerdings immer öfter genannt werden, denn wenn man bei diesen Meilen als Vielflieger im Dienste des Staates ohnehin nicht exakt kalkulieren kann, erübrigt sich jeder Skandalisierungsversuch. Das Problem ist auch nicht inhaltlicher Natur in Bezug auf die Kreditkonditionen und der Frage, ob das ein Kredit vom selben Zuschnitt wie für einen Otto-Normal-Sterblichen war &#8211; was sich eh durch die Summe erübrigt (kaum einer, der gerne laut von sich als dem &#8216;Kleinen Mann auf der Straße&#8217; spricht, hat auch nur den Bedarf nach so einer Leihsumme) &#8211; oder ob das eine unübliche Kreditzusammensetzung aus Wertpapieren und sonstigem war: da erübrigt sich der Aufschrei, weil Otto-Normal-Kreditnehmer auf Nummer sicher gehen muss, wenn er über seinen prospektierten Finanzrahmen hinaus Geld leiht um seinen Verhältnissen ungemäß sich zu verausgaben. Es liegt an nichts von all dem.</p>
<p>Es liegt an der Schwäche dieses Staatsamtes, die bis heute noch eine geschichtliche Referenz auf das Deutschland bis 1945 ist. Es liegt in der fast auf reine Repräsentation abhebenden Intention  dieses höchsten Staatsamtes, was seine Schwäche vom Machtaspekt her manifestiert, und um der Rechtfertigung willen - trotzdem als das höchste zu gelten &#8211;  andere Tugenden erforderlich macht: Tugenden nicht-politischer Natur, Tugenden von nicht-politischer Dienstbarkeit. Daher liegt es nicht an Inhalten eventueller Verfehlungen, sondern an der methodischen Unterbietung der einzig dieses schwache Amt rettenden Tugenden: Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Offenheit, Sprachmacht und Souveränität in der Themensetzung. Unser Präsident war schlecht beraten, als er die Möglichkeit zu all diesem vor laufenden Kameras und mindestens 11 Millionen Zuschauern nur zum Schein für sich reklamiert hatte, wenige Tage später wurde dieser Anflug von Idealismus medial als massive Unterbietung entlarvt.</p>
<p>Das Hick-Hack offenbart damit aber nicht etwa erstmalig oder erneut, dass dieses schwache Amt abgeschafft gehört, sondern es offenbart einmal mehr, wie wichtig und zentral die Persönlichkeit &#8211; nicht nur als Amtsperson sondern als Privatperson &#8211; für die Ausfüllung dieses Amtes ist. Der oberste Bürger im Staate soll in erster Linie glaubwürdige Amtsperson sein, hat aber als Amtsmittel so wenige zur Verfügung, dass sich unablässig die private Lebensführung als Qualitativer Leistungsmesser der Amtsausübung dazwischen schiebt, in einer Mediendemokratie steigert sich das Tempo dieser Überlagerung.</p>
<p>Ist dieses Amt also eine Zumutung? Ja, wahrscheinlich ja. Wir fordern immerhin nichts weniger als einen Halbgott in Nadelstreifen, wohlgemerkt ist von der recht geringen Machtperspektive jede präsidiale Amtsinauguration vergleichbar mit einer Kastration. Nur ist damit nicht gesagt, dass prinzipiell kein <em>Mensch</em> dafür in Frage kommen kann. In Frage kommt wahrscheinlich dafür nur ein leidensfähiger Intellektueller, der stilsicher bleiben kann selbst wenn wir die von ihm erwartete Halbgotthaftigkeit mit seiner machtperspektivischen Kastration verbinden, und ihm diese Machtlosigkeit nötigenfalls bei jeder kleinsten Verfehlung unter die Nase reiben.</p>
<p>Stilsicherheit ist wichtig. Stilunsicherheit ist keine Frage rein inhaltlicher Verfehlungen sondern die Frage nach der Methode im Umgang mit ihnen: die Salami-Taktik ist keine Sicherheit, sondern Getriebensein von dem, was andere schon herausgefunden haben, und zugegeben wird dort nur noch das eh nicht mehr zu leugnende, aber ganz bestimmt nicht nach eigener Regie. Der sich treiben lassende Scheibchen-Taktiker arbeitet formal-methodisch an seiner Schwächung, die ihm das Amt strukturell in Machtfragen schon vorgab. Wer so verfährt, muss für das Amt unhaltbar werden, bevor die Unhaltbarkeit des Amtes evident wird. Zumindest die Verfassung &#8211; unter Hinzurechnung einiger unausgesprochener Erwartungen, die als Erwartungshorizont ins Private zielen müssen eben weil die Amtsperspektive eine so schwache ist - scheint dies zu implizieren.</p>
<br /> Tagged: <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/amt/'>Amt</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/bundesprasident/'>Bundespräsident</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/christian-wulff/'>Christian Wulff</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/carloihde.wordpress.com/399/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/carloihde.wordpress.com/399/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/carloihde.wordpress.com/399/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/carloihde.wordpress.com/399/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/carloihde.wordpress.com/399/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/carloihde.wordpress.com/399/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/carloihde.wordpress.com/399/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/carloihde.wordpress.com/399/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/carloihde.wordpress.com/399/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/carloihde.wordpress.com/399/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/carloihde.wordpress.com/399/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/carloihde.wordpress.com/399/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/carloihde.wordpress.com/399/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/carloihde.wordpress.com/399/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=399&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Kleine Analyse des Papstbesuches &#8211; Thesen zu Glaubensgewissheiten</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Sep 2011 11:08:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carloihde</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich wünsche mir mehr Kritik und weniger Affirmation. Wenn ganz Deutschland einem Papstbesuch zuschaut und jubelt und die Aussagekraft dieser phänomenalen Erscheinung auch noch daraus bestärkt wird, dass sogar Menschen sich dafür begeistern, die mit Religion sonst nichts am Hut haben, dann soll das für die besondere Milde von Benedikt XVI. sprechen, nur: die Menschen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=395&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Ich wünsche mir mehr Kritik und weniger Affirmation. Wenn ganz Deutschland einem Papstbesuch zuschaut und jubelt und die Aussagekraft dieser phänomenalen Erscheinung auch noch daraus bestärkt wird, dass sogar Menschen sich dafür begeistern, die mit Religion sonst nichts am Hut haben, dann soll das für die besondere Milde von Benedikt XVI. sprechen, nur: die Menschen haben keine Wahl. Die Asymmetrie ist ja gerade die, dass man sich zu diesem Phänomen verhalten soll, dass dieses Phänomen aber keineswegs sich zu den realen Menschen neigt oder verhält: Nein, ein Papst verändert sich nicht, ja der Papst entlarvte all die naiven Hoffnungen, es könnte sich bei ihm noch um einen Menschen handeln, der nicht einfach nur Verständigung predigt, sondern wirklich zuhören kann, so zuhören, dass es auch ihn verändert. Eine Initiative aus Österreich hat es ans Licht befördert: Viele Priester praktizieren in ihren Gemeinden vor Ort einen Glauben, der zwar nah an den Menschen und ihrer Lebenswirklichkeit ist, aber eben genau aus diesem Grund die erhabene Höhe der Vatikanischen Lehre unterbieten muss, sie geben Geschiedenen die Kommunion, sie schließen auch Protestanten nicht aus, all das ist eigentlich Teufelszeug. Und dann die Rede Benedikts vor dem Bundestag, in der vieles von dem, weshalb der katholischen Kirche die Anhänger scharenweise davon laufen, nicht vorkam. Und dann redet der Papst da so vermeintlich philosophisch daher, da poltert er gegen das Positivistische Weltbild der modernen Naturwissenschaften, und dass obwohl er wissen müsste, dass die Wissenschaftsphilosophie schon lange eine anti-positivistische Wende eingeleitet hat, nicht zuletzt mit dem Heidelberger Philosophen Gadamer, spätestens mit sozialkonstruktivistischen Strömungen, aber gegen die poltert Benedikt ja auch, weil die seien ja Türöffner zum Relativismus und nichts ist schlimmer als Relativismus: was einem Mann, der in Glaubenswahrheiten gefangen ist, wie Beliebigkeit vorkommt, ist dem Begriff nach aber nichts anderes als Relativität, also die Verhältnismäßigkeit der Erkenntnis zu ihrem kategorialen Bezugssystem, innerhalb dieser Erkenntnissystem-inhärenten Strukturen ist man aber alles andere als völlig frei in der Wahl dessen, wie man eine Relation der Erkenntnis zum eigenen Bezugssystem herstellt, das ja immer eine irreduzible Grundlage meint, auch Benedikt ist als Katholik nicht frei in der Wahl, wie er die Welt deutet. Relativismus ist nicht Grundlagenlosigkeit und Beliebigkeit. Was der Papst in einer Gesamtschau auf die Pluralität der verschiedenen Denkstile für eine Aufweichung der Wahrheit hält und daher als Beliebigkeit akzentuiert, verkennt, dass innerhalb dieser Wahrheitsfindungsstrukturen alles andere als Beliebigkeit sondern harter Denkzwang herrscht, nicht weniger hart als in der Kirche. Aber Benedikt will ja einfach nur alle Modelle diskreditieren. Genauso wie den Individualismus. Aber mein Gott: Wie kann es ein Erkennen geben, wenn ich mich nicht mindestens selbst autonom aber als Angehöriger einer Sozialität darauf hin befrage, wie unter diesen und jenen Ausgangslagen die Chancen stehen, sich positiv auf eine Erkenntnismöglichkeit auszurichten? Ist nicht der Glaube in einem freien Verständnis ein höchst individualistisches Frage- und Antwortspiel zwischen dem Selbst, der Tradition und dem respektablen Bedürfnis nach Spiritualität und Transzendenz? Benedikt aber möchte ja gar nicht die Freiheit der individuellen Selbstbefragung im Glauben, er perspektiviert &#8216;echten&#8217; Glauben als etwas von höchster Unfreiheit kündendes. Zwar ist auch &#8216;echter&#8217; &#8216;Nichtglaube&#8217; nicht weniger Unfrei, aber aus dieser jeweiligen Bezugsgemäßheit des je eigenen Tuns folgt nicht Relativität sondern die Gleichmöglichkeit differenter Haltungen, und das zu dulden hieße: Toleranz, über die der Papst wohl oder übel nicht verfügt.  Das Problem, dass viele Kommentatoren der Rede sahen, war, dass Benedikt niemals die Begriffe, die er verwendet, erklärt. Er hält sie seinen qua pontifikaler Würde hypnotisierten Auditorien als Embleme vor, und weiß, dass ihre heuristische Schwammigkeit gutmütig als die ganz große Weisheit ausgelegt werden muss, weil die Auditorien es nicht besser wissen können. Und so watsch er das Fundament des 20. Jahrhunderts ab, erst kriegt der harte Positivismus eins drüber und samt ihm auch seine intellektuelle Redlichkeit, dass eben der Wissenschaftler als emotionales Subjekt sich raus halten muss aus dem, was er klar sehen will, wenn er denn klar sehen will und selbstkritisch auch noch die Kriterien mitliefern muss unter welchen seine Behauptungen unwahr werden und er als Wissenschaftler demontiert, &#8211; fragen Sie sich mal wann Benedikt in seinen Reden je die Kriterien mitgeliefert hätte, unter welchen seine Behauptungen unwahr werden könnten, fragen Sie sich mal, warum man Menschen hofieren sollte, die mit begrifflich ungedeckten Checks einkaufen gehen - und Benedikt watsch soziologische Erkenntnistheorien ab, da in ihnen der Mensch zu viel an der Erschaffung einer Idee vom Ganzen pfuscht, wofür aber niemand außer Gott urheberschaftlich verantwortlich sein soll, und er watscht den Individualismus ab und die erst aus ihm sich ergebende Möglichkeit zu Bildung und vielleicht auch zu autonom praktizierter Religiösität: Im Ergebnis heißt das: Nichts kommt Benedikt schlimmer vor als Menschen, die klar auf harten Fakten sehen wollen, auch auf den Fakt, dass sie selbst ihr Bild von der Welt schaffen und sich frei zu einem Lebensmuster entscheiden können, weil sie die Wahl haben: nur bloß keine durch Intellektualität erzeugte Unabhängigkeit vom heteronomem Dogma der Amtskirche, vor nichts hätte Benedikt mehr Angst.</p>
<p style="text-align:justify;">Und dann poltert er dagegen, dass die Menschen ihre eigene &#8216;Natur&#8217; nicht genügend respektieren und dass es genau wie bei der Umwelt darauf ankomme, den natürlichen Bedürfnissen natürlicher Erscheinungen genügend Gehör zu schenken. Auch da Fehlanzeige was eine Präzisierung der Begriffe betrifft &#8211; sie funktionieren bei Benedikt offensichtlich nur solange sie vieles mögliche aber nichts konkretes bezeichnen: eben emblematisch &#8211; Fragen Sie sich mal, wie Sie telefonisch eine Pizza bestellt kriegen, die Sie die ganze Zeit aus Unschärfegründen nur prototypisch als &#8216;Lebensmittel&#8217; zu bezeichnen vermögen, und fragen Sie sich mal, welcher Pizzalieferservice Sie darauf hin für ihre sprachliche Genauigkeit loben wird &#8230; Und der Papst, der mit dem Gerede von der menschlichen Natur meint, dass Menschen nicht eingreifen sollten zum Beispiel in ihre natürlichen Reproduktionszyklen, tut der damit nicht auch etwas, was er vorher ablehnte: eine Positivierung des Menschenbildes, eben wenn er den menschlichen Eingriff nicht auf den Begriff der Arbeit am  kulturellen Aspekt des Menschseins ausweitet sondern auf den der materiellen Manipulation an menschlicher Substanz vereinseitigt? Eine Festlegung des Menschen auf die Imperative seiner Naturseite, die im wesentlichen in seinem Fortpflanzungsmechanismus verortet wird? Denn in dem Moment, wo Benedikt dies ansprach, klatschte das Bundestagsauditorium, als er sinngemäß sagte: &#8216;der Mensch dürfe nicht den Menschen machen&#8217;. Diese Aussage eindeutig zu beklatschen obwohl sie in mindestens zwei Richtungen verstehbar ist, finde ich problematisch. Erste Lesart: der Mensch darf den Menschen nicht in einer Petrischale züchten. Diese Lesart darf durchaus beklatscht werden, der Meinung bin ich ja auch. Da auf diese Lesart hin das Auditorium tatsächlich klatschte, handelte es sich bei ihm um eines, das &#8216;Menschen machen&#8217; nur in Hinsicht positivistischer Naturwissenschaft verstanden hatte weil es durch diesen Denkstil nur die positivistische Seite dieser Aussage zu hören fähig war, also eben gerade genau so denkt, wie der Papst es ablehnt. Denn die andere Lesart dieser Aussage ist die nicht beklatschenswerte: das ist die kulturelle, nicht-positivistisch-naturwissenschaftliche Aussage: &#8216;der Mensch darf den Menschen nicht konstruieren&#8217;, soll heißen: &#8216;der Mensch darf sich nicht selber aufzeigen, was er ist, er darf sich nicht als ein durch kulturelle Arbeit durch sich und für sich selbst geschaffenes Wesen bewusst werden und braucht sich nicht autonom zu entwerfen sondern muss glauben, dass ihm seine Bedeutung erst und nur durch Gott zukommt&#8217;. Wer im Bundestag diese Lesart rausgehört hätte, die da auch in der Aussage steckte, der Mensch dürfe nicht den Menschen machen, hätte durch das Klatschen das geistige Fundament des 20. Jahrhunderts verhöhnt: dieses Fundament ist die Einsicht in die kulturelle und soziale Konstruiertheit menschlichen Daseins in Symbolräumen der gegenseitigen sozialen Bejahung. Alles ist von Menschen gemacht, sogar Kirche. Paradox wird es dort, wo Kirche sich aus ihrer kulturellen Konstruiertheit herausnehmen will und die Menschen belehren will über ihre Unmöglichkeit zum Selbstentwerfen von Institutionen und dessen, was sie sein wollen. Diesen Aspekt hätte man nicht beklatschen dürfen. Aber es wurde doch geklatscht bei der Aussage, der Mensch dürfe nicht den Menschen machen. Also hatte Benedikt Abgeordnete vor sich, die unter &#8216;machen&#8217; was brutal materielles, was faktisches, was bloß positivistisches verstanden und auf Manipulation an Embryos vereinseitigte, ihre Denkstilzugehörigkeit ist durch diese Bereitschaft zu einem gerichteten und selektierenden Hören bereits erwiesen: er hatte eben solche Menschen vor sich, gegen deren Positivismus er polterte, und keiner hat das geschnallt, nicht einmal der Papst selber. Letztendlich hindert er die Menschen am Verlassen dieses Positivismus. Der Papst nimmt modernen, selbstbewussten Menschen alles weg, was sie haben und will die Spielregeln bestimmen, indem er ihnen ihre niedlichen aber irrigen Versuche des wissenschaftlichen Wissenwollens qua schlechter Erfolgsaussichten diskreditiert und stattdessen nur Glaubensgewissheiten austeilt, mehr hat er nicht anzubieten, mehr hat er nicht einmal den Missbrauchsopfern anzubieten, die ihren Glauben durch die Amtskirche verlieren mussten. Benedikt tut alles als Vorsteher einer Organisation, die leugnen muss, dass sie von Menschen künstlich gemacht wurde um das Bedürfnis nach Spiritualität und Struktur zu institutionalisieren und damit Verlässlichkeit in eine Sache zu bringen, die erst durch ihre Verselbständigung lernte, ihre Ursache scheinbar nicht mehr in Menschen haben zu müssen, und die erst damit einen Halt zu geben vermag, der aus dieser Welt herausreichen soll, obwohl er doch immer nur Halt geben muss für in der Welt stattfindende ziemlich platte und irdisch banale Lebensanlässe und Ereignisse im Leben realer Menschen in dieser Welt. Die helfende Hand aus dem Jenseits reicht in diese Welt hinein, in der sie aber aufgrund der nur hier akuten Problemlagen erst geschaffen wurde und Menschen nachfolgend nur noch an sie glauben wollen konnten, wenn sie deren Genese in einem den Menschen unzugänglichen Bereich verortete, denn mit der Religion musste ja in der Welt über andere Menschen geurteilt werden, etwa Straftäter. Wie urteilen Sie, wenn Sie keinen Maßstab außer einem selbstgemachten &#8211; also vermeintlich relativen &#8211; haben? (Ist das nicht ein pessimistisches Menschenbild, wenn es das Menschengemachte ablehnt aufgrund des grundsätzlichen Beliebigkeitsvorwurfs? Ist das nicht ein pessimistisches Bild, wo Menschen prinzipiell nur Beliebiges machen können und daher vom Setzen der Maßstäbe, in denen sie einander richten, ausgeschlossen werden durch Instanzierung einer Sache, die ihnen über ist?) Sie urteilen mit einem Maßstab, von dem sie nicht wissen sondern nur glauben können, dass sie ihn nicht selbst erzeugt haben &#8211; dem religiösen. Dann erst können sie meinen, dass die Tatsache, schlechtes mit Urteilen zu bestrafen, ein Weltprinzip ist, das vor den Menschen da war und durch Menschen nicht hinterfragt werden kann. Die Menschen überblicken ihren Anteil an dieser Selbstgesetzgebung nicht einmal mehr, wenn sie sich mit Paradiesvorstellungen konfrontiert sehen, die wie karikaturenhaft brutale Überhöhungen des auf der Erde Unerreichbaren aussehen und sogar ein Blinder mit Krückstock das sieht: Warum blühen Paradiesvorstellungen mit x-beliebig vielen Jungfrauen besonders in diesseitigen Kulturen, die Sexualität mit großen Restriktionen belegen? Warum gehen die Menschen dann auf Basis von Suggestionen charismatischer religiöser Führer in den Tod? Weil sie in das Überirdische projizieren, dass dort auf einmal eine sexuelle Freizügigkeit möglich wird, die auf der Erde gerade in geschlossenen Meinungssystemen auf ewig eine bloße &#8211; wenn auch geile &#8211; Vorstellung hätte bleiben müssen. Hilft uns so eine Religion leichter zu leben? Nein, sie hilft uns in vielen Fällen nur, jünger und hasserfüllter und schmerzvoller zu sterben, oder hasserfüllter gegen Andersgläubige zu poltern in einer Rhetorik, die die ganze Zeit von Liebe schwafelt. Diese Religionen gestehen uns Entlastung im Leben nur zu für Zeitpunkte an denen wir bereits tot sind und nicht mehr Reklamationen einreichen können nach dem Motto: Ich möchte mein Leben zurück weil der Tod nicht gehalten hat, was er versprach, nämlich: Ficken bis zum Umfallen, das ihr Traditionshüter virtuell in Aussicht stelltet, nachdem ihr es real versagt hattet, und so was nennt man dann Moral. Seit Jahrtausenden lassen sich in ihren realen Möglichkeiten klein gehaltene Menschen mit Virtualität abspeisen und haben gelernt, dankbar dafür zu sein. Diese kulturelle Umarbeitungsleistung aber kann in einem gigantischen Selbsttäuschungsakt immer noch für die Natur des Menschen selbst gehalten werden: Religiösität, die uns unser Leben nimmt noch bevor der wahre natürliche Zyklus unserer leiblichen Existenz das verlangt hätte. Ist Ihnen das mal aufgefallen: kaum ein Selbstmordattentäter stirbt an Altersschwäche. Kaum einer ist eine größere Fehlerquelle als der Mensch in der Betrachtung dessen, was wirklich da ist. Keiner ist weniger vorurteilsfrei wenn es darum geht, erst mal zu sehen was da ist ohne es gleich zu bewerten. Er ist der größter Übeltäter wenn es gilt, kulturelle Konstruktionen als eine Natur zu verkaufen, die ihren unerreichbaren Ursprung in einem Wesen hat, das trotzdem von Menschen auf Erden stellvertretend repräsentiert werden könne von solchen Leuten, die sich zum Dank für ihre Ahnungslosigkeit als prinzipiell unveränderlich gebärden dürfen: soviel Asymmetrie und anthropologische Differenz sei den Hütern des Erhabenen zugestanden, aber es müsste allen als ein mächtiger Grund vorschweben, über deren Erhabenheit mal grundsätzlich nachzudenken, und zwar in revolutionärer Absicht.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Rede vor dem Bundestag hatte auch aus diesem Grund keinen Philosophischen Wert, weil Benedikt in meinen Augen alle Versuche der Philosophie im 20. Jahrhundert, dem Menschen Würde und<br />
Selbstbestimmungsrecht zuzugestehen, mit dem Arsch einreißt einfach weil er keine werturteilsfreie Distanz zu seinem eigenen Glauben einnehmen kann, ja sogar dazu bestimmt ist, es nicht zu dürfen. Menschen ohne Distanz zu sich, haben wahrscheinlich nicht einmal Humor. Aus Kultur aber gibt es kein Entrinnen genau wie aus durch Kulturelle Vorurteile verstellten Blickwinkeln auf die &#8216;naturgemäßheit&#8217; menschlichen Daseins, und da haben esoterische Gemeinschaften ihre ganz eigene Form der Kultivierung von verstelltem Blick, das hat da Tradition, anders ist die zweitausendjährige Geschichte dieses Ideenkonstruktes nicht zu erklären. Benedikt reklamiert es für seinen Glauben, sich herausnehmen zu können. Darin liegt die Anmaßung. In der (bloß rhetorisch möglichen) Herausnahme aus dem menschlichen Konstruktionsraum, in einer Angst vor selbstbewussten Menschen, die klar auf die Welt blicken wollen so wie sie ist und dann erkennen könnten, dass es die Menschen selbst waren, die sie als Symbolkosmos geschaffen haben, und dann aus dieser Angst gegen alles poltert er: gegen Individualität stattdessen lieber blöde Herde, gegen positive Erkenntnis stattdessen lieber willenlose Vernebelung ins Unbestimmbare, gegen greifbare kulturelle Konstruiertheit stattdessen lieber unbegreifbare Gottgegebenheit, Ungreifbarkeiten, die sich bei Benedikt schon in den Begriffen wiederholen. Glaubenswahrheiten aber können das alles nicht ersetzen, gegen das sie in Emblemen poltern, sie sind kein geeignetes Ausfallangebot für echte individuelle Reflexion. Sie können die guten Gründe, die für Konstruiertheit oder Positivität stehen, nicht vom Tisch wischen, ja sie sitzen argumentativ nicht einmal am selben Tisch. Wie kann Benedikt das nur gegeneinander ausspielen, als Professor, als Gelehrter? Wie kann man nur Liebe predigen, aber den ganzen Tag Angst vor Menschen haben, die sich ihrer Wahlfreiheit bewusst werden könnten? Mir leuchten die Gründe schon ein warum einem solche Menschen ungeheuerlich sind, die auf die Entlastungsleistung geschlossener Weltbilder verzichten wollen: immerhin bringen diese modernen sinn-asketischen und schlimmstenfalls urbanen Individualisten eine spirituelle Rohheit ins Spiel, die einen, wenn man es nicht genau nimmt, ans Vorkulturelle erinnert. Aber hört nicht vielleicht der in Hinsicht religiöser Polemik Vorkulturelle heutzutage viel genauer hin auf die Fragen, was für sein Dasein naturgemäßer ist? Der urbane Individualist, der erkannt hat, dass moderne Essgewohnheiten seinen Körper zerstören und modernes Konsumverhalt den Globus, und der bewusst gegensteuert, respektiert der sich und die Natur dem Wortlaut nach nicht auf eine starke Weise, so wie es Benedikt fordert oder wie er es fordern müsste, wenn er &#8216;Natur&#8217; sagt? Nein, er meinte ja, dass das nicht ausreiche, wenn man das ohne Glauben tut, und nein, der Papst meinte das ja auch in einem viel sexuelleren Sinn, er meinte, wir sind nicht frei in der Wahl, mit wem wir Sex haben dürfen weil Gott seinen Daumen drauf hat auf der naturgemäßen Verwendung des menschlichen Körpers, die Natur hat uns mit der Passgenauigkeit von unansehnlichen Organen vorgegeben, was wie und zu welchem Zweck ineinander zu stecken sei, um Ernährung und Konsum ging es ihm ja schon gar nicht mehr.  Aber sind denn Atheisten generell ohne Struktur? Kann man nur als Katholik ein guter Mensch sein? So ähnlich sagt er es doch: Er reklamiert doch für den Glauben ein Monopol bezüglich der moralischen Orientierung in der Welt. Ist das nicht gefährlich? Ist nicht dieses Moralverständnis wie jeder andere Rassismus ein Exklusivitätskonstrukt? Ein Gesinnungsrassismus: Wer nicht so wie wir glaubt und nicht an uns glaubt, kann Moral in ihrem höchsten Sinne vergessen?</p>
<p style="text-align:justify;">&#8216;Die Kirche darf sich nicht verweltlichen, darf sich nicht der Welt anpassen&#8217;, so ähnlich sagte es der Papst und diagnostizierte eine Tendenz, dass die Kirche keine gute Figur bei der Jagd hinter dem Zeitgeist her mache und dass der einzige Ausweg der Glauben sei. Ja, sag ich da nur, fangt endlich an zu glauben, aber fangt nicht an das zu glauben, was anderen wollen, fangt nicht an zu glauben, wie andere es von euch erwarten um in euch ihren Einfluss sichtbar werden zu lassen. Wenn ihr enttäuscht seid, kehrt der Kirche den Rücken und fangt dann an wirklich zu glauben: zeitgenössisch, selbstbestimmt, aufrichtig, keine Organisation mit Alleinvertretungsanspruch kann eure eigene Motivation in euch und für euren Lebenskreis vertreten, wenn ihr sie nicht selber habt, wird selbst jeder konforme Glauben schal, so sehr er mit seinem Aufsichtspersonal dann auch auf Linie sein mag. Zeigt die Ferne zur Amtskirche eben indem ihr wirklich glaubt, wenn ihr glauben wollt. Ich glaube nicht, habe aber ein Bedürfnis nach Transzendenz und Spiritualität und möchte das nicht desavouieren lassen nur weil ich aus Gründen der Bevormundungsmüdigkeit darauf verzichte, mein respektables Spiritualitätsbedürfnis in einer Amtskirche kanalisieren und für deren Zwecke in den Sack stecken zu lassen. Der Glaube ist nicht deshalb auf dem Rückzug nur weil eine überholte Amtskirche nominell schrumpft. Gerade der Reformstau macht eines deutlich: Was zählt ist NUR der Glaube, aber wir dürfen den Glauben an Gott nicht verwechseln mit dem Glauben an die institutionalisierte Amtskirche. Nirgendwo steht in der Bibel: Du sollst an den Vatikan und sein Personal glauben, oder: Du sollst dem Vatikan und seinem Personal glauben. Selbst bei dem authentischsten Glauben muss der Vatikan völlig außen vor bleiben dürfen ohne dass an dem Glauben zu zweifeln Grund bestünde, selbst externe Zweifel am Glauben müssen völlig ohne Effekt auf den Gläubigen sein, dann erst sind wir Menschen als Gattung frei.</p>
<p style="text-align:justify;">So jetzt habe ich keine Lust mehr. Klar dass bornierte alte Männer meine Intervention heraufbeschwören, aber nicht nur meine, sondern die vieler Menschen mit Hang zur Genauigkeit. Die Reden des Papstes in Deutschland sind trotzdem legitim als das, was sie waren und auch bleiben sollten: die besonders christliche Menschen beruhigenden Reden voller Glaubensgewissheiten aber ohne praktischen Nutzen und ohne sonderlichen philosophischen Wert. Die Rede vor dem Bundestag war zudem aber auch eine polemische Rede gegen unser wissenschaftliches Fundament. Eine Rede mit Falltüren für positivistisch vereinseitigend auf das &#8216;Selbstmachen&#8217; des Menschen blickende Claquere, die sich zum Beklatschen ihrer Selbstboykottierung hinreißen ließen, weil sie die Strategien nicht durchschauen, Falltüren die wohlgemerkt erst durch den bloß emblematischen und ungenauen Charakter von Benedikts Begriffen entstanden, den er entweder nicht durchschaut, oder bei dem er, wenn er ihn durchschaut, auf eine beschämend offensive Weise mit der Dummheit seines Publikums kalkuliert &#8211; beides ist ihm und uns nicht zu wünschen, selbst wenn wahrscheinlich eins von beidem zutrifft. Und der Besuch war Gelegenheit für einen alten Mann uns mit seinem Privatglauben öffentlich zu behelligen, weil er sein öffentliches Amt nur bekleidet um seiner privaten Glaubensstärke willen, Glückwunsch, aber was bitte schön hat das mit uns zu tun? Wer jetzt noch nicht genügend infiltriert ist, mag sich auch über das Rahmenprogramm der vier Tage hinaus für den Katholizismus interessieren, in der Gesellschaft meiner Träume steht das jedem frei. Benedikt soll ja sogar auf die harte Wirklichkeit  in Form von Opfern des Missbrauchs durch katholische Geistliche getroffen sein, in aller Stille und Heimlichkeit versteht sich, Stille die eigentlich jedem Privatglauben zu eigen sein sollte: Glauben darf keine Botschaft sein, die öffentliche Infiltrierung verlangt, Glauben kann man nicht wirklich predigen, denn dadurch macht man ihn mittelbar und beraubt ihn der Dimension, die er nur durch Unmittelbarkeit haben kann, Unmittelbarkeit aber kann man durch Vermittlung nicht simulieren oder herstellen oder erzwingen, so ähnlich sagte es schon Adorno. Der Hinterzimmertreff mit Missbrauchten war ein Willkommensruf in der missbrauchten Realität mit dem bestechenden Charme ihrer realistischen, sozusagen positiv-faktischen Breitseite, in aller Stille versteht sich, in aller Absenz von Aufsehen versteht sich, nur ein Seitenarm des Besuchsprogramms, aber ich wünsche mir, dass dieser Arm in Benedikts irdisches Bewusstsein reicht, dauerhaft. Ob allerdings Benedikt nach diesem Besuch dann daran &#8216;glauben&#8217; mag, dass es so was wie Missbrauch in seiner Organisation wirklich gegeben hat oder nicht, bleibt letztendlich seine Privatsache, in Haftung genommen werden muss er dafür als öffentliche Amtsperson, als Staatsoberhaupt erstrecht. Wenn er genau darüber öffentlich nicht spricht, dann ist das mindestens noch scheinheilig, vermutlich aber sogar schlimmer als das, glauben Sie&#8217;s mir.</p>
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		<title>Bald kommt das neue Semester</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Sep 2011 09:31:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carloihde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Unnötige Aufregung]]></category>
		<category><![CDATA[Ersti]]></category>
		<category><![CDATA[Fiktion]]></category>
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		<category><![CDATA[Semester]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

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		<description><![CDATA[Und ich möchte daher hier einen Ausschnitt aus meinem Roman, an dem ich derzeit arbeite (Stand aktuell: 160 Seiten fertig), zur Verfügung stellen, in welchem sich der Protagonist mit diesem Thema gedanklich auseinander setzt: also mit Erstis an einer im Roman namenlosen Universität. Behelfsbelehrung: Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Universitäten sind rein zufällig. &#8222;Am schlimmsten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=390&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und ich möchte daher hier einen Ausschnitt aus meinem Roman, an dem ich derzeit arbeite (Stand aktuell: 160 Seiten fertig), zur Verfügung stellen, in welchem sich der Protagonist mit diesem Thema gedanklich auseinander setzt: also mit Erstis an einer im Roman namenlosen Universität. Behelfsbelehrung: Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Universitäten sind rein zufällig.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>&#8222;Am schlimmsten an den Erstsemesterstudenten, die, genauso turnusmäßig wie das Laub Anfang Oktober gelb wurde, in eben diesem herrlich herbstlichen Zeitfenster von Ende September an die Stadt und sämtliche universitären Einrichtungen mit ihrer fragenreichen Orientierungslosigkeit überfielen wie ein Schwarm netter, aufgeschlossener und aufgrund der strukturellen Probleme galgenhumoriger aber entschlossener Heuschrecken, war eben dies, was ihr Charakter zu sein schien. Viele glaubten, die Universität, in der sie zumindest körperlich nun schon mal anwesend waren, verteile Freiheit und adulte Gewissheit mit dem ganz großen Löffel. Für viele würde die Ankunft daher Scheitern bedeuten, und der ohnehin schon vor der universitären Laufbahn erwachsene Anteil an ihnen würde ohne Probleme sich einfinden, und später das Gefühl gewinnen, dass es ihnen leichter fiel als anderen, denen es durch das System künstlich schwer gemacht wurde, und daher etwas zurückgeben zu müssen in Form eines Engagements in den demokratisch gewählten studentischen Gremien, in den Fachschaftsräten, in der Fachschaftsrätekonferenz, in der studentischen</strong><br />
<strong>Lehramtskonferenz, im Studierendenparlament, im allgemeinen Studierendenausschuss oder sonstwo. Das schlimmste an den sogenannten Erstis war diese kompromisslose Bereitschaft, sich notfalls gegen alle erdenkbaren Verluste den Raum &#8222;Universität&#8220; zu erobern, notfalls die Universität als Verunmöglichungsstruktur ihres eigenen Auftrags mit den ihr eigenen Mitteln zu schlagen und sie ihrer Schmach zu vergewissern, daran ganz allein schuld zu sein. Erstis hatten dieses teuflische Augenzwinkern, das ich sehr genau zu lesen verstand. Weil ich aber fürchtete, da ich mich mit der</strong><br />
<strong>Institution gemein gemacht hatte, dass das an meine eigene Substanz gehen könnte, deswegen war ich nicht gut auf Erstis zu sprechen. Ich mied sie wie der Teufel das Weihwasser. Wenn eine Gruppe von Erstis einen mit ersti-bezüglichen Informationen gepflasterten Raum der Uni betrat und in aller aufgeregten Ausführlichkeit über schmerzlich peinliche Selbstverständlichkeiten fabulierte, und jeder dem anderen immer noch etwas mehr mitzuteilen haben wollte, musste ich den Raum verlassen. Das ging nicht an, dass man die da so tun ließ, als seien sie alte Hasen. Warum ging das nicht? Ganz klar. Nicht, weil dieses Gehabe des Bescheidwissens per se doof war, sondern weil ich mir vorstellte, genauso bescheuert gewesen zu sein. Und ob ich nun so war oder nicht, meine schmerzhaft peinliche Erstihaftigkeit wird sich vor ein paar Jahren für einen älteren Studenten von meinem Schlage, der es genauso ungenau nahm wie ich gerade, genauso dargestellt haben. Natürlich müsste ich diesem fiktiven Studenten unterstellen, Unrecht mit seiner Unterstellung gehabt zu haben, was er aber nicht hatte. Lieber nicht zu weit gehen mit den Spekulationen. Die </strong><strong>neuen Erstis sind doof, ja sozusagen so flach wie Erstis es kaum waren. Noch nie war es so schlimm wie diesmal, oder jedesmal oder so. Fragezeichen. Und dieses &#8222;noch nie&#8220; erlebt sich jedes Jahr wie neu für immer jemand anderen von meinem Schlage, der es vorzieht, es bei anderen immer genauer zu nehmen als je bei sich selbst.&#8220;</strong></p>
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		<title>Tottenham hat keinen &#8222;Frühling&#8220;</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Aug 2011 10:09:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carloihde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Umgehend reagiert]]></category>
		<category><![CDATA[Unnötige Aufregung]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Birmingham]]></category>
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		<description><![CDATA[Was in London und anderswo gerade passiert, wundert mich, und gleichzeitig wundert es mich nicht. Wenn ich als Randalierer auf die Straße gehe und Scheiben einschlage und Autos anzünde, und am nächsten Tag sehe ich meine Auswirkungen im Fernsehen auf allen Kanälen und höre Stimmen von Politikern, die meinen Ausbruch wohlwollend als größere soziale Schieflage [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=375&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Was in London und anderswo gerade passiert, wundert mich, und gleichzeitig wundert es mich nicht. Wenn ich als Randalierer auf die Straße gehe und Scheiben einschlage und Autos anzünde, und am nächsten Tag sehe ich meine Auswirkungen im Fernsehen auf allen Kanälen und höre Stimmen von Politikern, die meinen Ausbruch wohlwollend als größere soziale Schieflage dimensionieren, die sich im Windschatten des Politiker-Desinteresses der letzten Jahrzehnte hat entwickeln können, dann hab ich das Gefühl an der Spitze von irgendetwas zu stehen &#8211; nenne mich wahlweise &#8216;Bewegung&#8217; oder &#8216;Frühling&#8217; um mich mit dem Unvergleichlichen zu vergleichen, bei dem jeder sofort weiß, dass es ums große Ganze geht &#8211; dann sehe ich mich nur einen gerechten Steinwurf davon entfernt, ein sozialer Ankläger und Mahner zu sein und also: werfe ich. Gerecht folgend einem eigen gesetzten Maß von Gerechtigkeit. Werfe mich in einen Moment, in welchem ich mir eine neue Zukunft zu erwerfen hoffe, nachdem ich schon keine alte hatte. Und wenn ich den zweiten Tag in Folge sehe, dass mir besonders dort, wo ich in einem großen unübersichtlichen Mob auftrete, kaum jemand wird nachweisen können, dass ich getan habe, was im Denkstil derjenigen, die mich fahrlässig vernachlässigten, immer noch eine Straftat ist: dann werfe ich weiter. Jetzt bloß das Feuer am Brennen halten, denken manche, jetzt bloß die geschuldete Aufmerksamkeit nicht abebben lassen, denken manche, jetzt bloß starke Statements gegen die politische Kaste äußern, die sich zu sehr in den Mittelstand verguckt hatte um noch Augen zu haben für die Ränder, denken manche. Und diese Manchen schmeißen die Scheiben in ihrem Viertel ein, schmeißen die Scheiben ein von Einzelhandelsläden, die von Bewohnern ihres Viertels betrieben werden, und plündern die Läden in ihrem Viertel. Mit bloßer Sachbeschädigung hat sich niemand dauerhaft politisch hörbar gemacht, bloße Sachbeschädigung und Krawall haben noch nie Argumente gehabt, bloßes Anhängen von eilig per Facebook herbei-konferenzierten Krawalljugendlichen aus den Vierteln, wo es besser zugeht aber die Rebellion noch undenkbarer, da man in behüteten Zuständen dankbar zu sein hat, hat immer Menschen mit ins Boot des Mobs geholt, die nicht dieselben Ziele hatten, die gar keine hatten außer dem Erlebnis, die schnell wieder weg waren, besonders wenn&#8217;s ans Aufräumen ging. Ein Frühling für Einwanderer, ein Frühling für die unteren Schichten hätte anders auszusehen. So erreicht man die Welt nur medial, fickt sie ins Auge aber lässt das Sehnsuchtsorgan unbefriedigt, kratzt an der Oberfläche, schürft flach und ändert nichts. Der Aufruhe in Tottenham erinnert niemanden an was Gutes, schon gar nicht an ein längst fälliges soziales Aufbegehren der Unterdrückten &#8211; da das Viertel ohnehin ein Gewaltproblem habe, da die Armut dort nunmal so groß sei und so weiter: Tottenhams Ruf verhindert, dass man in diesen Krawallen etwas von grundsätzlich neuer Qualität erkennt: Gewalt gab es in Tottenham schon lange so, und meist richtete sie sich gegen die vor Ort seienden und das ist jetzt nicht anders. Die Gewaltspirale zu durchbrechen, hätte geheißen, gegen das auf die Straße zu gehen, was in Tottenham lange schon gewaltsame Realität ist: und diese Realität kommt nicht primär von außen. Das hat man dort nicht realisiert. Mit Gewalt wird aufmerksam gemacht auf den auch durch offen fortgesetzte Gewalt gesunkenen Lebenswert des Viertels, protestiert wird dabei nie gegen die eigene gute, immer nur gegen die fremde schlechte Gewalt, so unklar auch ihr Einfluss ist. Da kann die selbst mitgeschaffene Stimmung auf dem Kiez so unerträglich werden, dass man selbst gegen sie mit Gewalt auf die Straße zieht, weil einem undenkbar geworden ist, man könnte ursächlich etwas mit den destruktiven Prinzipien zu tun haben, die man fortsetzt weil man sie ja so satt habe. Warum werden Geschäfte geplündert und Geldautomaten aufgebrochen?</p>
<p style="text-align:justify;">Im Schatten des Aufruhrs lässt es sich bedenkenloser bedienen an dem, von dem man meint, es stünde einem sowieso zu, genommen werden aber muss es immer noch mit Gewalt, allein um das Nehmen zu einem bedeutsamen Akt zu machen, dessen Sprache man an den richtig addressierten Orten schon verstehen werde. Tottenham muss sich jetzt rühmen, der Ausgangspunkt zu sein, von dem aus sich in andere Stadtteile, Städte und Regionen Groß Britanniens Proteste hin ausbreiten, die sich auf Tottenham berufen können ohne noch das Feigenblatt Tottenhams, dass es ursprünglich um den Tod eines Menschen ging, nötig zu haben. Nein andernorts, wo offensichtlich lange auf einen noch so geringen nachahmenswerten Anlass gewartet wurde, braucht man schon keine Argumente mehr. Deswegen wird es dort auch schlimmer werden. Bis die Schulferien vorbei sind, bis dahin muss alles passiert sein, was sich unterforderte Insulaner vorstellen können. So dünn kann das Eis gar nicht sein, dass nicht trotzdem noch einige drauf wollen, die für ihren erwartbaren Einbruch den mangelhaften Winter verantwortlich halten wollen. So viel Infantilität wird die Welt immer bereit halten, dass sich diese Motivlagen auch durch alles durchhalten, was zu einem Aufbegehren von grundsätzlicher neuer Qualität hochgeredet werden muss um sich gut anzufühlen. Aber eines glaub ich: Tottenham hätte eine ganz andere Form von Frühling nötig, damit die Sonne immer dauerhafter für immer mehr Menschen auch dort scheint. Ein Rezept habe ich derweil nicht, aber war das nicht zu erwarten?</p>
<p style="text-align:justify;">Während es in London am Abend des 09.08. durch das massive Polizeiaufgebot schon wieder ruhig war, wurden in Birmingham drei Männer überfahren, und damit ist nun endgültig alles vorbei: In den Nachrichtensendungen bemühten sich gestern die Korrespondenten &#8211; nahzu unisono sagten sie dies immer wieder &#8211; die Vorfälle nicht zu &#8216;entschuldigen&#8217; aber sie durch einen Blick auf die Lebenswirklichkeit der sogenannten &#8216;Lost-Generation&#8217; doch wenigstens etwas zu &#8216;erklären&#8217;: Da hört der Spaß auf. Seit wann bitte schön schwingt nicht in einer Erklärung immer auch ein Stück Rechtfertigung, so als wäre menschliches Verhalten eine tierische Reiz-Reaktionskette und da habe man ab einer bestimmten Sachlage nunmal keine Freiheit mehr, sich zu so einem oder so einem Verhalten wahlweise zu entscheiden. Nein, da wird für mich kein Schuh draus: Wir haben die Wahl ob wir kriminell werden oder nicht, wir haben die Wahl ob wir den Stein werfen oder nicht, und eine Erläuterung, die zwar nicht &#8216;entschuldigen&#8217;, wohl aber &#8216;erklären&#8217; will, stellt uns als unfreie Opfer des Milieus dar, die der Situation geschuldete Zwangshandlungen ausführen. Ich will mir den fahrlässigen, vermeidbaren Tod dreier Menschen nicht einmal ansatzweise erklären lassen müssen. Nein, solange wir die Wahl haben, welchen Entwurf wir wählen, bleibt der Steinwurf der freie Entschluss zur Schuldigkeit und Unentschuldbarkeit. Wir müssen die Freiheit der Täter sehen, sonst bekommen wir ein Problem mit der Legitimation jeglicher Strafgesetzgebung, und sonst bekommen wir eine Problem mit dem, was für uns das Wesen &#8216;Mensch&#8217; generell ausmacht. Erklären sollte man der Welt nicht den Nährboden der Krawalle sondern die Freiheit der Menschen, erstens dem Milieu nicht mehr ausgeliefert zu sein sobald sie sich Bildung zumuten, und zweitens mit dem freiwilligen Steinwurf eine vermeidbarer Antwort auf eine gesamtgesellschaftliche Frage gegeben zu haben, die sie nicht an sich selbst ran lassen wollen und sie daher mit Protest bis zur Unhörbarkeit überschreien. Ich aber glaube an Freiheit und muss es auch tun um es auch bei dem Steinewerfer mit einem freien Individuum zu tub zu haben. An die Freiheit des Menschen zur Wahl muss man leider &#8211; mit Blick auf die gleichtönenden Einordnung des Geschehens durch Korrespondenten &#8211; anscheinend &#8216;glauben&#8217;. Und wer Kriminalität wählt, muss die aktiv daran gekoppelten Effekte, die im Interesse des bürgerlichen Friedens ausgerufen sind, akzeptieren.</p>
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		<title>Alle Welt schaut auf Menschen, die auf Ai Weiwei schauen und wie sie auf Ai Weiwei schauen</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 13:13:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carloihde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Umgehend reagiert]]></category>
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		<description><![CDATA[Und da ist mir ein Umweg zu viel drin. Ich beobachte es mit Missfallen, wie sich eine mediale Kulturschickeria an der Unterdrückung Ai Weiweis moralisch gesundstoßen will. Der Verlag Galiani wird die Texte aus Weiweis Blog von 2009 drucken, in New York sind sie meines Wissens nach schon im Druck, überall gibt es &#8211; im [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=371&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Und da ist mir ein Umweg zu viel drin. Ich beobachte es mit Missfallen, wie sich eine mediale Kulturschickeria an der Unterdrückung Ai Weiweis moralisch gesundstoßen will. Der Verlag Galiani wird die Texte aus Weiweis Blog von 2009 drucken, in New York sind sie meines Wissens nach schon im Druck, überall gibt es &#8211; im Rahmen des Chinesischen Staatsbesuches aber natürlich auch unabhängig davon und generell und natürlich nachhaltig und sowieso - Lesungen mit berühmten Leuten, die Texte von Ai lesen, da werden natürlich nur die besten Texte gelesen, die Klassiker, die mit den schönen Stellen, an denen es uns Teilnehmer bürgerlicher Sitzveranstaltungen kalt durchkribbelt ob solcher staatlich-repressiven Ignoranz. Aber was wollen wir mit Lesungen von Texten Ai&#8217;s in Deutschland? Sind wir etwa doch diejenigen, denen man noch beibringen muss, dass diesem Menschen und vielen anderen Unrecht geschieht, weil sie frei sagen wollen, was man in einem System über das System sagen kann und muss, das ja doch alles andere als perfekt ist?</p>
<p align="justify">Kann bei dieser medialen Dauerpräsenz noch ein einziger Deutscher behaupten, nicht mitbekommen zu haben, dass die &#8216;chinesische Lösung&#8217; (seit 1989) bedeutet, dass immer der Einzelnen für das pervertierte Ganze geopfert wird, oder warum füllen wir die Säle bei den Selbstgefälligkeitsveranstaltungen der deutschen Theater- und Literaturprominenz? Jeder will dabei sein, wenn bei historischen Leseanlässen die Häuser voll werden. Ein Event für die Geschichtsbücher. Ich sags Ihnen: Wenn das unsere Antwort ist, dann sind wir ganz schön hilflos. Ja, hilflos, ohnmächtig, klein, und auf eine ganz scheinheilige Art und Weise auch noch zufrieden damit. Zufrieden mit der Selbstgerechtigkeit, die dort zu unreflektierter Redundanz führt, wo wir erst behauptet hatten, wir wüssten genügend bescheid, und dann doch die ganzen Lesungen abhalten, so als müssten wir erst noch bekannt machen, wie der Hase läuft. Solidarität nennen wir dann unsere Schizophrenie. Auf eine ganz vordergründige Weise aber bleibt diese Solidarität eine Geschäftemacherei mit der Unfreiheit, der wir nichts entgegen zu setzen haben.</p>
<p>Geht es darum, dass wir das hören? Wohin sollen wir mit unserem Engagement, nachdem wir das gehört haben? Sollen wir die Kanzlerin unter Druck setzen, damit sie kritische Bemerkungen zu Wen Jiabao macht, die dann doch wieder an ihm abprallen müssen, weil er aus seiner Position der wirtschaftlichen Prosperität gerade seine Bedeutung für die Rettung der schwächelnden EU unterstrichen hat in einer Sprache, die wir nur zu gut verstehen? Wer würde schon an einen der nötigen Retter weiche Forderungen zu nachrangigen Themen im nachdrücklichen Tonfall stellen? Das weltgrößte Außenhandelsvolumen Chinas wird Ai Weiwei weit überleben, und noch ist unklar, welche Rolle China bei der Abwicklung seines unbequemen Einwohners spielen wird, welchen infantilen Vorwand China finden wird. Immerhin untergräbt China mit seinem Glauben, einen Vorwand finden zu müssen, seine quasi-diktatorische Souveränität, die auch ohne Vorwand ganz gut auskommen könnte, denn Vorwürfe sollen immerhin die Motivation des Verfahrens transparent machen: Transparenz, was für ein Hohn. Und was für einen Hohn leisten wir uns? Das ist die Frage. Solange die nicht beantwortet ist, sind unsere Lesungen vor vollen Häusern nur Antworten auf ungefragte Fragen, deren Motivation unser Bedürfnis nach Teilhabe an starken Schicksalen ist, die uns selbst verwehrt bleiben, weil wir quasi alles dürfen. Da interessiert uns Ai Weiwei doch nur peripher. Und das wird man doch wohl noch scheinheilig finden dürfen, man muss das in unserer Gesellschaft laut aussprechen dürfen, dass das scheinheilig ist, denn immerhin macht man darin sein universelles Recht auf Meinungsfreiheit geltend, das Ai Weiwei verwehrt bleibt und das wir ihm auch nicht geben können.</p>
<br /> Tagged: <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/ai-weiwei/'>Ai Weiwei</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/china/'>China</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/gewalt/'>Gewalt</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/herta-muller/'>Herta Müller</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/kanzlerin/'>Kanzlerin</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/lesung/'>Lesung</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/medien/'>Medien</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/schicksal/'>Schicksal</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/schizophrenie/'>Schizophrenie</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/system/'>System</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/unfreiheit/'>Unfreiheit</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/unrecht/'>Unrecht</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/unterdruckung/'>Unterdrückung</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/carloihde.wordpress.com/371/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/carloihde.wordpress.com/371/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/carloihde.wordpress.com/371/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/carloihde.wordpress.com/371/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/carloihde.wordpress.com/371/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/carloihde.wordpress.com/371/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/carloihde.wordpress.com/371/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/carloihde.wordpress.com/371/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/carloihde.wordpress.com/371/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/carloihde.wordpress.com/371/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/carloihde.wordpress.com/371/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/carloihde.wordpress.com/371/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/carloihde.wordpress.com/371/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/carloihde.wordpress.com/371/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=371&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Kurzes Telefonat mit Mudder Schulten (das ich demnächst führen werde)</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 14:15:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carloihde</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Frage: Mudder Schulten, woher kommt denn Ihre Leidenschaft für Pferde? Mudder Schulten: Nojo, ich bin mit die Pferde groß gewordn, ich bin quasi von wo ich drei Jahre alt war an immer aufn Pferd gesessen, und wir hatten früher in unserer Wirtschaft immer Pferde, ne hatten wir immer, und da bin ich denn bei geblieben, nich. Weil [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=367&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frage: </strong>Mudder Schulten, woher kommt denn Ihre Leidenschaft für Pferde? <strong></strong></p>
<p><strong>Mudder Schulten: </strong>Nojo, ich bin mit die Pferde groß gewordn, ich bin quasi von wo ich drei Jahre alt war an immer aufn Pferd gesessen, und wir hatten früher in unserer Wirtschaft immer Pferde, ne hatten wir immer, und da bin ich denn bei geblieben, nich. Weil ich bin ja auch nicht wirklich erwachsen geworden, nur älter, und weil ich nie erwachsen geworden bin, musste ich festhalten an dieser Tradition mit die Pferde, die ich schon als Kind kannte, damit ich mich nicht völlig entwurzelt fühle. Jo, eigentlich hab ich darauf verzichtet, erwachsen zu werden, und deswegen mach ich alles jetzt genau so, wie wir das früher gemacht hatten, wie wo als ich noch ein kleines Kind war. Und wir hatten früher immer Pferde in unsere Wirtschaft.</p>
<p><strong>Frage: </strong>Mudder Schulten, Sie sind jetzt 64 Jahre alt, den Großteil davon, nämlich gefühlte 100 Jahre, haben sie auch innerlich auf dem Land verbracht. Kann ich davon ausgehen, dass ihre Leidenschaft für Pferde auch dazu führt, dass Pferde bei Ihnen in jedem zweiten Satz vorkommen, den Sie sagen?</p>
<p><strong>Mudder Schulten: </strong>Jo, das ist durchaus richtig meine Leidenschaft für Pferde führt dazu, dass das Wort &#8216;Pferde&#8217; in jedem zweiten Satz, manchmal sogar in jedem Satz vorkommt, jenachdem wo man die Punkte oder Kommas setzt, ich setz eher gar keine, weil ich war nie in der Schule. Es kann aber auch sein, dass Pferde nur in jedem dritten oder vierten Satz vorkommen, das hängt damit zusammen, wenn das eh schon klar ist, dass ich gerade über sie rede, brauch ich ja nicht in jedem zweiten Satz das Wort nochmal neu sagen, weil es ist ja klar, dass immer noch von Pferden die Rede ist. </p>
<p><strong>Frage: </strong>Mudder Schulten, man sagt ja, der Mensch wird dem Tier, mit dem er ständig Umgang hat immer ähnlicher, das lässt sich zum Beispiel bei Hundebesitzern gut nachweisen. Merken Sie da was von?</p>
<p><strong>Mudder Schulten: </strong>Nöhöhöhöhöh, nönöhh, nöhhh.</p>
<p><strong>Frage</strong>: Mudder Schulten, wie sieht Ihr Plan für die Zukunft aus?</p>
<p><strong>Mudder Schulten:</strong> Ich versteh nicht. Welche Zukunft?</p>
<p><strong>Aussage:</strong> Richtig Antwort. Vielen Dank für das Interview.</p>
<br /> Tagged: <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/mudder/'>Mudder</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/mudder-schulten/'>Mudder Schulten</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/pferde/'>Pferde</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/satire/'>Satire</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/schulten/'>Schulten</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/telefonat/'>Telefonat</a>, <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/tradition/'>Tradition</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/carloihde.wordpress.com/367/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/carloihde.wordpress.com/367/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/carloihde.wordpress.com/367/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/carloihde.wordpress.com/367/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/carloihde.wordpress.com/367/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/carloihde.wordpress.com/367/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/carloihde.wordpress.com/367/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/carloihde.wordpress.com/367/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/carloihde.wordpress.com/367/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/carloihde.wordpress.com/367/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/carloihde.wordpress.com/367/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/carloihde.wordpress.com/367/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/carloihde.wordpress.com/367/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/carloihde.wordpress.com/367/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=367&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Warum gibt es hier keine Literatur von Bedeutung?</title>
		<link>http://carloihde.wordpress.com/2011/03/23/warum-gibt-es-hier-keine-literatur-von-bedeutung/</link>
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		<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 14:09:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carloihde</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8222;Weitergehen und Weitermachen überhaupt wird zur Rechtfertigung für den blinden Fortbestand des Systems, ja für seine Unabänderlichkeit. Gesund ist, was sich wiederholt, der Kreislauf in Natur und Industrie. Ewig grinsen die gleichen Babys aus den Magazinen, [...]. Bei allem Fortschritt der Darstellungstechnik, der Regeln und Spezialitäten, bei allem zappelnden Betrieb bleibt das Brot, mit dem [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=360&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:right;"><strong><em>&#8222;Weitergehen und Weitermachen überhaupt wird zur Rechtfertigung für den blinden Fortbestand des Systems, ja für seine Unabänderlichkeit. Gesund ist, was sich wiederholt, der Kreislauf in Natur und Industrie. Ewig grinsen die gleichen Babys aus den Magazinen, [...]. Bei allem Fortschritt der Darstellungstechnik, der Regeln und Spezialitäten, bei allem zappelnden Betrieb bleibt das Brot, mit dem die Kulturindustrie die Menschen speist, der Stein der Stereotypie.&#8220; (Dialektik der Aufklärung 2004, 157)</em></strong></p>
<p><span style="color:#000000;"> </span></p>
<p style="text-align:justify;">Beim Lesen von Irina Liebmanns &#8216;Berlin&#8217;-Roman &#8222;Die freien Frauen&#8220; ist mir wieder eingefallen, warum Städte mir nur dann als symbolreiche Erlebniswelten und -strukturen vorkommen, wenn im bedeutsamen Ton in Texten von bleibendem Wert über sie geschrieben worden ist, sie beschrieben worden sind, sie fiktionalisierte Erlebnisstruktur geworden sind, die mit Protagonisten gefüllt ist, in denen sich die Stadt auch innerlich spiegelt, weshalb es mehr als Zufall ist, dass die Stadt diese und jene ist: Sie wird gebraucht, sie ist Figur, sie ist unabdingbarer Teil der Erzählung. Es gibt Städte, die haben eine Reihe guter Erzähler, schon rein mengenmäßig ist Berlin mit Erzählern so überausgestattet, dass in dem feinmaschigen Netz meiner aussiebenden Überlegungen dann mindestens ein paar Erzähler hängen bleiben, von denen ich bereitwillig sage: Wenn ich die Stadt verstehen wollte, hätte ich wenigstens die und die, an die ich mich halten kann und wenn das Gesicht der Stadt es schon nicht mehr verrät, aber ihre Geschichte könnte nicht ohne diesen und jenen Erzähler geschrieben werden, könnte nicht an zum Beispiel Irina Liebmann vorbei erzählt werden. Für mich steigert das auch den Erlebenswert einer Stadt: Eine Stadt, die im kollektiven Gedächtnis prominent sein kann, ist eine beschriebene, eine, aus der Geschichten kommen, die man für wert hielt sie aufzuschreiben, zu tradieren, denen man zutraut, dass sie Auskunftgeber ihrer Epoche, ihrer Zeit und sonst noch was sind. Lebenswert scheint mir eine Stadt zunehmend zu sein im Grade ihrer Präsenz in Literatur, die von bleibendem Wert ist. Sowas fehlt hier: Es fehlt für Rostock, es fehlt für Schwerin, sicher gibt es Texte, die mit diesen Städten arbeiten, aber meistens im Sinne einer Leerstelle im Geschehen, die fordert, mit einem Städtenamen aufgefüllt zu werden, den man auch weiter entfernt von hier noch richtig versteht als einen Namen für das Kleinliche, das NichtderRedewertSeiende, eben das Mecklenburgische. Es fehlt zwar nicht an Leuten, die schreiben, aber genau deswegen fehlt es nicht an Leuten, die schlecht schreiben und neben der bloßen Tatsache, dass sie nunmal in der Bedeutungslosigkeit namens &#8222;Rostock&#8220; oder &#8222;Schwerin&#8220; schreiben, kaum eine Idee davon haben, welchen Gegenwert andere Städte in derjenigen guten Literatur genießen, der sie den Raum des Stattfindens stellen. Es gibt hier im Norden kaum eine Literatur von Bedeutung.</p>
<p style="text-align:justify;">Gut wir hatten in 2010 immerhin drei Teilnehmer bei den Lesungen um den Ingeborg-Bachmann-Preis, die mehr oder weniger ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern stammen: Peter Wawerzinek, Judith Zander, Volker H. Altwasser. Der erste war der Abräumer des Jahres, mit einem teils sehr wehleidigen Roman über seine Kindheit in DDR-Heimen an der deutschen Ostseeküste. Die zweite mit einem Roman über die verschwiegene Gemeinschaft in einem fiktiven vorpommerschen Dorf, wo die Menschen innerlich dermaßen auf dem Land leben, dass es ihnen bald an Menschlichkeit gebricht. Und der dritte: Weiß ich nicht, Altwasser hat nichts gewonnen, ist untergegangen, in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, und mit dem musste ich mich mal vergleichen lassen. Ok, ich gebe zu, dass dieser Vergleich mich geehrt hatte, weil er mich mehr erhöhte als er Altwasser herabnötigte, jedoch glaube ich nicht daran, dass jemand nur aufgrund prinzipieller Vergleichbarkeiten das Anrecht darauf geschenkt bekommt, von einer Bachmann-Preis-Teilnahme auch nur zu träumen. Mögen Leute davon träumen, die die nötige Publikationsmasse in der Hinterhand haben. Mögen auch die davon träumen, die sich schon für ein Leben als freiberuflicher Schriftsteller entschieden haben, bevor sie überhaupt die Perspektive hatten, nicht an dessen Uneinträglichkeit sterben zu müssen. </p>
<p style="text-align:justify;">Die meisten, die hier in MV von weiter Welt träumen, wissen, dass sie hier falsch sind und leisten mit einer Literatur, die von der Ferne als von einem scharfen Gegensatz träumt (der er in einer globalisierten medial vernetzten Welt nicht mehr ist) im Endeffekt aber auch keinen Beitrag zur einer genuinen Literatur von hier, sondern sie würden das &#8222;hier&#8220; am liebsten tauschen gegen einen Ort, an dem es sich leichter eine Literatur machen ließe, wie sie einem vorschwebt, an dem sich aufgrund des prominenteren Ortsnamens vom Gefühl her leichter eine Literatur von Rang machen lässt, die bald auch einen Namen hätte. Und wenn es tatsächlich mal jemand versucht, klar, Sie wissen, wen ich meine, Sie wissen, dass ich mich meine, denn ich sage ja nicht, dass ich es geschafft hätte, ich sage ja nur, dass ich es versuche - und wenn das dann tatsächlich mal einer tut, der ich ist, dann kann man das nicht durchgehen lassen, dann haut man drauf, dann muss man mir Unfähigkeit unterstellen, nur weil meine Literatur nicht des Witzes entbehrt, und wenn man hier etwas gelernt haben müsste &#8211; und gelernt haben muss man etwas bevor man der Gegend eine Literatur zumuten darf &#8211; dann ja wohl das, dass es hier alles andere als lustig ist, und dass das so bleibt, dafür würden schon diejenigen sorgen, die höchstens am Ende aller Dinge die Gemütlichkeit herzugeben bereit wären, die alle daran hindert, eine Literatur von Geltung zu machen, nach der man sich hier noch vergebens sehnen muss.</p>
<p style="text-align:justify;">Sind unsere Region und ihre Städte so eigen, dass es bestimmte Sujets in Texten gerade unabdingbar machen, ihren Handlungsort im MV zu haben? Bei Uwe Johnson war das so. Bei Reuter auch. Nun: Reuter wird im Allgemeinen überschätzt, gottseidank nur hier bei uns, fragen sie mal am Bodensee jemanden, ob er den bedeutenden Mundartdichter Fritz Reuter kennt, da werden Sie aber komisch angeguckt. Und Ernst Jürgen Walberg vom NDR, so sehr ich ihn auch schätze, sagte dann auf einer Podiumsdiskussion am 1.3. in Schwerin zur Frage, ob Schwerin eine Literaturstadt sei: Es fehlt der Reuter des 21. Jahrhunderts. Das nenn ich mal eine steile These. Mir ist dadurch das Gefühl beschert, dass in eben dieser Äußerung implizit schon die ganze Misere zum Tragen kommt, denn: Wollen wir einen Mundartdichter? Wahrscheinlich nein, er brächte sich um einen Großteil potentiellen Publikums. Wollen wir einen nationalistisch denkenden Autor? Nein, nur das nicht, davon sind wir so fern wie irgendwas. Wollen wir einen regional verhafteten Autor? Nein eben nicht, sondern einen, mit dem wir auf größerem Parkett bestehen könnten. Wenn die Misere MVs in der Zielsicherheit besteht, mir der wir &#8211; auf der Suche der Identifizierung eines  positiven Autorkonzeptes &#8211; immer wieder ins 19. Jahrhundert auf Reuter (oder Rudolf Tarnow, John Brinckmann, Johannes Gillhoff) zurückgreifen, dann halte ich es für die letzte Ausfahrt aus dieser Einbahnstraße, nicht den Reuter des 21. Jahrhunderts zu suchen, sondern den &#8230; sagen wir: Thomas Bernhard von Mecklenburg-Vorpommern, also eher einen völlig neuen Typus Autor, den diese Landschaft ohne Nachdruck oder ohne Zuzug respektive Wegzug scheinbar nicht hervorbringen kann. Ok, so neu vielleicht auch nicht: Uwe Johnson etwa, oder wie ich neuerdings meine Judith Zander.</p>
<p style="text-align:justify;">Und gucken Sie sich den Artikel &#8216;Ist Schwerin eine Literaturstadt?&#8217; in der SVZ vom 3.3.2011, S. 15 an. Da wird das sogenannte Kultur-Streitgespräch über die Situation und die Chancen der Literatur in Schwerin verarbeitet. Und wer hatte an der Podiumsdiskussion über die Situation teilgenommen: die Bibliotheksleiterin, ein Buchhändler und ein Kulturjournalist. Wo waren die bedeutsamen Schriftsteller von hier, wo waren die Literatursoziologen, wo waren die Lesebühnenmacher und die Poetry-Slamer, wo waren die Liedermacher, Songpoeten und Feuilletonisten, die Bildergeschichtenerzähler und die Plattsnacker, die Provinz-Kriminalisten und schreibenden Gymnasiasten, die Mouth-Artists wie Beatboxer und der große Rest der Schar der freiwillig Kreativen? NIX. Die SVZ enthielt sich der Sicherung einer Diagnose, die sich anhand dieses Gespräches für viele wache Geister hätte treffen lassen müssen: Wenn wir einen Buchhändler, eine Bibliothekarin und einen Kulturjournalisten da hin setzen müssen, ist &#8211; so nett die auch sind &#8211; das schon Ausdruck der Misere und wir bestätigen sie und lichten sie weiter ab, je mehr wir über diesen Ablichtungsvorgang meinen, gegen die Misere anzugehen.</p>
<p style="text-align:justify;">Für Schwerin fallen mir kaum hier gebürtige Autoren ein: Norbert Bleisch (z.B.: Viertes Deutschland) aber wer kennt heute schon noch freiwillig den einstmals viel versprechenden und Autor, der selbst keinen Wert mehr auf das legt, was er mal gewesen ist und literarisch kein Erfolge mehr feiert, die sich für Schwerin im Sinne einer literarischen Identifikation nutzbar machen ließen. Als nächstes vielleicht Sonja Voß-Scharffenberg, ich finde ihre Texte sehr gut, aber so richtig geschafft hat die es auch nie, weil: die ist ja in Schwerin wohnen geblieben und leben geblieben, dann schafft man es leider nicht mehr. Oder eben Gregor Sander, der 2007 mal für den Deutschen Buchpreis nominiert war, aber der zog es ja, wie Judith Zander und Peter Wawerzinek, vor, dauerhaft nicht in MV zu leben. So richtig gut sind daher wahrscheinlich nur die, die diesen Entfremdungsschritt schaffen. Und dann gibt es bereits renommiert AutorInnen, die zeitweise in MV leben, die wir aber nicht produktiv für uns vereinnahmen können, etwa Christa Wolf oder Helga Schubert. Oliver Kluck, geboren in Bergen auf Rügen, und Anne Rabe geboren in Wismar, haben in den letzten Jahren beim Kleist-Förderpreis für junge Dramatik in Frankfurt/Oder abgeräumt, stehen meines Wissens aber mit beiden Beinen fest auf einem Boden, der nicht MV ist und es wahrscheinlich auch nicht werden wird.</p>
<p style="text-align:justify;">Oder man kommt von außerhalb und bringt etwas mit, dessen wir literarisch bedürfen. So geht es mir, wenn ich Texte der gebürtigen Heidelbergerin und Wahl-Greifswalderin Odile Endres lese, und der ursprünglich aus Berlin (Ost) gekommenen Miriam Navera. Für Rostock fallen mir derzeit wenige Autoren ein, deren Namen ich im Tonfall eines Lobes erwähnen würde, etwa Marianne Beese oder Anna Wolff, Lyrikerinnen allemal und damit aktiv in einem Genre, das ohnehin zur Unhörbarkeit verdammt ist: der Grenzfall poetischen Sprechens ist als Unterhaltung unpopulär geworden. Wir haben auch noch Uwe Schloen sowie die Wismarer Lesebühne WortReich u.a. mit Vera Doneck und Birgit Hölscher-Lohmeyer. Alles gute Leute.</p>
<p style="text-align:justify;">Dann haben wir in MV noch unseren Bachmann-Preisträger Uwe Saeger, der aber mal in einem Text äußerte (Fußnote: Ich weiß nicht mehr wo), dass die Gegenwart nicht mehr schmerzlich sei, klar: die Mauer ist die Perspektive solcher Sätze, und die einstmalige Anwesenheit der Mauer durch die Brille ihres Verlustes gesehen, mobilisiert hier vielleicht noch den Reflex, sich die schmerzhaften Beschränkungen der Mauer zu wünschen, weil sich in deren Schatten leichter das Gefühl bequemen ließ, auf bedeutsame Weise an einem repressiven Trauma zu arbeiten, und auch heute noch brauchen sie in einem Text nur das Wort &#8216;Mauer&#8217; zu schreiben, und schon bemerken Sie Schreibende, die beginnen, sich für Autoren zu halten und je länger sie schreiben vielleicht dabei enden, sich für Verfolgte des SED-Regimes zu halten. Aber ich kaufe den mir vorangehenden Generationen nicht zu so günstigen Konditionen ab, dass das Ende ihrer Schmerzen auch das der meinigen sein soll. Die Gegenwart schmerzt, indem sie uns in die Watte der Unbegrenztheit gepackt hat, der viele Menschen nicht mit bewussten Bewältigungskonzepten begegnen können und sich daher &#8211; vielleicht &#8211; doch lieber gegängelt sähen, weil dann die Schuldfrage eine Kollektivierung erlebte. Ich glaube nicht, dass sich Uwe Saeger die Gängelung wünscht, aber ich halte es für falsch, das Wegbrechen von Utopien zu akzeptieren. Dazu jetzt mehr:</p>
<p style="text-align:justify;">Günter Grass hat Schwerin als Schauplatz in seiner Novelle &#8216;Im Krebsgang&#8217; verwendet. Günter Grass sagte im Spiegel (33/2010), dass die junge Schriftstellergeneration zu unpolitisch sei. Das halte ich auf der einen Seite für ein Gerücht und finde auf der anderen Seite einen Teil von Wahrheit darin: Versuchen Sie heutzutage als literarischer Debütant mal einen analytisch scharfsinnigen politischen Roman bei einem Verlag unterzubringen. Da haben Sie aber schlechte Karten. Ich nehme mir die Freiheit, aus Grass&#8217; Erkenntnis besonders das Wort “zu” zu betonen. Denn die Kontrastfolie für diesen “zu“-Abgleich stellte er auch zur Verfügung: &#8216;Die junge Schriftstellergeneration solle nicht den Fehler der Weimarer Republik wiederholen und sich bloß aus rein privater Distanz schreibend erfahren wollen.&#8217; Nun gut, das Wort “wiederholen” trifft es nicht, weil die Umstände andere sind. Wir haben keine uns unmittelbar vorangegangene Erste-Weltkriegs-Etage von Lyrikern, die eben noch begeistert das Gewehr ergriffen haben, trotzdem aber nicht politisch waren, weil es sich bei ihrem Krieg um einen ästhetischen handelte. Wir sind keine Bewohner der Weimarer Republik, die nach dem Schock des Krieges auf keine verlässlichen Werte zur Entscheidung der Bejahung der Demokratie einerseits oder der Bejahung eines &#8216;Versailles&#8217; geschuldeten Nationalismus andererseits bauen konnte, und sich das Recht heraus nahm, nicht noch einmal zu früh die falsche Position zu ergreifen. Der Vorwurf des Unpolitischseins aber nimmt uns als Generation nicht ernst in unserer eigentlichen Differenziertheit. Und ernst genommen zu werden, hieße auch, dass Grass erkennt: Hier schreibt eine Generation, der man befohlen hatte, den Wegfall der letzten großen Utopien zu akzeptieren. Und für junge Leute geht’s oft nur entweder groß oder gar nicht. Verhandelt werden sollten diese Utopien also in Literatur nicht mehr. Diese Literatur bedient zwar weiterhin den anthropologisch relevanten Hunger nach Geschichten und Fiktionen, die aber unlustvoll würden, wenn sie einen realen Gegenwert haben müssten: Es träumt sich &#8211; dem Begriff des Traumes gemäß &#8211; schlecht, wenn nach dem Aufwachen die Konflikte real konsequenzhaft werden. Die Wachsamkeit der jüngeren Generation, der man genügend substantielle Vernunft gegenüber einer stumpfen Fehlerwiederholung zutrauen darf, ist aber &#8211; und vielleicht scheint Grass gerade das zeigen zu können &#8211; als Wert fraglich, wenn sie zu sehr entzaubert ist. Wenn Grass nun sagt, die junge Schriftsteller-Generation sei zu unpolitisch, dann sollte er, will er mehr als einen Gemeinplatz forciert haben, zu fragen haben, ob es nicht auch eine Wahrheit ist, dass die Zeit für eine vorlagenlose Literatur schlecht steht, dass ein sicherer Platz in einem zur Unübersichtlichkeit aufgeblasenen Literaturbetrieb nicht am besten über eine wachsame, literarische Verhaltenszuneigung zu einer arrivierten Vätergeneration zu erwerben ist, die nach Zeiten der Überpolitisierung jeglicher Kleinigkeit in den 60ern mit der nachholend usurpierenden Entpolitisierung schon in den 80ern angefangen hatte. Das ist in etwa die Generation, die jetzt auf den Zetteln der Darmstädter Akademie rangiert, das ist die Generation schreibender bürgerlicher Literaturwissenschaftler, das ist die Generation, die jetzt das Lehrpersonal am DLL stellt, das ist die Generation die auf Long- und Shortlists des Deutschen Buchpreises den literarisch gereiften Grundstock bilden.</p>
<p style="text-align:justify;">Mit einem erdrückend großen politischen Ambitus auf der hohen Kante wird man heute wenig reich, denn es lässt sich mit der Gewissensüberforderung des Lesers kein Blumentopf gewinnen, wenn der Lifestyle-Leser sich von Literatur keine Deklassifizierung seines bequemen alltäglichen Arrangements mehr erwartet, die ihn auf irgendwelche Bewusstseinsbildungsprozesse hin zustoßen vermag. Das verhindert sprachlich anstrengende, politisch zweifelnde, nachdenkliche, selbstkritische, autoritätskritische junge Literatur. Kein Verlag trägt freiwillig das Risiko, zusätzliche Autoren an sich zu binden, denen in Aussicht steht, dass von ihnen nur halbe 5000er-Auflagen weg gehen und der Rest zu Mängelexemplaren gestempelt werden muss, damit das Lager wieder frei wird für neue Druckerzeugnisse. Die richtigen Verlage tragen einen Betrieb, der dort auf künstlerische Risikovermeidung aus ist, wo es noch richtig um das große Geld bestellt ist, und der dort das Risiko ständig sucht und damit ebenfalls (nur im Namen seiner Aufwertung) entwertet, wo es um gar kein Geld geht, nämlich in den künstlerischen Nischen, deren ebenfalls realitätsferne Verdrängung von Rentabilitätserwägungen dem kritischen Blick schon genügender Beweis für irgendetwas sein wird, was das Gegenteil der Bestsellerlisten sein will, aber in Wirklichkeit strukturell das selbe bleiben muss durch das Aufeinanderbezogensein.</p>
<p style="text-align:justify;">Grass’ Wortmeldung sagt nichts neues und lässt es ihrem Duktus anmerken, dass man es ab einem bestimmten Level einfach nicht mehr genau nehmen <em>muss</em>. Wir können Herrn Grass nur applaudieren, dass er es mit dem Schreiben so weit gebracht hat, um das zu dürfen. Nicht wenige junge Leute nehmen sich, aufgrund gegenwärtiger Umstände, demgegenüber jedoch die Freiheit, mit ihrer Literatur nicht dasselbe vorzuhaben, ja gar nicht eine literarische Lebensleistung vom Schlage eines Günter Grass erstreben zu wollen. Das ist immer noch eine Frage der individuellen Poetologien, an die nicht die Aufforderung zur Angleichung an diejenige Grass&#8217; ergehen kann, wenn Pluralität denn ein Wert bleiben soll. Auch dafür hätte der Typus des gegenwärtigen Schriftstellers etwas mehr Verständnis verdient als dass er die ewigen Gemeinplätze als eine realitätsgerechte Beschreibung seines Denkens gelten lassen muss.</p>
<p style="text-align:justify;">Außerdem: Wie schlimm steht es um eine Gesellschaft, die ihr eigenes Bekenntnis &#8211; sie würde &#8216;starke Texte&#8217; lieben &#8211; darüber diagnostiziert, dass sie gerne z.B: die Band &#8216;Unheilig&#8217; hört? Sie merken: Das ist Ironie, ich halte die Texte von &#8216;Unheilig&#8217; nicht wirklich für stark. Durch das 19. Jahrhundert konnte man sich noch mit dem ständigen Auswerfen von Schiller-Sentenzen als gebildet durchmogeln, dieses Taktieren mit dem eigentlich Unverstandenen spiegelt sich meiner Meinung nach heute im handelsüblichen &#8216;Unheilig&#8217;-Fan, der erschreckende Schnittmengen zum Andrea-Berg-Fan und zum Rosenstolz-Fan aufweist. Wenn diese Künstler wirklich eine Art Lebensgefühl großer Kreise verkörpern, erschließt sich mir schlagartig, warum es in der Sache unserer heutigen Populärkultur selbst begründet ist, dass der Wunsch nach starken Texten umso mehr zum Phantasma wird, je mehr man glaubt, ihn zu verwirklichen.</p>
<p style="text-align:justify;">Und wenn Sie mich fragen, ob ich&#8217;s nich ne Nummer kleiner hätte, dann sage ich: Wer es ne Nummer kleiner haben will, hat keine Lust, über den Gegenstand Literatur auf der für diesen Gegenstand nötigen Höhe zu diskutieren: Die Kleinheitsforderung angesichts meiner Worte würde nicht nur konterkariert durch die Idee, hier sei ohnehin alles klein und unbedeutend, sondern sie boykottierte auch noch die Forderung nach einer echten Literatur, von der man sich Größe erwartet: gleichzeitig Größe und Augenhöhe zu fordern: das wäre ein Akt der Selbsterhöhung, mit dem man sich hier maßlos verheben würde, Sie verstehen? Wenn wir von Literatur Augenhöhe verlangen und zugleich Größe, dann tun wir so als wären wir der Größe gewachsen, der wir auf Augenhöhe begegnen wollen. Damit würde sich der Mecklenburger maßlos überschätzen, und zwar so was von maßlos.</p>
<p style="text-align:justify;">J&#8217;ai fini.</p>
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		<title>Mal wieder auf Andy Kaufman gestoßen</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 11:12:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carloihde</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das erste mal den Namen Andy Kaufmans gehört hatte ich durch die Schriftstellerin Heike Geißler. Kurze Zeit später sah ich dann zufällig im Fernsehen den Film &#8222;Der Mondmann&#8220; mit Jim Carrey. Spontane Faszination, auch wenn ich nicht immer mit allem etwas anfangen konnte, was mir übrigens bis heute so geht. Tagged: Andy Kaufman<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=351&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<p>Das erste mal den Namen Andy Kaufmans gehört hatte ich durch die Schriftstellerin Heike Geißler. Kurze Zeit später sah ich dann zufällig im Fernsehen den Film &#8222;Der Mondmann&#8220; mit Jim Carrey. Spontane Faszination, auch wenn ich nicht immer mit allem etwas anfangen konnte, was mir übrigens bis heute so geht.</p>
<br /> Tagged: <a href='http://carloihde.wordpress.com/tag/andy-kaufman/'>Andy Kaufman</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/carloihde.wordpress.com/351/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/carloihde.wordpress.com/351/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/carloihde.wordpress.com/351/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/carloihde.wordpress.com/351/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/carloihde.wordpress.com/351/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/carloihde.wordpress.com/351/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/carloihde.wordpress.com/351/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/carloihde.wordpress.com/351/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/carloihde.wordpress.com/351/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/carloihde.wordpress.com/351/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/carloihde.wordpress.com/351/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/carloihde.wordpress.com/351/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/carloihde.wordpress.com/351/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/carloihde.wordpress.com/351/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=351&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Wenn uns Japan nichts sagt, sind wir die Verlierer</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 14:05:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carloihde</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer im Laufe des vergangenen Wochenendes die zahlreichen Interviews verglichen hat, die BM Norbert Röttgen (CDU) für diverse Sondersendungen der Hauptnachrichten gab, hat einen Minister erlebt, der es partout vermeiden wollte, eine Diskussion zu führen, die er bei gegenwärtiger Sachlage nur verlieren kann, und wer Röttgens Mimik genau studierte, hat erlebt, wie sich diese Schizophrenie [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=carloihde.wordpress.com&amp;blog=8357184&amp;post=346&amp;subd=carloihde&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Wer im Laufe des vergangenen Wochenendes die zahlreichen Interviews verglichen hat, die BM Norbert Röttgen (CDU) für diverse Sondersendungen der Hauptnachrichten gab, hat einen Minister erlebt, der es partout vermeiden wollte, eine Diskussion zu führen, die er bei gegenwärtiger Sachlage nur verlieren kann, und wer Röttgens Mimik genau studierte, hat erlebt, wie sich diese Schizophrenie auch körperlich abbildet: und zwar in der Dünnhäutigkeit. Stellen Sie sich vor, sie sind Schafzüchter und argumentieren implizit für die Existenz eines Wolfes, weil sie aus vorgeschobenen Gründen der Pietät eben nicht über die Existenz des Wolfes reden wollen in dem Moment, wo sein Eintreffen akut ist und zunächst der vielen gerissenen Schafe gedacht werden müsse. Stellen Sie sich vor, sie argumentieren &#8211; auch politisch höchst selbstzerstörerisch &#8211; auf eine schizophrene Weise, indem sie vermeiden wollen, dass das akute und medial dauerverarbeitete Menetekel der Unbeherrschbarkeit der Atomtechnik auch nur ansatzweise mit atomarer Technik hier vor Ort in Verbindung gebracht wird: Was glauben Sie denn? Glauben Sie denn ernsthaft, dass sich durch das Heraushalten gewisser Gesprächsgegenstände Ihre Souveränität im Diskurs erweist? Nein: Man wird Ihnen ansehen, dass Sie zu den brennendsten Dingen schweigen. Ja glauben Sie denn, dass man durch Ihr Schweigen nachhaltig vergessen könnte, dass die Deutschen Atommeiler genauso alt sind wie Fukushima? Und glauben Sie, dass man dadurch vergisst, dass Fukushima in wenigen Wochen abgeschaltet werden sollte, und dass im Jahr 2011 auch die ersten deutschen Meiler gleichen Alters vom Netz genommen werden sollten? Den Ausstieg vom Ausstieg verkaufen Sie, Herr Röttgen &#8211; kraft der Machtlosigkeit, wie Ihre Rolle Ihre Stimme und Ihre Meinungsmacht im Kabinett Merkel zunehmend charakterisiert werden muss &#8211; uns in der Rolle des Schäfers, der dem Wolf das Gatter öffnet, ihn ein paar Schafe reißen lässt und hinterher zunächst geordnete Hilfe und Trauer organisiert und diese Zeit bitte nach Möglichkeit freigehalten sehen möchte von aller inhaltlichen Nacharbeit an pro und contra der Erscheinung &#8216;Wolf&#8217;. Und in diesen Momenten, in denen Ihnen das Fernsehen dabei zuschaute und auf den Zahn fühlte, erlebte ich einen Minister, dessen Glaubwürdigkeitskern schon lange gespalten ist und langsam zerfällt, und wenn dann die Oberlippe auffällig zuckt, dann verabschieden Sie sich selbst von Ihren Worten, Ihrem Gewissen und Ihrer Eigenständigkeit als Minister für Ihren ureigensten Verantwortungsbereich. Als Schäfer in meiner bildlichen Lesart arbeiten Sie an der Abschaffung Ihrer Grundlage und ich glaube nicht, dass Sie ernsthaft glauben können, dazu beauftragt zu sein, und: das hieße auch, das eigene Schäferhandwerk schlecht verstanden zu haben.</p>
<p style="text-align:justify;">Einen Tag später reagierte Merkel und kündigte eine Überprüfung der Sicherheitsstandards der deutschen AKWs an: Was für eine hohle Ankündigung. Das sah doch der neue Atomkompromis ohnehin schon vor, Laufzeitenübertragungen sollten doch eher auf die sicheren Meiler erfolgen, die Energiemonopolisten sollten doch für die verlängerten Laufzeiten auch massiv in die Sicherheitsstandards investieren. Eine entfernt stattfindende Katastrophe verändert die Argumente. Wenn aber die jetzt zulässigen Argumente ernsthaft an der Sicherheit deutscher Meiler zweilen lässt, sollten wir uns fragen, ob wir mit Politikern zufrieden sein können, die uns im vergangenen Jahr mit offensichtlich sehr dürftigen Argumenten den Ausstieg vom Ausstieg zugemutet haben.</p>
<p style="text-align:justify;">Mittlerweile überlegen islamistische Terroristen schon, ob man nicht Deutschland am besten angreifen kann, indem man die Energieversorgung deutscher AKWs torpediert, ein leichtes Spiel wäre es ja, denn dass die Monopolisten lange Zeit auch die Netzbetreiber waren, führte doch dazu, dass sie den Ausbau der Netze verzögerten, weil das Profit verschlungen hätte. Und ein schlecht ausgebautes Netz ist störanfälliger. Da trennen sie mit einer Flex einen Strommast durch, und wenn die Versorgung ausfällt, kühlt der Reaktor nicht mehr, und ein Klumpen von Größe eines Lasters, der durch Zerfallsreaktionen Megawatt produziert, ist so konzentrierte Energie, dass der sich durch Nachzerfallshitze selbst Wochen nach der Abschaltung nötigenfalls durch massives Material frisst. Und irgendwann gibt es eine 30-Kilometer-Zone rund um Brunsbüttel, oder um Krümmel, oder eine Zone rund um Biblis oder Neckarwestheim und dort ist alles tot und die Politiker, deren Villa am Neckarufer stand, sind dann im Exil, vielleicht schreiben wir ein Jahr 2019 mit tausenden Strahlenopfern.</p>
<p style="text-align:justify;">Residuallastkraftwerke dieses Ausmaßes braucht der deutsche Strommarkt eigentlich nicht mehr. Die wenigen Prozentpunkte aus Atomenergie sind durch ein zu hohes Risiko erkauft, aber trotzdem unsere durchrationalisierte Groß-Ökonomie gerne auf solche Bilanzierungen schaut, hat sie das Risiko nicht als solches mit auf ihrem Zettel stehen, denn das wird nötigenfalls sozialisiert, also dem Steuerzahler überlassen. Risiko ist für die selbsternannten Global-Player nur ein hypothetischer Aspekt, da sie dieses ja nur im Stellvertretersinn eingehen, quasi für eine unsichtbare Hand als Auftraggeber und das sollen ja wir Kunden sein, auch wenn man uns nicht fragte, ob wir das sein wollen.</p>
<p style="text-align:justify;">Wenn wir uns von den Ereignissen in Japan nichts sagen lassen, dann sind wir es nicht mehr wert, von einer vergleichbaren Katastrophe verschont zu bleiben, dann ist uns die friedliche Nutzung der Kernenergie das Ausbleiben eines Störfalls moralisch nicht mehr schuldig, ja nochmals:</p>
<p style="text-align:justify;">Diese überkomplexe, gigantische und unbeherrschbare Technik ist es uns nicht im besonderen Maße schuldig, reibungslos zu funktionieren nur weil wir Deutsche sind, nur weil wir ein Hochtechnologieland sind, das sich schon lange nicht mehr über sein Primat von Dichtung und Denken definiert, sondern über sein Primat von Technik, Technizismus und mechanistisch-monokausalem Weltbild. Die Gewissheit, sowas passiere uns nicht, ist aus einem Graubereich gegriffen, in den wir nun nicht mehr bedenkenlos greifen können, und wenn aber diese unsere Bedenken keine Konsequenzen mehr haben, haben sie keinen Sinn, dann hat auch Denken keinen Sinn mehr, dann hat unsere Existenz keinen Sinn mehr. Wenn uns Japan keine Lehre ist, hat unsere Erschütterung, die wir haben werden, wenn einer unserer laufzeitverlängerten Meiler hochgeht, keine Berechtigung. Diese Berechtigung haben wir auch nicht mehr, wenn ein nicht-laufzeitverlängerter Meiler vor 2023 hochgeht. Nur zeitnah abschalten hat Sinn: und das um jeden Preis, denn diesen zahlen wir sowieso, weil wir immer schon gezahlt haben.</p>
<p style="text-align:justify;">Der überwertige Realismus der technikgläubigen Denke wird selbst irreal, wo es ihm heute so und morgen so beliebt, den Fakt des GAUs in Japan für die tagesaktuelle Diskussion in Deutschland wahlweise zu akzeptieren oder nicht und sich davon was für die Reaktorsicherheit im eigenen Land an Handlungsweisen empfehlen zu lassen oder nicht. Wer die Mimik von Norbert Röttgen studiert hatte, sah einen Mann, der kurz davor hätte sein müssen, sein Amt aufzugeben, ein Mann, der Journalisten in Pressekonferenzen zunehmend barsch zurück weist, denn die Frage nach Vereinbarung von Energie und Umwelt kann schon lange nicht mehr im Ermessensspielraum seines politischen Gestaltungsauftrages liegen, wenn er ernsthaft den Beruf des Schäfers als Fürsprache für den Wolf zu bestreiten gezwungen wird. Alles Beschwichtigen, gerade auch vonseiten der Kanzlerin, ist Zynismus pur, gegen dessen Dimensionen &#8211; auch im friedlichen Sinne &#8211; die Bevölkerung machtlos ist. Und die Kanzlerin muss vom bundespolitischen Sessel aus Signale in die Länder senden. Und da sitzt sie nun und sendet Signale, die auch nach hinten losgehen können und es auch tun, werden durch rechtliche Bedenken des Bundestagspräsidenten Lammert kassiert oder substantiell untergraben. Und selbst diejenigen, die sonst gerne Adressat der Frohbotschaft vor Reaktor-Abschaltungen sein wollen: SPD, Grüne und Linke &#8211; können das alles gar nicht fassen. Die ganze Politik reagiert: reagiert im rechtlichen Graubereich, reagiert mit heißer Luft, reagiert mit bloßen Signalen. Uns alle wird das viel Geld kosten, uns alle wird auch alles andere sehr viel Geld kosten, weil uns unser billiges Leben mit immer noch günstigeren Produkten lieb und teuer ist. Natürlich ist das ein Widerspruch, aber ein Kulturvolk wie das unsere sollte sich gerade nicht für die destruktivsten seiner Widersprüche zu schade sein, denn damit kommt so eine melodramatische Note hinein, die wir noch brauchen werden, wenn das Schlimmste passiert und wir Dynamik brauchen.</p>
<p style="text-align:justify;">Gnade uns allen Gott, denn wir kennen ja keine Gnade mit uns, wir Selbstzerstörer.</p>
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		<title>&#8216;Helden&#8217; wollen nicht für BILD werben&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Feb 2011 12:17:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carloihde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sympathisches Schlaglicht]]></category>
		<category><![CDATA[Umgehend reagiert]]></category>
		<category><![CDATA[Absage]]></category>
		<category><![CDATA[BILD]]></category>
		<category><![CDATA[Es hackt]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Bin gerade sehr überrascht von den Vorgängen, die da so laufen.</p>
<p><a href="http://www.bildblog.de/28264/wir-sind-helden-wollen-nicht-fuer-bild-werben/">http://www.bildblog.de/28264/wir-sind-helden-wollen-nicht-fuer-bild-werben/</a></p>
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<p>Einerseits: Wie kann man nur auf die Idee kommen, die &#8216;Helden&#8217; würden Werbung für ein Druckerzeugnis aus dem Springerkonzern machen wollen? Da muss es sich um einen Scherz der Agentur Jung/von Matt handeln. Haben die das ernst gemeint? Naja, jedenfalls gibt es das Antwortschreiben jetzt gratis im Netz, die polemische  Tonlage des Schreibens hat mich, zugegebenermaßen erotisch elektrisiert, wie immer man sich das auch vorstellen mag. Und: Grundidee war doch, dass die angeworbenen Promis, geködert mit dem guten Zweck, ihre Meinung zu BILD offen sagen sollten. Und? Haben sie doch jetzt auch getan, auch ohne auf den Kampagnenzug aufzuspringen. Oder vielleicht doch auf den Zug gesprungen? Ist das eine autonome Widerspruchshandlung? Da bin ich mir noch nicht klar. Fest steht: Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.</p>
<p>Grüße</p>
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